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TSC "Blau-Gold-Rondo": Beim Renaissance-Ball lernten die Teilnehmer, wie man im 16. Jahrhundert tanzte

TSC "Blau-Gold-Rondo" : Beim Renaissance-Ball lernten die Teilnehmer, wie man im 16. Jahrhundert tanzte

Ein wallender, bodenlanger Rock, weit ausgestellte Ärmel. Dazu ein Mieder, das an eine Korsage erinnert, und eine Haube. So schreitet Maren Wagner durch den Saal des Tanzsportclubs TSC "Blau-Gold-Rondo". Nicht ohne Stolz. Denn die Anfertigung ihres Renaissance-Traumkleides in Grün dauerte rund zwei Jahre. "Ich habe mich von der Serie ,Die Tudors' inspirieren lassen", erklärt die 34-Jährige.

Nun trägt sie es auf dem dritten Stadt-Land-Fest, einem Renaissance-Ball, in der Tapetenfabrik in Beuel zum ersten Mal. Wie viel sie die Herstellung des Kleides gekostet hat, weiß sie nicht mehr. Jedoch habe sie bewusst keine teuren Stoffe wie etwa Brokat verwendet, sondern sei auf Stoffe ausgewichen, die ähnlich aussehen, aber günstiger sind. Alles hat sie mit der Hand genäht. "Vor allem der Rock und die Haube waren schon eine Herausforderung", erinnert sich Wagner. "Das Anziehen ist auch etwas komplizierter. Da brauche ich meine Zofen."

Die Mühe hat sich gelohnt. Beim Eröffnungstanz des Balls steht sie mit ihrem Freund in der ersten Reihe. Gekonnt zeigen sie mit etwa 50 weiteren Renaissance-Fans, gekleidet im feinsten Zwirn oder in bäuerlicher Tracht des 16. Jahrhunderts, verschiedene Pavanen, Schreit-, Kreis- und Gassentänze.

"Die Choreographien sind recht kurz", erklärt Lars Wallenborn, Organisator des Balls. "Je nachdem, wie lang das jeweilige Lied dauert, wiederholen sich die Schritte dementsprechend oft." Der Tanzmeister an diesem Abend heißt Oliver Nahm. Der Promotionsstudent unterrichtete in einem Anfänger- und einem Fortgeschrittenen-Workshop vorab die Tänze im Detail.

Er selbst ist über seine Mutter Ingeborg zu den Renaissance-Tänzen gekommen. "Ihr fehlte der Tanzpartner, also sprang ich ein", erzählt er knapp. Im Saal des TSC "Blau-Gold-Rondo" erklärt der Tänzer aber nicht nur die Details der Schritte, sondern auch Wissenswertes rund um die Flirtkunst um 1500. Legte etwa der männliche Part beim Tanzen seinen Daumen sanft auf den Handrücken der Tanzpartnerin, so bekundete er damit Interesse.

"Bei solchen Veranstaltungen vergisst man für eine kurze Zeit den Alltag", schildert Wagner das Gefühl während des Balls. Schuld an der Leidenschaft der Grundschullehrerin sind übrigens Robin Hood und eine Sportlehrerin in der Oberstufe. "Als Kind war ich schon immer von den Robin Hood-Filmen fasziniert, und in der Oberstufe gab es einen Kurs mit historischen Tänzen", erklärt Wagner.

Über das Internet wurde sie dann einige Jahre später zufällig auf den Renaissance-Ball in der Tapetenfabrik aufmerksam und ist seitdem eine regelmäßige Teilnehmerin. "Die Szene ist schon eine ganz besondere", beschreibt sie. "Es herrscht hier eine sehr freundliche Atmosphäre." Für Vollblut-Fans, die es gerne historisch korrekt mögen, dürfte der Ball indes eher nichts sein, da die Veranstalter weder auf eine stilechte Dekoration noch auf Kelch und Becher setzen.

"Out time ist zum Beispiel ein Handy, in time wäre dagegen ein Kerzenständer als Deko aus der damaligen Zeit. Nein, unser Ball ist nicht absolut authentisch", gab auch Wallenborn zu. Das sei aber auch gar nicht der Sinn der Veranstaltung. "Schließlich gab es früher vermutlich auch keinen Ball, bei dem Adelige und Bauern miteinander tanzten." In Beuel tanzen aber eben jene zusammen, und fachsimpeln über Adel und Nicht-Adel an der Bar. Früher wohl eher undenkbar. "Beuel ist da einfach unser Ausnahmedorf", erklärt Wallenborn kurzerhand lachend.