Nach Kündigung von Gema-Pauschalvertrag Beueler Kirchenmusiker zieht Online-Petition in Erwägung

Beuel · Nach der Kündigung des Gema-Pauschalvertrags über die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke stehen Veranstaltungsreihen wie die Internationalen Orgelkonzerte Sankt Josef Beuel finanziell vor großen Schwierigkeiten. Kirchenmusiker Michael Bottenhorn äußert Kritik an der Reaktion des Erzbistums und zieht eine Online-Petition in Erwägung.

Kirchenmusiker Michael Bottenhorn in der Kirche Sankt Josef in Beuel mit einem Gema-Schreiben.

Kirchenmusiker Michael Bottenhorn in der Kirche Sankt Josef in Beuel mit einem Gema-Schreiben.

Foto: Benjamin Westhoff

Nach der Berichterstattung des General-Anzeigers über die Kündigung des Gema-Pauschalvertrages und die Auswirkungen auf die Internationalen Orgelkonzerte Sankt Josef hat Organisator Michael Bottenhorn sehr viele, überwiegend positive Reaktionen erhalten. Der Artikel habe das breite Bewusstsein für die Problematik geschaffen beziehungsweise verstärkt, sagte der Kirchenmusiker. Er kündigte an, dass die Konzerte in Sankt Josef Beuel bis zu den Sommerferien ausschließlich aus urheberrechtsfreier Musik bestehen werden. „Sollte sich bis dahin nichts ändern, habe ich auch bereits eine Online-Petition in Erwägung gezogen“, teilte Bottenhorn mit.

Er macht sich große Sorgen über den Fortbestand der Konzertreihe in ihrer bisherigen Form, weil die Gema den bisher geltenden Pauschalvertrag über die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in Konzertveranstaltungen mit der katholischen Kirche in Deutschland zum Jahresende gekündigt hatte. Bislang mussten die Kirchengemeinden die Vergütungen für die musikalischen Aufführungen nicht selbst zahlen.

Erzbistum will Kirchengemeinden bestmöglich beraten

Jetzt hat sich auf GA-Anfrage auch das Kölner Erzbistum zurückgemeldet. Die Pressestelle des Generalvikariats teilt mit: „Eine lebendige kirchenmusikalische Kultur dient dem religiösen Leben und bereichert unsere Gesellschaft. Dem Erzbistum Köln ist dies auch weiterhin ein wichtiges Anliegen. Wir bemühen uns, die Kirchengemeinden unter den gegebenen aktuellen Umständen bestmöglich zu beraten.“

Die Stellungnahme des Erzbistums und auch die vorausgegangene des Verbandes der Diözesen Deutschlands bezeichnete Bottenhorn als „in der Tat sehr dürftig“. Die Stellungnahmen der katholischen Führungsgremien offenbarten „wohlwollendes Desinteresse“. Es sei zu befürchten, dass das Thema „ausgesessen“ werde. „Dem können wir aber möglicherweise zum jetzigen Zeitpunkt noch entgegenwirken“, betonte Bottenhorn.

Zum Hintergrund: Der ausgelaufene Pauschalvertrag zwischen dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Gema verschaffte den katholischen Einrichtungen langfristig Planungs- und Rechtssicherheit bei der Durchführung von Veranstaltungen. Durch die Pauschalzahlung wurden zahlreiche Veranstaltungen der kirchlichen Einrichtungen abgedeckt. Konzerte der Ernsten Musik oder Gospelgesang unterlagen demnach lediglich einer Meldepflicht.

Das ist seit Anfang des Jahres anders und bringt kirchliche Konzertreihen in finanzielle Schwierigkeiten. Mehrkosten von mehreren hundert Euro pro Veranstaltung drohen bei der Einbindung zeitgenössischer Musik. Kirchenmusiker Bottenhorn hofft indes, dass der Verband der Diözesen Deutschlands die Verhandlungen über den Pauschalvertrag für Konzerte mit der Gema wieder aufnimmt. Bottenhorn verweist darauf, dass die Evangelische Kirche in Deutschland den Pauschalvertrag über außergottesdienstliche Veranstaltungen erfolgreich verlängert habe.

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