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Gastronomie in Bonn: Beueler Bahnhöfchen bekommt laut Gerüchten einen neuen Pächter

Gastronomie in Bonn : Beueler Bahnhöfchen bekommt laut Gerüchten einen neuen Pächter

Steht das Beueler Bahnhöfchen vor einem Pächterwechsel? Der neue Wirt und der Verpächter des Gebäudes bestätigen Verhandlungen, der jetzige Pächter dementiert jedoch.

Das Bahnhöfchen ist bei vielen Bonnern seit Jahren beliebter Treffpunkt für ein Bierchen nach Feierabend. Die Gäste im Biergarten genießen die Sonne in den Abendstunden und den Blick auf den Rhein. Die Idylle am nahezu einzigen Sandstrand in Beuel trügt aber. Hinter den Kulissen gibt es Knatsch der besonderen Art. Nach GA-Informationen will Gastronom Klaus Raabe den Kult-Biergarten abstoßen. Doch die Übergabe an seinen Nachfolger gestaltet sich offensichtlich schwierig.

Raabe betreibt auch das Bierhaus Machold in der Altstadt und das Milchhäuschen im Siebengebirge. Seit Längerem kursiert das Gerücht, er wolle das Bahnhöfchen abgeben. Dabei fällt auch immer wieder der Name Alen Nabaty. Der ist Inhaber des Restaurants „Zum Treppchen“ in Pützchen. In der vergangenen Woche sagt er dem General-Anzeiger, dass die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss ständen, es einen Vorvertrag gebe, ein Notartermin vereinbart sei und er das Bahnhöfchen im September übernehmen werde. Raabe bewertet die Situation anscheinend anders. Er lässt dem GA ausrichten, an den Gerüchten sei nichts dran.

Mit dieser Aussage konfrontierte der GA Alen Nabaty. Der allerdings bleibt bei seiner Aussage und spricht detailliert über seine Pläne für das Lokal. Den Namen Bahnhöfchen will er beibehalten. In den ersten Monaten soll es wie gewohnt weitergehen. Dann will er im Februar 2021 den Laden renovieren. „Das wird ein großes Projekt“, sagt Nabaty. „Ich will dort 1,2 bis 1,5 Millionen Euro investieren.“ Das ganze Ambiente soll moderner werden. Für die Entwürfe habe er eine Firma beauftragt, die ihm im August die Pläne vorlegen soll.

Auch die Karte will Nabaty zeitgemäßer machen. „Moderne deutsche Küche“, sagt er. Neben Schnitzel sollen es auch Salat und Bowls geben. Im Treppchen bietet der Gastronom laut Speisekarte „typische regionale Speisen an“ und „Gerichte, die von einem internationalen Publikum zu uns gebracht wurden“. Auf der Karte finden sich etwa Bratkartoffel-Pfännchen, Schnitzel Wiener Art und Spaghetti „Aglio e Olio“.

Nabaty will am Telefon keinen Kontakt zu Raabe herstellen. Er verweist an Mert Meral. Der habe sich für Raabe um die Sache gekümmert. Meral ist laut Unternehmens-Homepage Geschäftsführer von Price Whitney Brokers. „Seit 2000 übernehmen wir administrative Dienstleistungen für Gesellschaften aus der Gastronomie, Immobilienwirtschaft, Vermögensverwaltung und für vermögende Privatpersonen“, heißt es auf der Seite. Meral sagt am Telefon, er sei Raabes Wirtschaftsberater. Er leitet die Bitte des GAs um ein Gespräch mit Raabe an den Gastronomen weiter. Ein paar Stunden nach dem Telefonat schickt Meral eine E-Mail und teilt mit, dass Raabe für ein Interview nicht zur Verfügung stehe und das Bahnhöfchen nicht verkauft werde. Bei einem weiteren Telefonat sagt Meral, Raabe werde das Bahnhöfchen auch ab September weiter betreiben. Das Lokal werde auch bis 2023 existieren.

Bei einem erneuten Telefonat mit Nabaty bleibt er bei seiner Version. Er könne sich nicht erklären, warum Raabe nicht über das Geschäft sprechen wolle. Er verstehe sich gut mit seinem Geschäftspartner und respektiere seine Entscheidung. Dann bittet Nabaty darum, mit der Veröffentlichung eines Artikels zu warten. Wenige Stunden später meldet sich eine Assistentin von Klaus Raabe telefonisch beim GA. Sie sagt: „Es gibt keinen Vorvertrag und keinen Notartermin.“ Herr Raabe wisse von alldem nichts. „Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Verkaufsabsicht“.

Um all diese Ungereimtheiten aufzuklären, recherchierte der GA weiter. Pächter des Gebäudes, das im Besitz der Firma Urbanus ist, ist die Radeberger Gruppe – Haus Kölscher Brautradition. Sie unterhält derzeit einen gültigen Pachtvertrag mit Raabe. Das Unternehmen bestätigt, dass ein Pächterwechsel geplant sei und die Verhandlungen weit gediehen seien. Man gehe fest davon aus, dass in den nächsten Wochen bei einem Notartermin der Pächterwechsel vollzogen werde und ab September ein neuer Pächter das Bahnhöfchen betreiben werde. Dann werden immer noch Gäste auf der Terrasse sitzen, auf den Rhein schauen und Bier trinken – als ob nichts geschehen wäre.