Marode Sporthallen Warum die Bonner Bundesliga-Handballer nach Königswinter ausweichen

Beuel · Weil die Hallen in Bonn nicht die nötigen Voraussetzungen für ein Spiel auf Bundesliganiveau bieten, weichen die A-Jugend-Handballer der JSG Bonn für ihr Viertelfinal-Pokalspiel ins Siebengebirge aus. Was das mit der geplanten Dreifachhalle in Beuel zu tun hat.

 TSV-Vorsitzender Achim Büsch und Christiane Assmus vom Projektteam „Neue Handballhalle in Beuel“ demonstrieren in der maroden Halle in der Ringstraße, warum Zuschauer und Zuschauerinnen immer um die Pfeiler herumhuschen müssen, um dem Spielgeschehen zu folgen. Die alte Halle kann nur wegen einer Sondergenehmigung für den Regionalliga-Spielbetrieb der Seniorenteams genutzt werden.

TSV-Vorsitzender Achim Büsch und Christiane Assmus vom Projektteam „Neue Handballhalle in Beuel“ demonstrieren in der maroden Halle in der Ringstraße, warum Zuschauer und Zuschauerinnen immer um die Pfeiler herumhuschen müssen, um dem Spielgeschehen zu folgen. Die alte Halle kann nur wegen einer Sondergenehmigung für den Regionalliga-Spielbetrieb der Seniorenteams genutzt werden.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Die A-Junioren-Handballer aus Bonn sorgen bundesweit für Furore und bestreiten am Sonntag, 28. April, das große Pokalviertelfinal-Rückspiel gegen die hessische JSG Melsungen/Körle/Guxhagen – nach Angaben der JSG Bonn ein echtes Highlight für die gesamte Handball-Region. Auf dem Papier haben die jungen Nachwuchsstars ein Heimspiel, das jedoch nicht in Bonn stattfinden wird, sondern in der Halle der Grundschule in Königswinter-Oberpleis auf dem Sonnenhügel.

Denn ausgerechnet vor so einem großen Spiel machte den Handballern der Hallenboden in der Halle der Ausweichspielstätte in Beuel-Ost große Sorgen. Wie die Verantwortlichen der TSV Bonn rechtsrheinisch 1897/1907 e.V. berichten, wurde die Versiegelung des Bodens der Halle an der IGS Bonn-Beuel nach Reinigungsarbeiten Mitte März an einigen Stellen beschädigt. „So ist die Nutzung der Halle der IGS mit Haftmitteln derzeit nur eingeschränkt möglich“, erläutert Peter Bitzer vom TSV, der die Bonner Jugendspielgemeinschaft seit vier Jahren mit der HSG Geislar/Oberkassel, dem Poppelsdorfer HV und dem Godesberger TV bildet.

1000 Zuschauer in Tannenbusch nicht realisierbar

Als Ausweichoption für das wichtige Pokalspiel habe das Sport- und Bäderamt einzig die Sporthalle Tannenbusch mit Ausnahmegenehmigung wegen der Haftmittel anbieten können, erläutert Bitzer im Gespräch mit dem GA. Die Halle im Schulzentrum hätte in Sachen Infrastruktur aber noch schlechtere Bedingungen geboten: „Wir erwarten 1000 Zuschauer. Das wäre in Tannenbusch nicht realisierbar gewesen.“

 Die Bundesliga-Handballer müssen ausweichen. Dagegen wehren sich Lukas Tack (schwarze Jacke), Christiane Asmus und Achim Büsch (blauer Pullover).

Die Bundesliga-Handballer müssen ausweichen. Dagegen wehren sich Lukas Tack (schwarze Jacke), Christiane Asmus und Achim Büsch (blauer Pullover).

Foto: Benjamin Westhoff

So nutzen die Verantwortlichen der JSG stattdessen ihre freundschaftlichen Kontakte zur benachbarten HSG Siebengebirge-Thomasberg. So wird das Bonner Heimspiel gegen den Bundesliganachwuchs aus Melsungen nun am 28. April um 15.30 Uhr mit besten Rahmenbedingungen voraussichtlich vor einer Rekordkulisse stattfinden – nur eben nicht in Bonn, sondern kurioserweise am Oberpleiser Sonnenhügel.

Verein wartet schon Jahre auf neue Dreifachhalle

Was wie eine einmalige Ausweichaktion klingen mag, hat aber einen viel tiefer greifenden Hintergrund. Denn wenn der TSV rechtsrheinisch die bereits 2017 avisierte Dreifachhalle in Beuel bereits hätte, wäre der kurzfristige Umzug nach Oberpleis überhaupt nicht nötig, sondern die JSG Bonn könnte ihren Fans und Gästen zu Hause in der Bundesstadt Handballspiele auf Spitzenniveau präsentieren.

