1. Bonn
  2. Beuel

Katholische Kirche in Beuel: Auf dem Weg zur Gemeinschaftspfarrei

Katholische Kirche in Beuel : Auf dem Weg zur Gemeinschaftspfarrei

Norbert Grund, der Pfarrverweser für die Beueler Pfarreien, wagt einen Ausblick auf den „pastoralen Zukunftsweg“ im Stadtbezirk

Die Organisation der katholischen Kirche im Stadtbezirk Beuel besteht derzeit aus drei Teilen: der Pfarreiengemeinschaft „Am Ennert“ mit drei Kirchengemeinden, der Pfarreiengemeinschaft „Bonn – Zwischen Rhein und Ennert“ mit ebenfalls drei Kirchengemeinden und dem Seelsorgebereich „An Rhein und Sieg“ mit vier Kirchengemeinden. Als im vergangenen Jahr die Patres, die die Gemeinden „Am Ennert“ geleitet hatten, von ihrem Orden abgezogen wurden, wurde Pfarrer Norbert Grund als „Pfarrverweser“ vom Erzbischof eingesetzt, um die Vakanz zu überbrücken. Über die Situation der katholischen Kirche in Beuel, über Sendungsräume und den pastoralen Zukunftsweg sprach Pfarrer Grund mit Rainer Schmidt.

Herr Grund, bevor wir in medias res gehen, was ist ein Pfarrverweser?

Norbert Grund: Auch wenn das Wort vielleicht negativ klingt, das Wort hat mit „verwaist“ zu tun. Ein Pfarrverweser ist ein Pfarrer, der sich um eine verwaiste Pfarrei kümmert.

Letztes Jahr hatten wir uns in Holtorf gesprochen, als sie Pfarrvikar Anand Valle und Pastoralreferent Jonas Kalkum eingeführt haben. Damals kündigten Sie an, dass bis ‚in einem Jahr‘, also quasi bis heute, aus Köln eine Lösung für den Sendungsraum vorgestellt würde. Was ist daraus geworden?

Grund: Die konkrete Lösung sieht jetzt so aus, dass die Pfarrverweserschaft bis 2023 verlängert ist. Zum 1. September wird der Sendungsraum offiziell errichtet. Pfarrer Evertz aus Beuel und ich, wir beide werden als Pfarrer nebeneinander hier tätig sein. Wobei ich zum 1.9. zum Koordinator ernannt werde. Es soll ein Koordinierungsausschuss etabliert werden, wo alle relevanten Gremien aus den Pfarreien vertreten sein sollen.

Nochmal zur Klarstellung, was ist unter dem Sendungsraum zu verstehen?

Grund: Das ist ein Begriff, der wieder verschwinden wird, weil ihn nur wenige verstehen. Gemeint ist, dass die drei Pfarreiengemeinschaften in Beuel demnächst einen größeren Bereich bilden werden.

Bedeutet das, dass aus drei Pfarreiengemeinschaften eine werden wird?

Grund: Das könnte sein. Im Rahmen des pastoralen Zukunftsweges des Bistums wird ein sogenanntes Zielbild veröffentlicht werden. Es könnte sogar der Fall sein, dass alles zu einer einzigen Kirchengemeinde zusammengelegt werden muss. Es würde dann ein Zeitraum festgelegt, in dem die Änderungen realisiert werden sollen. Das ist dann aber eine große Herausforderung.

Bis wann soll denn das Zielbild veröffentlicht werden?

Grund: Das Zielbild ist für diesen Herbst angekündigt. Trotz Corona sind die Vorarbeiten abgeschlossen. Im September soll der Stand des Zukunftsweges in allen Pfarreien vorgestellt werden. Wie weit da noch Einflussnahme möglich ist, kann ich nicht abschätzen.

Dann liegt im Herbst 2020 ein Zukunftsbild für die Gemeinden auf dem Tisch?

Grund: Perspektivisch für die kommenden zehn Jahre will der Erzbischof ein Bild vorstellen, wie die Kirchenlandschaft 2030 aussehen soll. Da wird der Raum Beuel ein Teil des Konzeptes sein.

Kommt dann als Ergebnis eine Gemeinde Beuel heraus?

Grund: Ob es genau eine Gemeinde werden wird, das vermag ich nicht abzusehen. Auf jeden Fall wird es eine Gemeinschaft der Beueler Gemeinden sein.

Stehen auch Kirchenschließungen, wie in Paulus, zur Diskussion?

Grund: Bislang nicht.

Was sind denn derzeit konkret Ihre Aufgaben?

Grund: Einerseits bin ich Koordinator für den Veränderungsprozess der nächsten Jahre. Andererseits bin ich Pfarrverweser für Holtorf, Holzlar und Pützchen, da wird bis 2023 kein neuer Pfarrer mehr kommen. Und ich bin nach wie vor Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft „Bonn – Zwischen Rhein und Ennert.“

2023 deshalb, weil dann ihr Kollege Evertz in Ruhestand geht?

Grund: Genau.

Und dann gibt es nur noch einen alteingesessenen Pfarrer und das sind Sie?

Grund: Ob ich das dann sein werde, ist bis 2023 bewusst offengehalten. Es könnte auch sein, dass ich dann woanders hingehe und jemand hier neu als Pfarrer für ganz Beuel anfängt.

Zurück zur Koordinierungsgruppe. Wer soll da mitarbeiten?

Grund: Vom Bischof gibt es nur die Vorgabe, dass es eine solche Gruppe geben muss und ich diese leiten soll. Auf jeden Fall müssen die Pfarrgemeinderäte da vertreten sein und es müssen Menschen sein, die Freude daran haben zu koordinieren.

Was ist denn hierbei zu koordinieren?

Grund: Das könnten die Wege sein, wie die Vorbereitung auf die Sakramente geschieht, etwa bei Erstkommunion, Firmung, Taufe. Oder die Jugendarbeit. Oder die Öffentlichkeitsarbeit, etwa eine Kooperation bei den Pfarrbriefen oder ein gemeinsamer Internetauftritt als Portal zu den bestehenden Seiten.