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Serie: Streifzug durch Beuel: Auf den Spuren der Schiffer, Wäscher und Fischer in Beuel

Serie: Streifzug durch Beuel : Auf den Spuren der Schiffer, Wäscher und Fischer in Beuel

In der neuen Serie „Streifzug durch Beuel“ ist der GA im ersten Teil auf den Spuren der Schiffer, Wäscher und Fischer unterwegs.

Wenn man etwas über Beuel erfahren möchte, kommt man am Schiffer-Verein von 1862 nicht vorbei. Und wenn dann dieser Verein auch noch einen Käpt’n und keinen Vorsitzenden hat, der auf eine Ahnengalerie bis in Napoleons Zeiten zurückblickt, dann weiß man, dass man an der richtigen Adresse ist. Um Geschichten geht es auch bei der neuen Serie „Streifzug durch Beuel“. Im ersten Teil heißt es „Auf den Spuren der Schiffer, Wäscher und Fischer in Beuel“.

Käpt’n des Schiffer-Vereins ist Reiner Burgunder. „Meine Vorfahren sind irgendwann aus Frankreich gekommen und waren so fußkrank, dass sie hiergeblieben sind“, sagt er mit Augenzwinkern. Er ist mit Claus Werner Müller, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, auf Streifzug durch Beuel.

Eines stellt Burgunder gleich zu Beginn klar: „Wir sind der einzige Schiffer-Verein an Mittel- und Niederrhein, der keine Schiffer im Verein hat.“ Zwar sei sein Großvater noch Schiffer gewesen, doch diese Zeiten seien schon lange vorbei.

Schlägt man um das Nepomuk-Denkmal am Rhein, dem Schutzpatron der Schiffer, Fischer und Brücken, einen Halbkreis, beginnend mit der Kennedybrücke im Norden, dann kommt man an den Bahnhof im Osten und bis zum alten Bootshaus im Süden. „Das ist für mich das alte Beuel“, sagt Burgunder.

Dann geht es zur Johannisstraße, Start und Ziel des Rundgangs, über die Rheinaustraße, die früher Rheinstraße hieß, gen Süden. „Hier spielten wir Kinder auf den Feldern und Wiesen“, sagt Burgunder. „Außerdem waren hier die Wäschereien mit den Wiesen am Rhein, die die Wäscher benötigten.“ Und: „Dies war eine schwere Arbeit.“ Wäschereien gäbe es auch heute noch in Beuel, aber wenige, die sich auf Industriewäsche spezialisiert haben.

Am Restaurant Canale Grande kann man nicht nur eine alte Stele bewundern, sondern auch eines der Häuser derer von Burgunder. Ein kleiner Abstecher links in die Ernst-Moritz-Arndt-Straße lohnt sich deshalb, weil bei einem Haus ein Stück des Geländers der alten Bonn-Beueler Rheinbrücke zu bewundern ist. Ein wahres Schätzchen, das sich vermutlich in einem alten Fischernetz verfangen hatte, als man noch im Rhein fischen konnte. „Auch das Fischer-Gewerbe“, so Burgunder, „ist hier mit der Industrialisierung am und auf dem Rhein ausgestorben.“

Der Weg Richtung Norden längs der Rheinpromenade gibt Müller die Gelegenheit, Anekdötchen zu erzählen. „Dort drüben“, sagt er und zeigt auf eine Mauer auf Bonner Rheinseite, „stand der Nepomuk ursprünglich.“ Doch dann hätten ihn Studenten in den Rhein geworfen und „rein zufällig“ haben ihn Beueler Fischer gefunden und nach Beuel gebracht, wo er heute auf einem Sockel prominent thront.

Foto: Grafik GA

Müller verweist auch auf das Universitätsgebäude auf Bonner Seite, in der Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI, gelehrt hatte. Und er kennt jene Geschichte, wonach Ratzinger heimlich mit dem Bötchen von der anderen Seite übergesetzt haben soll, um in Beuel einzukehren und ein Russenei zu essen.

Vorbei geht’s am Nepomuk-Denkmal und dem Fahnenmast des Schiffer-Vereins, entlang an vielen kleinen Kunstwerken in der Hochwassermauer, darunter auch das Bröckemännchen. Nach dem Mirecourtplatz führt die Wanderung unter der Kennedybrücke durch und dann scharf rechts. „Wir könnten noch bis zu den Hochstühlen der ‚Wächter‘, die bis vor einigen Jahren am Adenauerplatz standen, gehen“, meint Burgunder – tun wir aber nicht. Am Mehlem’schen Haus vorbei, ein besonderer Ort in Beuel, führt der Weg über die Friedrich-Breuer-Straße zum Rathaus.

Am Rathausplatz verfallen Burgunder und Müller in Trübsal. „Hier fehlt das Alte Rathaus“, sagt Burgunder. „Und der Ratskeller, den man beim Bau der Tiefgarage entdeckt hatte“, ergänzt Müller. „Ein altes Rathaus mit einem Ratskeller und einer eigenen Hausbrauerei, das ist für mich ein typisches Zentrum einer Stadt“, meint er.

Zurück zur Johannisstraße geht es im Zickzack durch Straßen und Gässchen. Einige nette alte Häuser stehen hier am Wegesrand. Letzte Station, nachdem das Heimatmuseum rechts liegen gelassen wurde, ist die Sankt Josef Kirche, zu deren Entstehung der Schiffer-Verein nicht unerheblich beigetragen habe. Sie steht übrigens auf dem höchsten Punkt von Beuel. „hochwassersicher“, versichert der Käpt’n.