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Bonn-Beuel: Anwohnerin setzt sich für Erhalt der Mühle in Holzlar ein

Mehr als 500 Jahre altes Bauwerk : Beuelerin setzt sich für Erhalt der Holzlarer Mühle ein

Die Beuelerin Gaby Zimmermann engagiert sich für die Holzlarer Mühle. Bei einem mehr als 500 Jahre altem Bauwerk gibt es immer etwas zu tun.

„Es ist schon lange her“ – so fangen viele Geschichten an. Doch so fängt auch Gaby Zimmermann an, wenn sie erzählt, was sie mit der Holzlarer Mühle verbindet. Es war in ihrer Zeit als Bezirksvertreterin für Holzlar im Beueler Rathaus vor gut 15 Jahren, als sie sich unter anderem mit der Mühle beschäftigen musste. Die Kombination Historie und Technik hat ihr so gut gefallen, dass sie nicht lange überredet werden musste, um in den Verein „Holzlarer Mühle“ einzutreten. „Die alte Wassermühle hat einfach mein Herz angesprochen“, sagt sie. „Ich finde das romantisch und schön, hatte zuvor jedoch nie etwas mit Mühlen zu tun.“ Doch zu der Zeit, als hier noch Müller gearbeitet haben, hätte sie nicht leben wollen. „Ich mag einfach das digitale Zeitalter und könnte mir ein Leben ohne Computer und ohne Smartphone nicht vorstellen.“

Da sie sich in der Mühle engagiert hatte, erging es ihr wie so manchem engagierten Vereinsmitglied, egal in welchem Verein: Sie wurde schnell zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Als dann der Vorsitzende krankheitsbedingt nicht mehr zur Wahl antrat, übernahm sie im Frühjahr 2019 das Amt des ersten Vereinsvorsitzenden. Durch die Corona-Pandemie sei es zur Zeit sehr schwierig, Vorstandssitzungen abzuhalten. „Ich würde das gerne digital mit Zoom oder Skype machen, aber mein Vorstand ist nicht digital“, sagt sie und spricht damit die Altersstruktur des Vereins an. So ist es unschwer nachzuvollziehen, dass sie den Verein insgesamt jünger machen wolle, ohne die Älteren zu vergessen.

Die Mühle als etwas Wertvolles in die Köpfe der Holzlarer zu bekommen, Verständnis für das Denkmal aufzubringen, das ist ihr Ziel. „Strom kommt nicht so einfach aus der Steckdose, da steckt mehr dahinter. Das Wissen vom Handwerk und den vielen kleinen Schritten, bis Strom oder Brot entsteht, dabei die Wurzeln zu vermitteln, das alles sollte nicht in Vergessenheit geraten.“ Das würde sie gerne bewirken. „Und dass das Ding erhalten bleibt“, setzt sie hinterher.

Bei 500 Jahre alter Mühle gibt es immer etwas zu tun

Zu schauen, dass alles läuft, dass die Aufgaben richtig verteilt sind und dabei die Leute zu motivieren, zählt sie als ihre Aufgaben auf – und das alles, „ohne den Chef heraushängen zu lassen“. Ob es das neue Wasserrad ist oder Reparaturarbeiten am Haus, es gibt bei einer über 500 Jahre alten Mühle immer etwas zu tun. „Die Leute so einzusetzen, dass es ihnen Spaß macht“, erläutert sie und man merkt ihr die Erfahrung als Projektmanagerin an. Doch eine fundierte Jahresplanung zu machen, das fällt ihr derzeit schwer, weil auch sie nicht weiß, was Corona und die damit zusammenhängenden Verbote noch alles bringen werden. „In 2021 steht bisher, außer den alljährlichen Terminen wie Mühlen- oder Denkmaltag, die offizielle Einweihungsfeier des neuen Mühlenrades an.“ Das hatte sie versprochen, als ihr die großzügigen Spenden der NRW-Stiftung und der Bezirksvertretung Beuel überreicht wurden. „Wir alle haben viele Ideen und scharren mit den Hufen, damit es wieder losgeht“, meint sie positiv denkend.

Vor der Mühle hatte Zimmermann noch eine andere Leidenschaft: die Politik, was, wie sie meint, in ihrer Familie liegt. „Ich war neun Jahre lang, bis 2015, Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Holzlar/Hoholz“, erzählt sie aus ihrem Vorleben. „Wie Frauen in der CDU behandelt wurden, das hat mir nicht gefallen, deshalb bin ich in der SPD gelandet“, sagt sie heute. „Und am Schluss hat mir alles, wie es gelaufen ist, einfach nicht mehr gefallen.“ Sie war sowohl in der Bezirksvertretung Beuel als auch als sachkundige Bürgerin in diversen Ausschüssen der Stadt Bonn aktiv, zuletzt im Planungsausschuss. Dort hatte sie am Schluss den Eindruck, ihre Zeit zu vergeuden. „Ich muss schon merken, dass ich etwas bewirke. Nur rumsitzen und abnicken ist nicht mein Ding“, sagt sie.

Doch so ganz weg von der Politik ist sie nicht, der Bazillus sitzt noch in ihr. Sie macht sich Gedanken darüber, wie in einer digitalen Welt eine menschenwürdige Zukunft aussehen könne. Wenn ihre Ideen auf Anklang stoßen, dann könne sie sich auch einen Wiedereinstieg in die Politik vorstellen.