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Bonn: Kläranlage besteht ersten Hochwassertest nach Sanierung

Anlage in Beuel : Kläranlage besteht ersten Hochwassertest nach Sanierung

Das Hochwasser an Rhein und Sieg war der erste ernst zu nehmende Testlauf für das Klärwerk in Schwarzrheindorf. In den vergangenen zwei Jahren wurde die Abwasserreinigungseinrichtung am Beueler Rheinufer grundlegend saniert und hochwassersicherer gemacht.

Die kürzlich sanierte Kläranlage in Schwarzheindorf hat ihr erstes Hochwasser gut überstanden. Weshalb die Stadt Bonn davon ausgeht, dass das Klärwerk auch für weitere Rheinhochwasser gut gerüstet ist. Der Höchststand des Bonner Pegels lag Anfang Februar bei etwa 8,50 Meter.

  Das städtische Tiefbauamt hat von den beiden Hochwasserpumpwerken in der Anlage das Pumpwerk I saniert und dieses für ein 200-jährliches Rheinhochwasser widerstandsfähig gemacht. Das Pumpwerk, das seit Ende 2020 in Betrieb ist, kann somit den Kläranlagenbetrieb und das Beueler Hinterland bei Pegelständen von mehr als elf Metern vor Überschwemmungen schützen. 

Anwohner profitieren von der Sanierung

Das Hochwasserpumpwerk I pumpt bei einem Rheinwasserstand ab 7,20 Metern das aufsteigende Grundwasser im Bereich der ufernahgelegenen Kläranlage und den Vilicher Bach, der sich an der Südseite der Anlage befindet, in den Rhein. Zusätzlich kann es bei Bedarf auch das Hochwasserpumpwerk II unterstützen, das ab einem Pegel von 7,80 Metern anspringt und das gereinigte Abwasser in den Rhein befördert, denn ein freier Abfluss in den Rhein ist ab diesem Wasserstand nicht mehr möglich. 

Nicht nur die Kläranlage Beuel kann bei Rheinhochwasser sicher weiter betrieben werden, auch die Anwohner des Vilicher Bachs in Geislar, Vilich und Schwarzrheindorf profitieren laut Stadt von der Sanierung.  Damit das Rheinwasser nicht durch den Bachauslauf im Rheinschutzdeich in das Hinterland eindringen kann, wird der Durchlass bei Rheinhochwasser geschlossen. Der Vilicher Bach wird dann über einen Stichkanal dem Hochwasserpumpwerk I zugeführt und über den Deich in den Rhein gepumpt. Ansonsten würde der Bach sein Wasser zurückstauen und das Hinterland überfluten.

In den 1990er Jahren gab es zwei Jahrhunderthochwasser

  Das Pumpwerk wurde in den 1950er Jahren gebaut. Aufgrund diverser Erweiterungen und Umbauten in den vergangenen 70 Jahren hatten sich die Anforderungen an das Pumpwerk mehrfach geändert. In den 1990er Jahren gab es zwei Jahrhunderthochwasser - aus diesem Grund wurde in den 2000er Jahren der Rheinschutzdeich auf der Beueler Seite auf das damalige 200-jährliche Bemessungshochwasser erhöht, um rechtsrheinisch bis zu einem Pegel von 11,18 Metern Schutz zu bieten. Die dadurch veränderte Förderhöhe, die erforderlich ist, um den Auslauf des Vilicher Bachs in den Rhein zu gewährleisten, konnte letztlich durch die alten Pumpen nicht mehr sichergestellt werden. Deshalb wurde beschlossen, das Hochwasserpumpwerk I zu sanieren und den heutigen Anforderungen anzupassen.  

Die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen dauerten etwa zwei Jahre, dabei erfolgten sämtliche Baumaßnahmen im laufenden Betrieb. Die vollständige Außerbetriebnahme des Hochwasserpumpwerks beanspruchte nur wenige Wochen. Die Baumaßnahmen umfassten den Rückbau der bestehenden Pumpenanlagen, die bauliche Neugestaltung der Sammelbecken im Vorlauf zu den Pumpen sowie die bauliche Anpassung des Pumpwerks im Inneren inklusive aller Rohrleitungen, den Umbau der Auslaufsituation sowie den Neu- beziehungsweise Umbau diverser Absperrbauwerke. Die vier neuen baugleichen Hochwasserpumpen können jeweils 900 Liter Wasser pro Sekunde fördern. Sämtliche elektrotechnischen Anlagen, die Mess- und Automatisierungstechnik sowie die Anbindung zum übergeordneten Prozessleitsystem wurden vollständig erneuert.

Schieber im Außenbereich vor Vandalismus ausgerüstet

Der Einlaufbereich des Pumpwerks wurde grundlegend umgestaltet. Die Zuläufe aus dem Vilicher Bach und der natürlichen Senke für aufsteigendes Grundwasser, die im alten Pumpwerk jeweils eigene Sammelbecken mit Rechen und eigenen Pumpen hatten, wurden in einem gemeinsamen Pumpensumpf zusammengefasst. Ein neuer, vollautomatischer Rechen mit Rechenreinigungsanlage wurde installiert. Alle Rheinauslässe wurden mit zusätzlichen Sicherheitsschiebern ausgestattet, sodass das Risiko für ein Versagen der Sicherheitsmaßnahmen im Ernstfall gemindert wird und eine Überflutung des Hinterlandes noch wirksamer verhindert werden kann. Schieber im Außenbereich vor der Kläranlage wurden zusätzlich mit einem Schutz vor Vandalismus ausgerüstet.

Das sanierte Hochwasserpumpwerk hat heute eine Gesamtförderleistung von 3600 Litern pro Sekunde und ist damit in der Lage, ein 100-jährliches Rheinhochwasser - 10,89 Meter Bonner Pegel - bei einem gleichzeitigen, zweijährlichen lokalen Regenereignis zu fördern, um den Kläranlagenbetrieb sicherzustellen.  Der Umbau kostete 3,5 Millionen Euro, 50 Prozent wurden vom Land NRW übernommen.