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Bonn-Beuel: Grünes Licht für Bebauung des Wohnparks II in Vilich-Müldorf

Bebauung in Vilich-Müldorf : Stadt gibt grünes Licht für neues Wohngebiet in Beuel

Es tut sich etwas im Projekt Wohnpark II, südöstlich von Vilich-Müldorf. Der Bonner Stadtrat hat die Aufstellung eines Bebauungsplans für rund 420 Wohneinheiten beschlossen. Es gibt aber auch Bedenken.

Zehn Jahre ist es her, da informierte die Stadtverwaltung die Bürger über ihre Bebauungspläne südöstlich von Vilich-Müldorf, für den Wohnpark II, der in direkter Nähe des bestehenden Wohnparks I liegt. Nun ist die Aufstellung eines Bebauungsplans für rund 420 Wohneinheiten vom Rat beschlossene Sache, und dem Beginn der Vermarktung hat der Stadtrat ebenfalls seine Zustimmung gegeben, auch wenn es Bedenken gab von mancher Seite.

Umsetzen will die Verwaltung den Bau von zweigeschossigen Einzelhäusern, Doppelhäusern, Hausgruppen für alternative Wohnformen wie Mehrgenerationen- und Genossenschaftswohnen sowie dreigeschossige Mehrfamilienhäuser, zum Kauf, wie auch zur Miete. Bis auf ein Gewächshaus ist die 13,5 Hektar Fläche weitgehend Acker­land. Dem Pächter hat die Stadt nach eigenen Angaben mittlerweile den Vertrag gekündigt.

Die Erschließung soll über die Bundesgrenzschutzstraße erfolgen. Nicht ganz einfach, da die Verkehrsprognosen für das Jahr 2030 ein „Annähern an die Kapazitätsgrenze und zum Teil instabile Verkehrsabläufe bedeuten würde“, wie das Planungsamt mitteilt. Dennoch denkt man dort, mit passenden Mobilitätskonzepten den errechneten Kfz-Anteil von 60 Prozent „signifikant“ absenken zu können. Helfen könnte dabei die gute Anbindung an den Nahverkehr durch die Nähe zur Haltestelle der Stadtbahnlinie 66, die ja in den kommenden Jahren in dichterem Takt unterwegs sein soll.

Lärmschutzwand gegen Lautstärke von Autobahn und Flugplatz

Eine Lärmschutzwand von 5,50 Meter Höhe soll die Lautstärke von Autobahn und Flugplatz in Grenzen halten, was die Stadt nach ihrer Auffassung gewährleisten kann. Bedenken der Düsseldorfer Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde für den Flugverkehr, das Wohngebiet als reines Wohngebiet auszuweisen, hält die Stadt ein Schallschutzgutachten entgegen, das den Lautstärkepegel als „unkritisch“ errechnet hat.

Der planungspolitische Sprecher der CDU, Bert Moll, betont jedoch trotz einiger Vorbehalte, die es gebe: „Wir brauchen in Bonn bezahlbaren Wohnraum, gerade für Familien.“ Die große Nachfrage war auch der Grund, warum die Stadt eine Nachverdichtung von ursprünglich 300 Wohneinheiten auf nun 420 vorgenommen hatte.

Bonn-Beuel: Grünes Licht für Bebauung des Wohnparks II in Vilich-Müldorf
Foto: GA

Unterschiedlicher Auffassung waren die politischen Planungsexperten in der Frage, ob die Stadt Aufstellungsbeschluss und Vermarktung überhaupt gleichzeitig vorantreiben darf, „denn das ist ja praktisch ein ungedeckter Scheck, ein Bebauungsplanverfahren hat aber ergebnisoffen zu erfolgen“, sagte Hartwig Lohmeyer von den Grünen, dessen Fraktion die vorgegebenen Energiestandards für die Häuser „überholt“ erscheinen.

Laut Petra Denny, Leiterin des städtischen Planungsamts, ist zweigleisiges Vorgehen, um Zeit zu sparen, allerdings nicht unüblich. Es sei sogar sinnvoll, weil bei einer parallel laufenden Vermarktung die individuellen Bedürfnisse der künftigen Besitzer besser ablesbar würden. Die Planer könnten entsprechend auf den Zuschnitt der Parzellen Einfluss nehmen und liefen nicht Gefahr, am Markt vorbeizubauen. Die Stadt habe vor, bei der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme bezahlbare Festpreise zu verlangen.

Das Grundstück soll in vier Bauabschnitte unterteilt und an mehrere Bauträger vergeben werden. Die Stadt will die Vermarktung – 40 Prozent Förderwohnungen nach dem Bonner Baulandmodell sind zu errichten – in die Hände von NRW-Urban geben. Es berät als 100-prozentiges Beteiligungsunternehmen des Landes NRW Kommunen bei der Stadtentwicklung und betreute bereits den Wohnpark I.

Es lagen dem Stadtrat in jüngster Sitzung einige Änderungsanträge zur Beschlussvorlage der Verwaltung vor, keiner fand eine Mehrheit. Die Grünen hätten gerne eine Ausschreibung nach Konzeptqualität gesehen und verlangten eine folgende Abwägung nach Kriterien durch die Stadt. Die Linksfraktion zielte in eine ähnliche Richtung und wollte ihr wichtige Punkte wie Barrierefreiheit, architektonische und bauliche Qualität festschreiben lassen.

Sie forderten ebenfalls eine anschließende Wertung zur Vorlage. Der Bürger Bund Bonn hielt es für sinnig, zunächst eine Stadtentwicklungsgesellschaft zu gründen und sie sodann mit dem Bauprojekt zu beauftragen. Die Jamaika-Koalition hatte die Verwaltung Anfang 2019 beauftragt, die Gründung einer solchen Gesellschaft zu prüfen. Bisher liegt dazu keine Stellungnahme vor.