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Interview mit Ina Harder und Hans Hallitzky: Beueler Stadtsoldaten: "Weiberfastnacht liegt in Lauerstellung"

Interview mit Ina Harder und Hans Hallitzky : Beueler Stadtsoldaten: "Weiberfastnacht liegt in Lauerstellung"

Für 2021 droht wegen der Folgen der Corona-Pandemie ein Rückschlag für die Vorbereitungen des Arbeitskreises Beueler Weiberfastnacht. Und auch die im November beginnende Karnevalssession bereitet den Verantwortlichen auf der Schäl Sick große Sorgen.

Die Beueler Weiberfastnacht steuert mit großen Schritten auf ihr Jubiläum zu: 2024 feiert das bundesweit bekannte Brauchtum 200-jähriges Bestehen. Für 2021 droht jedoch wegen der Folgen der Corona-Pandemie ein Rückschlag für die Vorbereitungen des Arbeitskreises Beueler Weiberfastnacht. Und auch die im November beginnende Karnevalssession  bereitet den Verantwortlichen auf der Schäl Sick große Sorgen. Über die aktuelle Situation sprach Holger Willcke mit Obermöhn Ina Harder und Hans Hallitzky, Kommandant der Beueler Stadtsoldaten.

Wird in der nächsten Session Karneval gefeiert oder macht das Brauchtum ein Jahr Pause?

Ina Harder: Ich gehe fest davon aus, dass wir in Beuel Karneval feiern werden. Allerdings werden wir abzuwarten haben, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickeln und welche Schlussfolgerungen die Politik daraus ziehen wird. Davon wird abhängig sein, wie wir die Session gestalten können.

Wird eine Wäscherprinzessin proklamiert werden?

Harder: Ob wir kurzfristig eine neue Regentin küren oder ob wir die Tollität des Vorjahres, Romina I. (Markmann), bitten werden, das Beueler Brauchtum nochmals bei den repräsentativen Terminen zu vertreten, hängt von den Vorschriften der Landesregierung ab.

Gibt es denn trotz der Unwägbarkeiten Kandidatinnen für das Amt der Wäscherprinzessin?

Harder: Es gibt zwei Bewerberinnen. Sollte Karneval nur mit strengen Auflagen möglich sein, werde ich mit beiden über die Konsequenzen für ihre Regentschaft sprechen. Sie müssen genau wissen, auf was sie sich einlassen, damit sie am Ende nicht enttäuscht sind.

Wäscherprinzessin Romina I. regierte in der Session 2020 in Beuel. Für ein weiteres Jahr steht sie zur Verfügung. Foto: Meike Böschemeyer

Wie bereiten sich die Stadtsoldaten auf die schwierige Session vor?

Hans Hallitzky: Wir fahren den Trainingsbetrieb im vereinseigenen Zeughaus ganz langsam wieder hoch. Das Musikcorps darf nur sehr eingeschränkt üben, das Tanzcorps trainiert in Gruppen bis zu zehn Personen. Allerdings wird es keine neuen Tänze geben. Wir werden einen Sessionsorden entwerfen und in geringerer Auflage als sonst in Auftrag geben, weil das Stadtsoldaten-Corps 85 Jahre alt wird.

Finden denn die geplanten Veranstaltungen des Corps statt?

Hallitzky: Das kann man noch nicht genau sagen. Wir haben aber noch keine abgesagt und werden damit so lange wie möglich warten.

Und wie steht es um die Gala-Prunksitzung im Brückenforum?

Hallitzky: Das Sitzungsprogramm ist eingekauft. Wir haben bereits mit der Agentur geklärt, dass wir das Programm notfalls auf 2022 verschieben können.

Wie steht es um die Vereinsfinanzen?

Hallitzky: Wir haben bis Aschermittwoch 2021 keinerlei Einnahmen eingeplant. Bis dahin halten wir finanziell durch. Danach wird es aber auch für uns sehr eng. Normalerweise deckt unsere Teilnahme an Pützchens Markt ein Großteil unserer Kosten ab. Die Kirmes findet bekanntlich nicht statt und deshalb fehlt dieses Geld. Das bedrückt mich.

Das Land NRW hat für das zweite Halbjahr 2020 Fördergelder für Brauchtumsvereine angekündigt. Hilft Ihnen das weiter?

Hallitzky: Wir werden eine finanzielle Unterstützung, wenn es eine entsprechende geben sollte, versuchen zu beantragen. Was uns nicht wirklich hilft, ist das Angebot der Stadt Bonn, die Mietkosten für das Zeughaus zu stunden. Eine Reduzierung der Miete um 50 Prozent würde uns eher weiterhelfen.

Wie planen die Beueler Damenkomitees?

Harder: Alle bereiten sich auf die fünfte Jahreszeit vor. Nach den Sommerferien werden ich als Obermöhn mit meinen Präsidentinnen-Kolleginnen über ein mögliches Proklamationsprogramm sprechen. Unsere Vorteil ist, dass wir alles selber machen und deshalb kein Programm einkaufen müssen.

Können Rheinländer im Karneval ohne Bützen auskommen?

Harder: Wenn man Karneval unter coronabedingten Auflagen feiern will, muss das funktionieren. Karneval kann man in Krisenzeiten feiern. Aber ich möchte bei aller Begeisterung für unser Brauchtum betonen, das Karneval nicht das Wichtigste auf der Welt ist.

Gibt es eine terminliche Deadline bei der Frage, kann die Session stattfinden?

Harder und Hallitzky: So zeitig wie möglich hilft uns allen. Eine Entscheidung am 1. November käme für die Sessionseröffnungen aber wahrscheinlich zu spät. Erst einmal planen wir so weiter, als ob der Karneval stattfinden wird. Mögliche Reduzierungen und Einschränkungen müssen dann kurzfristig in unsere Veranstaltungsformate eingearbeitet werden.