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Winterschnittmaßnahmen in Beueler Grünanlage: Anwohnerin verärgert über gestutzte Bäume und Sträucher in Grünanlage

Winterschnittmaßnahmen in Beueler Grünanlage : Anwohnerin verärgert über gestutzte Bäume und Sträucher in Grünanlage

Julia Schrey wehrt sich in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin gegen den radikalen Beschnitt von Bäumen und Sträuchern. Laut OB seien die Maßnahmen aber notwendig.

Fassungslos und mit völligem Unverständnis reagiert Julia Schrey auf die städtischen Winterschnittmaßnahmen an Bäumen, Büschen und Sträuchern der Grünanlage an der Kreuzung Hermann- und Ringstraße. „Was passiert denn hier? Sie haben ja alles dem Erdboden gleichgemacht“, fragte Schrey zwei Mitarbeiter des Grünflächenamtes, die im Februar im Begriff waren, ihre Schnitt- und Rodungsarbeiten abzuschließen. Lachend habe einer der Männer darauf geantwortet, was sie denn wolle, schließlich ständen ja noch vier Bäume. Etwa ein Dutzend junger bereits mehrere Meter hohe Bäume waren jedoch gerade radikal abgesägt worden.

„Es kommt einer Rodung gleich“, sagt die entsetzte Anwohnerin, die unweit von Parkanlage und Spielplatz in der Rudolf-Hahn-Straße wohnt. Der Anblick der nicht mehr vorhandenen Bäume und der radikal gestutzten Sträucher wurden für Schrey zum „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“: Sie verfasste ein Schreiben an Oberbürgermeisterin Katja Dörner, das auch dem GA vorliegt. „Es ist unfassbar, wie in Zeiten von Klimaerwärmung und dem Absterben von Bäumen durch Hitze, gesunde Bäume und Sträucher überall in der Stadt radikal gefällt und beschnitten werden. Einfach so, ohne Not.“ Schließlich dienten die Pflanzen den Vögeln als Nistmöglichkeit, Rückzugsort und Nahrungsquelle, im Gebüsch hätten sich Igel verstecken und überwintern können.

Vollkommen unverständlich sei für sie gewesen, wie man bei den Minustemperaturen im Februar mit der Natur, die eigentlich geschützt werden sollte, umgegangen werde. Man sollte doch wissen, wie wichtig gerade Unterholz, Laub, Büsche oder auch Totholz für Vögel und andere Tiere sind, um Unterschlupf und Insekten zu finden. „Wo sollen die Vögel im Frühling brüten? Dort steht kein einziger Strauch mehr! Alles ist weg!“

Schreiben an die grüne Oberbürgermeisterin

Die Mitarbeiter der Stadt Bonn, die sie ansprach, argumentierten mit dem, was man immer als Alibi hört, „Gewächse müssen zurückgeschnitten werden.“ Das sei jedoch kein Zurückschneiden gewesen, so Schrey. „Das ist ein Niedermetzeln und Zerstören eines kompletten Biotops“, schrieb Schrey und wollte mit ihrem Schreiben in Erfahrung bringen, wie sich die Grüne OB zu den Vorwürfen positioniere.

Auch wenn es „sehr durchgreifend“ aussehe, antwortete die OB, seien die Winterschnittmaßnahmen „fachtechnisch anerkannt und notwendig“ gewesen. Es sei – anders als im privaten Garten – im kommunalen Bereich auch aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus nicht durchgängig möglich, nur vereinzelt Äste oder Gehölze zu schneiden. „An frei wachsenden Gehölzstreifen ist es aber auch nicht sinnvoll, wie bei Formschnitthecken üblich, jedes Jahr mit der Heckenschere nur den Jahrestrieb zurückzuschneiden“, schreibt Dörner. Vielmehr sei es sinnvoll die Strauchbepflanzung durch ein sogenanntes Auf-den-Stock-setzen zu verjüngen. „Die Sträucher werden in ein paar Wochen austreiben und schon Ende Mai ein völlig anderes, viel freundlicheres Bild abgeben“, versucht die OB Schrey zu beruhigen. Das gelingt jedoch kaum: „Die Antwort, dass man nur auf den Stock zurückschneiden würde, höre ich immer wieder“, sagt sie. Bei dem vorhandenen Radikalschnitt der Bäume sehe sie jedoch keine Chance auf ein Nachwachsen. Es bringe auch nichts, ein paar Pro Forma-Bäume zu pflanzen, die beim nächsten Hitzesommer verdorren, es gehe vielmehr darum, die Bäume und Sträucher, die bereits bestehen, zu erhalten, da sie den Boden bei Hitze durch das Spenden von Schatten schützen.

Stadt habe bereits viele Flächen insekten- und umweltfreundlich gestaltet

„Es geht darum, insektenfreundliche Blumen und Sträucher auf Erde oder Gras zu pflanzen und vorausschauend und mitdenkend Umweltschutz zu betreiben“, so Schrey. Dörner weist abschließend darauf hin, dass die Stadt schon sehr viele Flächen im Sinne von Schreys Forderungen insekten- und umweltfreundlich gestaltet habe. Dazu gebe es auf der städtischen Internetseite unter dem Begriff „Label Stadtgrün naturnah“ sehr gute und ausführliche Informationen.