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Bonn-Beuel: Lernpaten-Projekt startet nach Corona-Pause wieder

Lernen und Zuhören auf Augenhöhe : Lernpaten-Projekt in Beuel startet wieder

Zuhören, ermuntern, generell Ansprech- und Vertrauenspersonen sein: Nach der Coronapause setzt die Johannes-Nepomuk-Stiftung ihr Lernpatenprojekt am KFG fort. Erstmals ist auch das Sankt-Adelheid-Gymnasium dabei.

Sechs Jungs saßen beim ersten Coaching im Klassenraum. Das ist viel für das Lernpatenprojekt am Kardinal-Frings-Gymnasium, stellte Andrea Profitlich von der Johannes-Nepomuk-Stiftung fest. Nach der Corona-Zwangspause startet das Projekt wieder durch, und es wird auch Zeit. „Der Bedarf an den Grundschulen ist groß“, sagte Profitlich.

Insgesamt ist die Beteiligung mit 18 Gymnasiasten vom KFG groß. Sie besuchen künftig einmal in der Woche die Josefschule und beschäftigen sich eine Stunde lang mit einem der Kinder, die dafür ausgesucht und nach den Zeitangaben der Gymnasiasten zugeteilt wurden. Einige von ihnen sprechen kaum Deutsch oder haben aus anderen Gründen Schwierigkeiten, im Unterricht mitzukommen. Die Jugendlichen sollen mit ihnen aber nicht nur Hausaufgaben machen, sondern zuhören, ermuntern, generell Ansprech- und Vertrauenspersonen sein. Und notfalls auch einfach mal nur eine gemeinsame Zeit auf dem Schulhof verbringen. „Euer Ziel ist nicht, dass das Kind aufs Gymnasium geht“, sagte Profitlich zu den neuen Lernpaten.

Nicht wie eine Autoritätsperson rüberkommen

Den Grundschülern einfach eine schöne Zeit zu bieten, könne auch etwas bringen, bestätigte Monika Wippermann, die das Projekt an der Josefschule koordiniert. „Das tut denen manchmal so gut, dass das positive Auswirkungen auf die Schule hat.“ In Zeiten von Abstandhalten und Distanzunterricht war dieses Modell natürlich so nicht möglich. Finn (16), der als einziger bereits früher beim Projekt mitgemacht hat, hatte sein Patenkind 2020 eine Zeit lang privat weiter betreut, aber die anderen teilnehmenden Josefschüler hatten diese Möglichkeit nicht.

„Es bringt große Freude, anderen Menschen ein Stück in ihrem Leben weiterzuhelfen“, sagte Finn. Wichtig sei, nicht wie eine Autoritätsperson rüberzukommen, wenn man mit den Kindern redet. Die 15-jährige Emilia hatte sich gleich gemeldet, als sie von dem Projekt gehört hatte. „Ich habe keine Sorgen, dass ich das nicht hinkriege“, meinte sie. Sie hatte immerhin auch schon ein Praktikum an der Grundschule gemacht.

Ebenso wie Jule (15), die Lehrerin werden möchte. Für sie sei es nicht nur Freizeitbeschäftigung und Taschengeld – für jede Stunde erhalten die Schüler acht Euro – sondern auch Berufserfahrung. „Ich habe Spaß daran, mit anderen Kindern etwas zu machen.“ Die Arbeit mit Kindern gefällt auch Cora (16), die ein Praktikum in einer Kita hinter sich hat. „Nach Corona habe ich selber gemerkt, wie schwer es war, wieder einzusteigen“, erklärte sie. „Ich kann mir vorstellen, dass das für jemanden, der so klein ist, noch schwerer ist.“ Deshalb wolle sie helfen.

Erstmals hat die Johannes-Nepomuk-Stiftung das Lernpatenprojekt auch an das Sankt-Adelheid-Gymnasium in Pützchen gebracht. Sechs Schülerinnen betreuen Kinder an der Marktschule. Dafür ist die Stiftung auf Spenden angewiesen. Vom Erlös der Nostalgiesitzung im Zeughaus gingen 2000 Euro an das Projekt, die Beueler Stadtsoldaten legten noch 400 Euro drauf, die Augenklinik Roth will die Lernpaten dauerhaft finanziell unterstützen. Mit mehr Geld können mehr Kinder betreut werden. Wer spenden möchte, findet Infos auf www.johannes-nepomuk-stiftung.de.