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Baumfällungen in Bonn: Bäume am Rheinufer in Beuel gefällt

Amt für Stadtgrün in Aktion : Warum müssen Bäume am Rheinufer gefällt werden?

Drei abgestorbene Pappeln am Biergarten „Blauer Affe“ in Bonn-Beuel sind am Donnerstag gefällt worden. Dafür zuständig sind Baumkontrolleure und -pfleger des Amts für Stadtgrün, die das ganze Jahr unterwegs sind. Wie arbeiten sie und wann müssen Bäume gefällt werden?

Die meisten Bäume beidseits des Bonner Rheinufers sind Kanadische Pappeln. Drei etwa 50 Jahre alte Exemplare dieser auch Holzpappel oder Robusta-Pappel genannten Bäume mussten am Donnerstag in der Nähe des Biergartens "Blauer Affe" gefällt werden. „Die Pappeln zählen für uns zu den kurzlebigen Baumarten“, sagt dazu der Baumexperte Rolf Dung vom Amt für Umwelt und Stadtgrün und erklärt, dass manche Buche oder Eiche auch 300 Jahre oder älter werden kann. Es sei bereits in diesem Jahr nach dem Austrieb aufgefallen, dass die drei Beueler Bäume „komplett abgestorben“ waren. „Das war auch für Laien erkennbar“, so Dung, „dass bis auf diese drei Pappeln alle Nachbarbäume Laub hatten.“ Da gebe es auch keine Diskussion mehr, „die Bäume sind tot.“

Das zu beobachten und Maßnahmen zu treffen, die eine Gefahr von herabfallenden Ästen oder umfallenden Bäumen verhindern helfen, ist die Aufgabe von sechs hauptamtlichen Baumkontrolleuren und -kontrolleurinnen, die das ganze Jahr unterwegs sind. Sie kontrollieren alle fünfzehn Monate jeden der rund 100.000 Bäume, die zum Amt für Stadtgrün gehören. Dazu gehören die rund 35.000 Straßen- und Alleebäume sowie alle Bäume in Grünanlagen und Parks bis hin zur Rheinaue. Auch die Bäume auf den 40 Bonner Friedhöfen, Schulhöfen und Kinderspielplätzen gehören dazu. Dafür ist das Stadtgebiet in zwölf Reviere eingeteilt, in denen sich während ihrer Arbeit alle Kontrolleure gleichzeitig aufhalten, um einen eventuellen Schädlingsbefall direkt eingrenzen zu können.

Man ist mit der Begutachtung der Bäume im 15-Monats-Rhythmus bewusst von einem Kontrollstandard abgewichen, der eine Prüfung alle zwölf, 24 oder 36 Monate vorsieht, um dadurch die Bäume innerhalb von vier Jahren in allen Zuständen der vier Jahreszeiten sehen zu können. „Bei einer alle zwölf Monate wiederkehrenden Beobachtung würde der Baum in dem immer gleichen Vegetationszustand zu untersuchen sein“, erklärt Dung. Es gebe aber Schäden, die man besser im unbelaubten Zustand erkenne. „Ich kann vielleicht bei einem belaubten Baum die ersten zehn oder fünfzehn Meter erkennen, aber ein gebrochener Ast in der Baumkrone bliebe mir verborgen.“

Fast jeder fünfte Baum braucht Pflege

Bei etwa zehn bis zwanzig Prozent der jährlich kontrollierten Bäume wird ein Handlungsbedarf festgestellt. Dabei werden die Kontrollen mit einfachen Hilfsmitteln durchgeführt. Die Experten führen beispielsweise spezielle Hämmer und Sondierstäbe mit sich, mit den der untere Baumbereich abgeklopft und untersucht werden kann. Es handelt sich dabei immer um Sichtprüfungen, deren Ergebnisse im Baumkataster eines mitgeführten Tablets dokumentiert werden. Dort hat jeder der rund 100.000 Bäume einen Datensatz in dem somit die Historie der jährlichen Untersuchungen ablesbar ist. Festgestellte Schäden können somit vor Ort eingetragen und eventuell erforderliche Maßnahmen mit unterschiedlichen Prioritäten der Abarbeitung versehen werden.

„Es gibt dringende Fälle, die innerhalb von sechs Wochen erledigt werden müssen“, so Dung. Es gebe aber auch Erledigungszeiträume von drei, sechs oder fünfzehn Monaten. Der abgestorbene Ast einer Eiche halte eben wesentlich länger als der einer Linde, wissen die Baumexperten, die alle neben ihrer fachlichen Ausbildung als Gärtner über eine Zusatzzertifizierung als Baumkontrolleur verfügen müssen. Die Maßnahmen, die bei einer Schädigung ergriffen werden müssen, werden abhängig gemacht von der so genannten „Sicherheitserwartung an den Verkehr“.

Baumkataster wertet Schäden elektronisch aus

Der gleiche Baum mit einem Ast, der abgeschnitten werden muss wird in einer Schule, einem Kindergarten oder auf einem Spielplatz mit größerer Dringlichkeit behandelt, als der eines Baumes in einer Grünanlage außerhalb des Wiesen- oder Wegebereichs. Nachdem Baumschäden durch die Kontrolle erfasst sind, werden sie im Baumkataster elektronisch ausgewertet, woraus die Arbeitsprogramme für die Baumpfleger generiert werden. Dreizehn Baumpfleger sind ebenfalls mit entsprechendem Equipment, wie Hocharbeitsbühnen, LKWs, Häckslern, Motorsägen etc. in Diensten des Stadtgrün-Amtes. Ihr Sitz ist der Bauhof in der Rheinaue. Die Wege sind kurz und bewährt, sagt Dung. So könne es vorkommen, dass ein Kontrolleur bei den Baumpflegern anrufe und eine unmittelbare Maßnahme zur Gefahrenabwehr durch herabzustürzen drohende Äste einleite. „Wir haben jederzeit direkten Zugriff auf die Bäume. Sowohl was die Kontrolle, wie auch die Pflege angeht. Wir können immer schnell reagieren“, sagt Dung.

Nur ein kleiner Anteil der Pflegeleistung sei – wie die Baumfällung beim „Blauen Affen“ - an Fremdfirmen vergeben. Für das Amt sei es sinnvoll, so der Sachgebietsleiter, die drei Bäume nicht selber zu fällen, weil man in der dafür benötigten Zeit zwanzig andere Bäume pflegen könne. Oftmals wünscht sich Dung etwas mehr Verständnis für die Arbeit, die seine Kontrolleure und Baumpfleger leisten. Der manchmal geäußerte Satz, den man bei Baumfällungen wie am „Blauen Affen“ von erbosten Zuschauern zu hören bekomme, dass man ja nichts anderes als Fällen könne, habe nichts mit der Realität zu tun. „Natürlich können wir viel, viel mehr und das ist es auch, was wir das ganze Jahr über tun.“