Wie die Mitglieder des Projektteams „Neue Handballhalle in Beuel“ und der erste Vorsitzende des TSV-Gesamtvereins, Achim Büsch, dem General-Anzeiger bei einem Treffen im Gemeinschaftsraum der mehr als 50 Jahre alten Halle in der Ringstraße berichten, erhielt der Verein die Zusage einer neuen Dreifachhalle noch von Oberbürgermeister Ashok Sridharan, dem Vorgänger von Oberbürgermeisterin Katja Dörner.

Nicht mehr als Schulterklopfen und Kopfnicken

„Seit das Team um Professor Dr. Robin Kähler im Jahre 2017 in seiner Studie zum Bonner Sportentwicklungsplan die Dringlichkeit einer solchen Halle – nicht nur, aber auch für den Handballsport – auf der Prioritätenliste nach ganz oben gesetzt hat, ist außer allgemeiner Zustimmung, viel Schulterklopfen und positivem Kopfnicken bislang nur wenig Substanzielles geschehen“, kritisiert Peter Bitzer auf der Vereinshomepage die lähmende Langsamkeit der Planungen.

Immerhin gibt es bereits zwei Standorte, die für die neue Dreifachhalle infrage kommen. Die TSV-Verantwortlichen favorisieren die Variante, im Franz-Elbern-Stadion eine neue Halle zu bauen, die aus der Fußballanlage einen multifunktionalen Sportpark machen würde (der GA berichtete). Variante zwei wäre ein Standort auf dem Gelände der früheren Beueler Realschule, auf dem zurzeit einige Klassen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs unterrichtet werden und die Alte VHS ihre neue Heimat gefunden hat.

Zweite Machbarkeitsstudie sollte bereits vorliegen

Zum zweiten Standort sollte die Verwaltung bis zum Ende des 1. Quartals 2024 eine Machbarkeitsstudie vorlegen, was bis jetzt aber leider noch nicht geschehen sei.

„Beide Standorte hätten ihren Charme und würden – zumindest von den Handballern – mit Kusshand genommen“, sagt Bitzer. „Was allerdings ganz und gar uncharmant und nervtötend daherkommt, ist der fehlende Herzschlag für dieses Projekt, der im Vergleich einen Blauwal als hyperaktiv mit ADHS charakterisieren würde.“ Das Projektteam kritisiert, dass Fortschritte, wenn überhaupt, maximal in Quartalsschritten erreicht würden. „So wurde beispielsweise im Herbst 2023 der Vorschlag, die Bebauungsplanänderung für das Stadion parallel zur Prüfung des Standortes Realschule einzureichen, als nicht zielführend abgewiesen.“ Zudem meide die Verwaltung in der Sache die Öffentlichkeit „als dem Prozess nicht zuträglich“. Das dürfte sich aber in Kürze wieder verselbstständigen, glauben die TSV-Verantwortlichen, spätestens wenn sich die Politik im Vorfeld der Kommunalwahlen 2025 wieder an „ihr Thema“ neue Dreifachhalle erinnere.

Kritik am Städtischen Gebäudemanagement

TSV-Vorsitzender Achim Büsch kritisiert, dass in Sachen Dreifachhalle alle Fäden im Städtischen Gebäudemanagement (SGB) zusammenlaufen und regt an, dass die Planung und der Bau extern beauftragt werden könnten. Der stellvertretende Leiter der Handballabteilung, Lukas Tack, meint: „Das SGB ist einfach überfordert. Zielführender wäre es, die Verantwortlichkeiten für so ein Projekt der Fachabteilung zu übertragen, also in diesem Fall dem Sport- und Bäderamt.“

Christiane Assmus aus dem Projektteam zweifelt mittlerweile daran, dass sie die neue Dreifachhalle noch erlebt. Günter Greitens, der selbst als Bauingenieur tätig ist, sagt: „Man hat das Gefühl, dass das SGB jedes Projekt, das zusätzliche Arbeit macht, im Sande verlaufen lässt.“ Die Verlegung des Handball-Junioren-Pokalspiels bezeichnet er als „Armutszeugnis der Sportstadt Bonn“. Die Verantwortlichen hoffen, dass die A-Junioren nach dem 30:30 ihr Rückspiel gegen Melsungen gewinnen – zwar nicht richtig zu Hause, aber immerhin unter professionellen Bedingungen.