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Hangsicherung der B42 wird saniert: Bohrer beißen auf Basalt

Hangsicherung der B42 wird saniert : Bohrer beißen auf Basalt

Ein kleiner Teil der Geschichte des Stingenbergs liegt derzeit in Form von mehr als 30 Erdbrocken auf dem früheren Hubertus-Sportplatz. "Bis 9,50 Meter sind wir nur auf Lehm gestoßen, danach auf Basalt", erklärt Andreas Lange von der Firma Ivers Brunnenbau. Noch bis Ende März saniert die Kieler Firma die Hangsicherung oberhalb der Bundesstraße 42 im Auftrag des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen.

"Als wir die Straße gebaut haben, ist Anfang der 90er der Hang in Bewegung geraten", sagt Projektleiter Hermann-Josef Bongard von Straßen NRW auf GA-Anfrage. Deshalb sei unter dem Hang des alten Steinbruchs (siehe Infokasten) ein Entwässerungsstollen gebaut worden sowie kleinere Brunnen samt diverser Messeinrichtungen. "Wir haben zum Beispiel Inklinometer im Boden, die die Neigung des Hanges erfassen, und wir haben Grundwassermessstellen", so Bongard.

Nach 30 Jahren hat der Zahn der Zeit an Stollen, Brunnen und Messanlagen genagt, sodass Andreas Lange und sein Kollege René Hartwig diese erneuern müssen. Dafür bohren sie tiefe Löcher ins Erdreich. "Unsere Bohrraupe arbeitet mit einer Kraft von neun Tonnen", sagt Lange.

Die 9000 Kilogramm Druck auf dem Bohrer sind auch vonnöten. "Schauen Sie mal da drüben, da ist unser Schrotthaufen", meint der Fachmann und zeigt auf kaputtes Werkzeug. Der Basaltstein scheint ein harter Gegner zu sein. "Auf einer Skala bis 10 ist der alte Steinbruch vom Schwierigkeitsgrad her für uns mindestens eine 5", sagt Hartwig. Frost hingegen mache der Maschine nichts.

Auch die vielen Bohrpfähle, die entlang des Hanges stehen, werden ersetzt. Allerdings habe sich dafür noch keine Fachfirma gefunden. "Die Pfähle messen die Kraft, die das Erdreich ausübt. Bislang mussten sie alle einzeln abgelesen werden, das wollen wir wegen der hohen Kosten ändern", sagt Projektleiter Bongard. Bis zu vier Mal pro Jahr kontrolliere das beauftragte Baugrundbüro das Gebiet rund um den Stingenberg.

Für die Anlieger besteht laut Bongard kein Grund zur Sorge: "Der Hang ist zur Ruhe gekommen." Das habe die Absenkung des Grundwassers durch Stollen und Brunnen bewirkt. Die Geologen können sich als Nebenprodukt der 1,5 Millionen Euro teuren Maßnahme über neue Erdproben freuen: Die älteste in 27 Metern Tiefe stammt aus dem rund 400 Millionen Jahre zurückliegenden Devon.

Basaltabbau bei Oberkassel:
Um 1830 ging man in Oberkassel von Landwirtschaft und Weinbau verstärkt zur Basalt-Industrie über. Der Basalt aus den Steinbrüchen, darunter am Stingenberg, wurde zum Beispiel im Straßenbau verwendet, ging nach Holland zur Deichbefestigung und kam beim Bau der ersten Rheinbrücke und bei Werftbauten in der Region zum Einsatz. Erst lösten die Arbeiter die Steine per Hand, später durch Sprengungen. 1952 wurde der Basaltabbau mangels Rentabilität eingestellt.