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Beueler Unternehmer trotzt Corona-Krise: Von Beuel aufs Gurkenfeld

Von Beuel aufs Spreewälder Gurkenfeld : Wie ein Beueler Unternehmer der Corona-Krise trotzt

Der Caterer Alexander Glees arbeitet mit Freunden aus der Gastronomie als Saisonarbeiter in Brandenburg. „Niemand hatte genaue Vorstellungen von dem, was uns erwarten würde“, so der 40-jährige Unternehmer aus Beuel.

Rotkohl und Apfelkompott sind durch, jetzt geht’s an die Gurken. Das warme Wetter der vergangenen Tage hat sie noch einmal kräftig wachsen lassen. Anfang Juni beginnt auf den Feldern rund um Golßen in Brandburg die Ernte. „Dann werden wir nicht nur einen neuen Arbeitsablauf kennenlernen, sondern endlich einen anderen Duft in der Nase haben“, lacht der Beueler Alexander Glees. Der Geschäftsführer der Beueler „Tanzen mit Herz Dienstleistung GmbH“ hat vor Wochen seinen Arbeitsplatz als Caterer eingetauscht und ist nun als Erntehelfer im Einsatz. „Es blieb mir nichts anderes übrig“, ergänzt der 40-Jährige. „Die Gastronomie liegt am Boden.“

Normalerweise hätte er jetzt in Bonn viel zu tun. Hochzeiten, Kommunion- sowie Konfirmationsfeiern sowie Abibälle und Firmenevents würden ihn und sein Team auf Trapp halten. Doch nun gibt es für Köche und Kellner nichts zu tun. Der Personaldienstleister stand wie viele in seiner Branche plötzlich ohne Aufträge und vor allem ohne Einnahmen da. „Eigentlich hatte ich gehofft, in der Umgebung von Bonn einen Job als Erntehelfer zu finden“, erzählt der Vater von 17 Monate alten Zwillingen. Doch nach mehreren Absagen war ihm klar, dass er außerhalb des Rheinlands versuchen muss Geld zu verdienen, um die Familie zu ernähren.

Ein Telefonat mit Werner Koch, dem Vorsitzenden der Gewerbe-Gemeinschaft Beuel, brachte dann eine neue Perspektive. „Er hat mir einen Kontakt zu Konrad Linkenheil, dem Geschäftsführer der Spreewaldhof Konservenfabrik, vermittelt. Von da an ging alles sehr schnell“, berichtet Alexander Glees im GA-Gespräch.

Gemeinsam mit Kollegen aus der Branche startete Anfang April ein Team von zehn Beuelern in Richtung Brandenburg. „Niemand hatte genaue Vorstellungen von dem, was uns erwarten würde“, ergänzt der 40-Jährige. In Golßen angekommen wurden die Rheinländer herzlich empfangen. „Wir leben in wirklich guten Unterkünften und werden bestens versorgt“, berichtet er. Schnell waren die persönlichen Gegenstände aus den Autos ausgeräumt und die Rheinländer richteten ihr Zuhause auf Zeit einigermaßen gemütlich ein. Allerdings mussten sich die neuen Saisonarbeiter an ihre Arbeit erst einmal gewöhnen. „Als Koch oder Servicekraft sind wir es gewohnt, den ganzen Tag unterwegs zu sein. Über Stunden an einem einzigen Platz zu verharren und eine Maschine zu bedienen, war für uns vollkommen neu.“ Mittlerweile funktioniere das aber sehr gut. Nicht ganz so einfach war es jedoch, die verschiedenen Gerüche zu ertragen. „Ich bin wirklich froh, dass jetzt kein Rotkohl mehr verarbeitet wird. Wenn man jeden Tag rund 20 Tonnen davon in großen Bottichen bearbeiten muss, mag man das Gemüse eigentlich nicht mehr riechen.“

Mittlerweile kennen sich die Beueler bei den verschiedenen Arbeitsabläufen auf dem Hof aus. „Vonseiten des Spreewaldhofs erfahren wir Wertschätzung und Unterstützung. Haben wir anfangs meist nur sehr einfache Arbeiten ausgeführt, so bekommen wir nach und nach immer mehr Verantwortung“, beschreibt Glees weiter. Und auch die Arbeit und das Zusammenleben mit den polnischen Saisonarbeitern funktioniere gut. „Wir gehen alle respektvoll miteinander um und es gibt bereits erste Freundschaften“, ergänzt der Caterer.

Ein gutes Team (v.l.): Jaqueline Runkel (Königswinter), Edmar Heymes (Irland), Aileen Klingenfuss (Troisdorf), Alexander Glees (Beuel), Michelle Blum (Eitorf), Abdi Kalender (Beuel) und Maria Buruiana (Irland). Foto: privat

Eigentlich gibt es für den 40-Jährigen keinen Grund, sich über die aktuelle Situation zu beklagen – wenn nicht die Sehnsucht nach der Familie wäre. „Ich vermisse meine Frau und die Zwillinge sehr“, gesteht der Beueler Unternehmer. Ostern hat er sie zum letzten Mal gesehen. „Die 680 Kilometer nach Golßen kann man nicht mal schnell fahren.“ Und mit Beginn der Gurkenernte herrscht auf dem Spreewaldhof sowieso eine 6-Tage-Woche. „Dann hat sich das Thema Heimreise eh erledigt.“

Obwohl er noch wochenlang in Brandenburg arbeiten könnte, wird Glees Mitte Juli zurückkommen. Denn dann wird seine Frau wieder arbeiten können, und er kümmert sich um die Zwillinge. Doch wann sich in seiner Branche wieder alles um Menüpläne und Dekoration für große Festlichkeiten drehen wird, weiß der 40-Jährige aktuell nicht. „Ich gehe davon aus, dass sich die Lage erst im Frühjahr entspannen wird“, befürchtet er.