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Interview mit Bernd Siegemund: BAD-Geschäftsführer kündigt Ausdehnung des Standortes an

Interview mit Bernd Siegemund : BAD-Geschäftsführer kündigt Ausdehnung des Standortes an

BAD-Geschäftsführer Professor Bernd Siegemund plant die dritte Erweiterung des Gesundheitsdienstleisters. Erst 2015 hatte das Unternehmen einen Neubau bezogen.

Der Stress am Arbeitsplatz nimmt in vielen Berufen zu, ebenso die Krankheitstage, die auf mentale Belastungen zurückzuführen sind. Dieser Entwicklung will das Unternehmen „BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik“ in Beuel durch gezielte Arbeitsplatzberatung entgegenwirken. Und weil auch die Unternehmen mehr und mehr bereit sind, für die Optimierung des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsvorsorge Geld auszugeben, wächst der Umsatz des BAD-Konzerns ständig. Über die Aufgaben und Ziele des Gesundheitsdienstleisters sprach Holger Willcke mit Professor Bernd Siegemund, Vorsitzender der BAD-Geschäftsführung.

Erst 2015 haben sie den Neubau in der Herbert-Rabius-Straße bezogen. Jetzt planen Sie bereits Ihr viertes Gebäude an diesem Standort. Wie erklären Sie das?

Bernd Siegemund: Unsere Gebäude sind bereits ausgelastet. Und wir erwarten, dass das Unternehmen zukünftig eher noch schneller wachsen wird. Ich rechne damit, dass in den kommenden drei Jahren weitere 50 Arbeitsplätze benötigt werden.

Wie weit sind die Planungen für die dritte Erweiterung gediehen?

Siegemund: Der BAD hat einen Antrag für eine vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung für das brachliegende Grundstück gestellt, das unmittelbar an den Hauptsitz angrenzt. Geplant ist ein dreigeschossiger Bürobau mit Staffelgeschoss und einer Tiefgarage. Der bestehende Bebauungsplan sieht auf der Fläche einen Spielplatz vor. Er war geplant für Familien, die ins Mirecourtviertel jenseits der St. Augustiner Straße ziehen. Allerdings hat sich herausgestellt, dass die Unterführungstunnel am Bröltalbahnweg den Kindern eigentlich nicht zumutbar sind.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Siegemund: Wir wollen im Herbst mit dem Neubau beginnen. Spätestens Ende 2018/Anfang 2019 wollen wir einziehen. Das Grundstück ist rund 1100 Quadratmeter groß und gehört der Stadt Bonn. Wir wollen die Fläche kaufen.

Wie sind Ihre Erfahrungen als Bauherr mit der Stadt Bonn?

Siegemund: Unser Unternehmen hat bei den vorangegangenen Verhandlungen mit der Stadt viel Zeit verloren. Bei unserem letzten Bauvorhaben hat sich das Verfahren zur Erteilung der Genehmigung ziemlich lange hingezogen. Als Unternehmer frage ich mich, ob das so lange dauern muss. Wir hatten der Verwaltung acht Ordner mit den Planungen eingereicht. Die eingereichten Unterlagen, Papierausdrucke, wurden sequenziell von Amt zu Amt weitergereicht. Gewünscht waren Papierausdrucke. Unterlagen in digitaler Form könnten von allen Ämtern gleichzeitig bearbeitet werden. Am Schluss könnte eine Clearingstelle Entscheidungen und Einwände zusammenfassen. Auch für unser nächstes Vorhaben drohte zunächst Zeitverzug. Ursprünglich sollte der geplante Bau und die damit verbundene Bebauungsplanänderung erst 2018 auf die Tagesordnung kommen. Auch die Rückmeldung der Ämter war anfangs schleppend. Durch mehrere Gespräche mit der Stadt, in denen wir ausgehend von der Entwicklung in den letzten Jahren unseren zukünftigen Platzbedarf aufgezeigt und die Dringlichkeit nochmals deutlich gemacht haben, konnte das Verfahren etwas beschleunigt werden.

Ihr jüngstes Projekt war die Schaffung eines Konferenzzentrums im BAD-Gebäude, das auch von Fremden angemietet werden kann. Gibt es dafür eine Nachfrage?

Siegemund: Ja, in Beuel gibt es so ein Angebot nicht, und wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es schwierig ist, solche Räumlichkeiten für Seminare oder Workshops in Bonn zu bekommen, wenn die eigenen Kapazitäten einmal ausgelastet sind. Wir bieten ein Tagungszentrum für bis zu 150 Teilnehmer mit modernster Konferenztechnik und schönem Blick über Beuel.

Wie entwickelt sich Ihr Betriebskindergarten in Beuel?

Siegemund: Hervorragend, alle 35 Plätze sind belegt. Eine weitere Gruppe für bis zu zehn Kinder hat ab August 2017 die Stadt Bonn gebucht. Damit ist die maximale Auslastung erreicht. Das Interesse an den Kindergärten unserer Terminal for Kids gGmbH ist ungebrochen. Mittlerweile betreiben wir in Deutschland elf Kindergärten, fünf weitere sind in Planung.

Würden Sie auch Kindergärten für die Stadt Bonn und andere Unternehmen bauen und betreiben?

Siegemund: Grundsätzlich ja. Aber das ist nicht so einfach, weil zum Beispiel die Stadt Bonn keine eigenen Zuschüsse für Kindergartenplätze bezahlt. Dadurch wird der finanzielle Aufwand für die Arbeitgeber, die solche Plätze für die Kinder ihrer Mitarbeiter erwerben, sehr hoch. In Hessen liegt der Aufwand pro Platz und Monat aufgrund der kommunalen Zuschüsse je nach Kommune bei 350 bis 450 Euro, in Bonn bei über 650 Euro. Darüber hinaus zahlen wir als Arbeitgeber allen unseren Mitarbeitern für die Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, einen Kindergartengeld-Zuschuss in Höhe von 100 Euro.

Wird Ihr Unternehmen so rasant weiter wachsen?

Siegemund: Derzeit ist davon auszugehen. Wir könnten derzeit noch schneller wachsen, aber wir finden zu wenig qualifizierte Mitarbeiter, insbesondere Arbeitsmediziner. Die Nachfrage seitens der Unternehmen nach verbessertem Arbeitsschutz und Gesundheitsvorsorge nimmt nach wie vor zu.

Was fehlt ihnen an ihrem Standort in Beuel?

Siegemund: Ausreichend Parkplätze. Wir haben bereits bei unserem Nachbarn, der Telekom, 25 Stellplätze angemietet. Unter unserem nächsten Neubau werden wir eine Tiefgarage bauen, die wir mit der bereits existierenden Tiefgarage verknüpfen werden.

Warum haben Sie sich für Ihren Neubau in Beuel entschieden?

Siegemund: Das Grundstück liegt verkehrsgünstig und nah an den übrigen Verwaltungs- und Dienstleistungsgebäuden. Und trotz der vielen technischen Kommunikationsmöglichkeiten lassen sich in einem persönlichen Gespräch Fragen oft schneller und einfacher klären. Und wir fühlen uns hier sehr wohl.

Wenn Sie einen Wunsch an die Stadt Bonn frei hätten, wie würde er lauten?

Siegemund: Wir hätten gerne die Baugenehmigung schneller. Allerdings will ich nicht nur kritisieren, sondern die Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn ausdrücklich loben. Sie hat uns bislang immer gut beraten und unterstützt.