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Beueler Kajo Kusen hat ein Buch über Dresden nach der Wende geschrieben

Erinnerungen : Beueler Kajo Kusen hat ein Buch über Dresden nach der Wende geschrieben

Kajo Kusen dürfte in Beuel und Bonn so manchen Menschen bekannt sein, auch durch seine Karnevalsauftritte. In seinem Buch berichtet der 85-Jährige von einer ganz anderen Facette in seinem Leben: der Gründung eines Telefonbuchverlages in Dresden nach der Wende.

Kajo Kusen dürfte in Beuel und Bonn so manchen Menschen bekannt sein. Dem einen durch sein Berufsleben bis 1990 bei Carthaus, den anderen durch seine Karnevalsauftritte in den vergangenen Jahren.

Doch in Dresden, seiner zweiten Heimat, da ist Kusen ein Begriff. Denn der 85-Jährige hat nach der Wende aktiv beim Aufbau Ost mitgewirkt. Nicht als „Besser-Wessi“, sondern mit „Hand am Arm“. Was er getan hat, das hat er in einem Buch mit dem langen Titel „Wie ich nach der Wende Dresden und die Sachsen kennenlernte, um im Auftrag eines süddeutschen Verlegers einen Telefonbuch-Verlag zu gründen“. Einen Pionierbericht nennt er sein erstes Buch.

Nach der mittleren Reife erlernte er den Beruf des Schriftsetzers, im Anschluss an die Gesellenjahre wurde er Leiter der Handsetzerei bei der Hofbuchdruckerei J. F. Carthaus in Bonn. Als er sich 1960 bei der Meisterschule einschreiben wollte, bot ihm die Firma die Leitung des Telefonbuchverlages in der Bonner Innenstadt an. „Das Telefonbuch“ und „Das Örtliche“ waren die Bestseller des Verlages. Als er 1989 seinen besten Freund nicht vor dem Suizid retten konnte, sah er keinen Sinn mehr in der Arbeit und kündigte 1990 mit 55 Jahren. Sein Ziel war es, Kabarettist zu werden. Doch in der Telefonbuchbranche hatte es sich herumgesprochen, dass er nun Zeit hat. So bekam er das Angebot eines Verlages aus Süddeutschland, in Dresden einen Telefonbuchverlag aufzubauen.

Mit der ersten Fahrt in den Osten beginnt das Buch. Die erste Übernachtung war im Hotel „Gewandhaus“, was gut klingt, möge man meinen. „Das Zimmer verfügte weder über eine Dusche noch eine Toilette“, schreibt er. Willkommen in der Realität Ost, kurz nach der Wende. Die Suche nach einer eigenen Unterkunft und nach geeigneten Büroräumen sowie die Suche nach den notwendigen Außendienstmitarbeitern für „Das Buch der Zukunft“, wie er das Telefonbuch-Ost nannte, schildert er penibel. „Organisation ist alles“, nennt er einen Abschnitt, mit dem er sein Erfolgsrezept preisgibt. Noch im Dezember des selben Jahres konnte er mit seiner Mannschaft das erste Telefonbuch für Dresden präsentieren.

Auch in Dresden war Kusen der Karneval wichtig

„Wir haben damit nicht nur einen neuen und lukrativen Markt erobert, gleichzeitig haben wir dem Wirtschaftsleben in den neuen Bundesländern eine intensive Starthilfe gegeben. Ohne Konjunkturhilfe des Staates“, schreibt dazu ein Weggefährte. Kusen hatte noch etwas erreicht: Er hatte den rheinischen Karneval mit Sketchen und rheinischer Musik in seinem Haus in Dresden etabliert. Was in dem Schlusssatz des Buches gipfelt: „Die Sachsen sind halt die besseren Rheinländer.“

Das mit Karneval und Kabarett, das hat Kusen nach seinem endgültigen Ruhestand dann in die Tat umgesetzt. Jetzt kann man ihn als Beethoven bei Sitzungen hören und sehen. Beim Damenkomitee von Sankt Josef oder dem Bönnsche Hätz hat er den Stadtoberen die Leviten gelesen – in Reimform.

Das Buch, das im Rediroma-Verlag erschienen ist, ist in jeder Buchhandlung erhältlich und kostet 6,95 Euro.