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Als die Agnesstraße noch Eselsweg hieß: Beuel vor der Zeit der Französischen Revolution

Als die Agnesstraße noch Eselsweg hieß : Beuel vor der Zeit der Französischen Revolution

Rund hundert Teilnehmer folgten der Einladung des Schiffer-Vereins zu einer historischen Tour durchs alte Beuel. Anlass war der 155. Geburtstag des Schiffer-Vereins.

„Weiter geht's – das Figürlein dort an der Wand gibt es noch gar nicht!“ Katharina führt ihr Gefolge von gut hundert Personen ungerührt an der Skulptur des Bröckemännchens am Beueler Rheinufer vorbei, und die Menge folgt ihr widerspruchslos bis zur Koffergass. Wem die als Beueler kein Begriff ist, dem mangelt es allerdings nicht an Ortskenntnis, sondern allenfalls an historischem Detailwissen: Die Straße ist heute nach Friedrich Breuer benannt, aber der vierte Bürgermeister der Gemeinde Vilich war zu Katharinas Lebzeiten ja ebenfalls noch nicht geboren. Auf eine Reise in die Zeit vor der französischen Revolution wollte die Magd ihr Gefolge mitnehmen und hatte sich dazu mit dem Bonner Nachtwächter „auf dem Welter“ verabredet, wo heute die Kirche Sankt Josef steht. Hinter dem historischen Pärchen verbirgt sich das Ehepaar Elisabeth und Karl Friedrich Schleier, das sonst auf der linken Rheinseite regelmäßig Führungen veranstaltet.

Aus Anlass des 155-jährigen Bestehens des Schiffervereins hatte dessen erster Vorsitzender, Käpt’n Reiner Burgunder, die Bürger eingeladen, kostenlos an dem abendlichen Spaziergang teilzunehmen.

Der Stadtbezirk Beuel in seinen heutigen Ausmaßen war in den Jahren vor 1789 noch Zukunftsmusik: Das Gebiet war zwischen Kurköln und dem Herzogtum Berg geteilt. Außer Bröckemännchen und Sankt Josef existierten auch viele der heutigen Straßen noch nicht: Über „Auf der Flücken“ (heute An St. Josef) über „Am Bourstein“ (die Steinerstraße zum Heimatmuseum) weiter über „Steingass“ (Steinerstraße), „Eselsweg“ (Agnesstraße) und „Faulgass“ (Johannesstraße) führten Magd und Nachtwächter die Teilnehmer des Rundgangs zum Rhein.

Der Nachtwächter und die Magd

Auch die Insignien des Schiffervereins – Schiffermast und Nepomukstatue gab es damals selbstverständlich noch nicht: Dennoch nutzten die beiden als „Rheinschleier“ bekannten Stadtführer die markante Landmarke für einen weiteren lehrreichen Auftritt, bevor die Gruppe bis zur „Koffergass“ weiterzog. Von dort ging es dann zum Mehlemschen Haus, und nach einem letzten Stopp am Anleger der „Gierponte“ konnten die müden Wanderer sich dann noch bei einem Absacker im Bahnhöfchen stärken und die gewonnenen Erkenntnisse miteinander diskutieren.

Den roten Faden des Rundgangs bildete der Dialog zwischen dem Nachtwächter, der auf der Suche nach einem „Ackerer“ war, der nicht bei der Stiftsmühle mahlen lassen wollte, obwohl er als Kurkölner dazu verpflichtet wäre, und der Magd Katharina, die auf dem Kellergut in der „Kellergass“ – heute Marienstraße – beschäftigt ist. Dabei erfuhren die Teilnehmer vieles über das alte Fischer- und Schifferdorf am rechten Rheinufer: Von den Schiffern über die Fährgerechtsame, das seit dem Mittelalter gewährte Recht zur Erhebung von Gebühren für die Übersetzung von Personen, Gütern oder Fahrzeugen mit einer Fähre über einen Fluss, bis zum furchtbaren Rheinhochwasser von 1784 wussten Magd und Nachtwächter spannend zu plaudern.

Und auch die Beueler Schanz, das Mehlemsche Haus, die Gierponte, der Bourstein und die ursprünglichen Grenzen des Alten Beuel zu Combahn gehörten zu den Themen, über die die Teilnehmer jetzt bestens Bescheid wissen. Ob der Nachtwächter jetzt häufiger auch auf der rechten Rheinseite unterwegs sein wird, ist zwar noch nicht ausgemacht, wäre ob des Erfolgs aber durchaus möglich.