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Beuel: Evangelische Akademie wirbt für das digitale Ehrenamt

Beuel : Evangelische Akademie wirbt für das digitale Ehrenamt

Wie können digitale Angebote das Miteinader im Quartier stärken? Dieser Frage geht ein Online-Seminar der Evangelischen Akademie im Rheinland mit Sitz in Beuel nach. Für Vereine sind persönliche Kontakte aber nicht zu ersetzen.

Mit der Pandemie wird Digitales zum Alltag. Das Miteinander und die soziale Infrastruktur vor Ort werden Stück für Stück um digitale Komponenten erweitert. Daraus ergeben sich neue Chancen, aber auch Fragen, beispielsweise für Menschen im Ehrenamt: Sind digitale Angebote ein Ersatz, und wie verändert sich das Leben im Quartier? Welche Möglichkeiten und Grenzen es gibt, sind die Inhalte eines Online-Seminars der Evangelischen Akademie im Rheinland mit Sitz in Beuel unter dem Titel „Neues aus der Nachbarschaft – das Digitale zieht ein ins Quartier“.

Einen Impulsvortrag hält Pastorin Cornelia Coenen-Marx zu Beginn des Online-Seminars am Mittwoch, 20. Januar. Darin wird sie bestätigen, dass es für das Ehrenamt in der Corona-Krise schwierig sei, sich zu organisieren. Trotzdem habe sie bereits vielerorts erfahren, dass es gelingen kann. „Die Leute machen sich auf den Weg, das bisher Analoge ins Digitale umzuwandeln“, sagt sie in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit Till Kiehne, Studienleiter der Evangelischen Akademie. Sie zitiert darin Beispiele, in denen Ehrenamtliche am Telefon Ratsuchenden zur Verfügung stehen und beispielsweise Einkaufshilfen über das Internet anbieten. Meist sind es dabei Angebote, die von ihrem Konzept her digital verwaltet werden.

So helfen auch die von Michaela Harmeier ins Leben gerufenen „digitalen Paten“ der Freiwilligen-Agentur für den Rhein-Sieg-Kreis per Videokonferenz beispielsweise beim Lernen von Vokabeln, üben Prozentrechnen oder simulieren mündliche Prüfungen. Sie entlasten damit Lehrer, Eltern und Schüler während der Corona-Krise und sorgen für eine coronakonform sichere wie zuverlässige Lernatmosphäre. Zwei ehrenamtliche Paten der Agentur werden im Rahmen des Online-Seminars von ihren Erfahrungen berichten.

Vereine spüren die Veränderungen

Bei Vereinen auch in Beuel sind die Veränderungen für das Ehrenamt spürbar, wie beispielsweise im Schiffer-Verein. „Inwieweit die Erfahrungen aus der Digitalisierung die Vereinsarbeit nachhaltig verändern, kann zurzeit noch nicht abschließend eingeschätzt werden. Es ist durchaus möglich, dass Formalien der Vereinsarbeit über die Digitalisierung kommuniziert werden können. Die für die Vereinsarbeit notwendigen persönlichen Kontakte kann die Digitalisierung jedoch nicht ersetzen“, sagt Claus Werner Müller, stellvertretender Vorsitzender des Schiffer-Vereins.

Dies stecke aus seiner Sicht die Grenzen des Digitalen bei der Vereinsarbeit ab. Die Mehrzahl der Mitglieder seines Vereins falle aufgrund ihres Alters und bezogen auf die Pandemie in die Kategorie „besonders gefährdet“. Das mache deutlich, dass das Versammlungsverbot den Verein besonders hart trifft. „Unser Verein lebt von der persönlichen Begegnung, dem Treffen mit der Nachbarschaft und der unmittelbaren Ansprache.“

Bei der Gründung des Schiffer-Vereins vor 159 Jahren stand die tätige Hilfe für in Not geratene Familien im Vordergrund, weil es eine Sozialversicherung, wie wir sie heute kennen, noch nicht gab. Die christliche Solidargemeinschaft in Form einer rheinischen Bruderschaft hat heute mehr als 600 Mitglieder und ist insbesondere auf persönliche Begegnungen bei der sozialen Betreuung und Unterstützung von Hilfsbedürftigen angewiesen.

Auch die Kontakte mit der Bevölkerung fehlen. Für den Verein hat das Anbeiern (die Begrüßung) des neuen Jahres auf dem mobilen Beueler Glockenstuhl ebenso wenig stattfinden können wie zuvor der Besuch der frisch proklamierten Wäscherprinzessin an der Nepomuk-Statue, das traditionelle Anhissen am Karsamstag am Schiffermast, die Mundartmesse am Beueler Rheinufer, die Fronleichnamsprozession, die Seniorenfahrten, das Promenadenfest im August und die Saisonabschlussfahrt auf der „Rheinprinzessin“ sowie die Teilnahme am Nikolausmarkt. Auch könne nun coronabedingt ein Termin für die geplante Aufstellung der Skulptur „Beueler Familie“ am Rheinufer noch nicht genannt werden. „Nicht nur, dass sich unsere Mitglieder mit den Beuelerinnen und Beuelern nicht persönlich treffen können, sondern auch die dabei erwirtschafteten Einnahmen brechen weg und erschweren dadurch die Durchführung von Veranstaltungen“, erklärt Müller das Dilemma, das nicht nur die Ehrenamtlichen seines Vereins trifft.

Gewerbe-Gemeinschaft sieht Lage kritisch

Unterdessen erinnert Werner Koch als Vorsitzender der Beueler Gewerbe-Gemeinschaft daran, dass Beuel zu Beginn des vergangenen Jahres mit einer Reihe neuer Geschäfte und ohne Leerstände sehr gut aufgestellt und auf einem insgesamt sehr guten Weg war. „Aber Corona hat diesen Schwung abrupt angehalten“, sagt Koch. Und er fügt hinzu, dass viele Geschäftsleute „tolle Ideen“ entwickelt hätten, um während des Lockdowns das Beste aus der Situation zu machen.

Obwohl man notgedrungen schon sehr viel virtuell unterwegs sei, seien für Koch jedoch die persönlichen Begegnungen durch nichts zu ersetzen. Sein Fazit: „Gerade die Beuelerinnen und Beueler brauchen den physischen Kontakt, sie brauchen die täglichen Gespräche und den Umgang miteinander.“ Die Frage, die der Gewerbe-Gemeinschaft mehr und mehr schlaflose Nächte bereite, sei jedoch, wie viele Geschäfte die Situation insgesamt überstehen werden? Letztlich sei Koch jedoch davon überzeugt, dass Beuel stark genug sei und auch wieder Schwung aufnehme.