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Kurdische Trauerfeier 2011: Auto-Angriff in Beuel war offenbar eine Flucht

Kurdische Trauerfeier 2011 : Auto-Angriff in Beuel war offenbar eine Flucht

Der 23-Jährige, der bei einer kurdischen Trauerfeier im August 2011 in eine Menschenmenge in Beuel hineingefahren ist und dabei vier Menschen verletzt hat, hat dies offenbar nicht gezielt getan. Zu diesem Ergebnis kam das Amtsgericht Bonn, vor dem sich der junge Mann unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten musste.

Doch übrig blieb letztlich allein eine Verurteilung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro (90 Tagessätze à 25 Euro) wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Dem Angeklagten, der wiederholt ohne Führerschein am Steuer erwischt worden war, wurde die bereits bestehende Sperre bis Juli nun um zwei Monate verlängert. Die weiteren Anklagepunkte wurden vorläufig eingestellt. Denn die Prozessbeteiligten waren nach einem Rechtsgespräch zum Schluss gekommen, dass der Angeklagte mit weiteren Familienmitgliedern die Flucht ergriffen hatte, da es zu einer Massenschlägerei zwischen zwei Familien gekommen war - und daher möglicherweise eine notwehrähnliche Situation bestanden hatte.

Zudem hatten sich auch die schwangere Frau des Angeklagten sowie seine Mutter in der Menschenmenge befunden. "Die wollte er sicher nicht verletzten", so der Vorsitzende des Schöffengerichts.

Wie berichtet, lieferten sich zwei kurdische Familien am 19. August 2011 eine wüste Massenschlägerei in der Oberen Wilhelmstraße. Zu der Trauerfeier für einen verstorbenen Beueler Kaufmann war die Verwandtschaft aus ganz Deutschland gekommen, auch der 23-Jährige aus Weil am Rhein. Den Schilderungen des Angeklagten zufolge hatte der soeben verstorbene Schwiegervater als einziger der Familie die Heirat des 23-Jährigen mit der Tochter des Gemüsehändlers gebilligt. Nach dem Tod sei der alte Zwist sofort wieder ausgebrochen - gegen 23.20 Uhr kam es zur Prügelei, bei der etwa 30 Personen beteiligt gewesen sein sollen.

Ein Augenzeuge hatte dem General-Anzeiger damals berichtet, dass sich mehrere Personen aus dem Getümmel lösten. Wenig später sei der Mercedes, in dem mehrere Personen saßen, angefahren gekommen und "mitten in die streitende Gruppe hineingefahren". Auch die Polizei hatte eine Woche nach dem Vorfall angegeben, dass die Ermittler "nach dem derzeitigen Stand davon ausgehen, dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern der Fahrer absichtlich in die Menge fuhr".