Ausstellung zum 200-jährigen Jubiläum Wie die Beueler Wäscherinnen die Weiberfastnacht erfanden

Beuel · Beuel ist die Wiege der Weiberfastnacht. Zum 200-jährigen Jubiläum gibt es im Beueler Heimatmuseum eine Ausstellung über die Geschichte der Tradition. Wäscherprinzessin Sabrina I. erzählt, was die Solidarität der Wäscherinnen für sie heute bedeutet.

Wäscherprinzessin Sabrina I. (Michel) verleiht ihrer „Komiteeschwester“, einer Puppe im traditionellen Wäscherprinzessinnenkostüm, im Beueler Heimatmuseum einen Karnevalsorden.

Wäscherprinzessin Sabrina I. (Michel) verleiht ihrer „Komiteeschwester“, einer Puppe im traditionellen Wäscherprinzessinnenkostüm, im Beueler Heimatmuseum einen Karnevalsorden.

Foto: Sonja Miklitz

Ihre Hände waren wund vom Schrubben der Wäsche und der Geruch von Lauge und Chlor hing in ihren Kleidern. Nachmittags trugen sie schwere Wäschekörbe ans Beueler Rheinufer. Am Abend versoffen ihre Ehemänner das eingenommene Geld bei der Auslieferung der Wäsche im Kölner Karneval. Davon hatten die Beueler Wäscherinnen 1824 genug. Am Donnerstag vor Karneval streikten sie und gründeten das Alte Beueler Damenkomitee. Die Beueler Weiberfastnacht war geboren. In diesem Jahr feiert Beuel 200 Jahre Weiberfastnacht. Zu diesem Anlass gibt es im Beueler Heimatmuseum bis zum 11. April eine Ausstellung über die Geschichte der Tradition.

„Der Ursprung der Beueler Weiberfastnacht liegt in der Solidarität unter den Wäscherinnen“, sagt Christina Bertram-Mayer aus dem Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel (HGV). Der Titel der Ausstellung, die Bertram-Mayer mit zwei weiteren Frauen kuratiert hat, macht die feministische Perspektive der Ausstellung deutlich: „Wäschereien, Wäscherinnen und de Wievefastelovend – eine Geschichte von Frauenarbeit und Frauensolidarität“.

„Das war eine richtige Knochenarbeit“, sagt Besucherin Regina Haunhorst als sie sich die alten Waschkessel, Waschbretter und Wäschekörbe in der Ausstellung ansieht. „Die Wäscherinnen von damals haben für uns die heutige Weiberfastnacht erkämpft“, sagt der Beueler Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer (Grüne).

Das damals neu gegründete Alte Beueler Damenkomitee traf sich in den 1820er-Jahren an Weiberfastnacht zum „Wieverklaaf“, dem Weiberklatsch. Hier machten sich die Wäscherinnen mit Sprüchen und Liedern über ihre Ehemänner lustig. Das ist der Ursprung der heutigen „Wieversitzungen“, die alle Damenkomitees in Beuel zur Karnevalszeit durchführen. „Männer sind hier nicht eingeladen“, erklärt Haunhorst, die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Beuel-Mirecourt. Das Publikum der Sitzungen bestehe ausschließlich aus Frauen.

Beueler Wäscherinnen als Vorbild für Frauen

Aus dieser Tradition entstand nach dem Zweiten Weltkrieg der Sturm auf das Beueler Rathaus. 1958 wurde Barbara Thiebolt aus der Mitte der einfachen Wäscherinnen zur ersten Wäscherprinzessin gekürt – ohne Prinz an ihrer Seite. Die Wäscherinnen regieren Beuel an Weiberfastnacht nämlich allein. „Was die Frauen sich damals getraut haben, ist Emanzipation hoch zehn“, sagt Obermöhn Ina Harder. Die Beueler Wäscherinnen gehörten vor 200 Jahren als Frauen und als Lohnarbeiterinnen der untersten gesellschaftlichen Schicht an. „Aber sie hatten auch gute Voraussetzungen dafür, sich miteinander zu solidarisieren und für ihre Interessen zu kämpfen“, sagt Kuratorin Bertram-Mayer.

Was bleibt heute von diesem historischen Erbe übrig? „Die Wäscherinnen von 1824 sind für mich immer noch ein ganz großes Vorbild“, sagt Wäscherprinzessin Sabrina I. (Michel). „Ich bin stolz, dass wir in der Tradition so starker Frauen stehen.“ Auch heute noch seien Männer in der Gesellschaft und im Karneval dominanter als Frauen, sagt Karnevalistin Regina Haunhorst. Daher sei die von Frauen dominierte Weiberfastnacht als Brauchtum etwas ganz Besonderes in Beuel. Darauf sind die Beueler stolz. Auf der Eröffnungsfeier singen die Gäste die „Beueler Hymnen“: „Mir han en Wäscherprinzessin, (…) dat jidd et nur en Beuel un söns nirjens op der Welt“.

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