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Bonn: Pläne für Seilbahn hängen noch in der Luft

Verkehr in Bonn : Standorte für Seilbahn in Bonn sind noch unklar

Bonns Stadtbaurat Wiesner gesteht: Die Standortfrage für Seilbahnhaltestellen ist noch nicht entschieden. Der U-Bahnhof Ramersdorf könnte eine von zwei möglichen Stationen sein.

Die Standortfrage der Seilbahn-Haltepunkte auf der rechten Rheinseite ist noch nicht abschließend entschieden. Das teilte am Dienstagabend Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner den Mitgliedern der Bezirksvertretung Beuel mit und zog damit vorerst einen Schlussstrich unter den seit Wochen schwelenden Streit zwischen Politik und Verwaltung.

Der Beigeordnete, einer der ranghöchsten Mitarbeiter von Oberbürgermeister Ashok Sridharan, musste mit dieser Feststellung eingestehen, dass er sich mit seiner Aussage im Juli, wonach die Standortfrage im Rechtsrheinischen mit der Festlegung auf den Grüngürtel am Schießbergweg in Ramersdorf entschieden sei, vielleicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Dieses frühe Eingeständnis in seiner fast 25-minütigen Rede zum aktuellen Stand der Seilbahn-Diskussion ersparte Wiesner die von vielen Seiten erwarteten Vorwürfe bezüglich seiner nicht ganz richtigen Darstellung der Sachlage.

Dennoch: Fragen musste Wiesner viele beantworten. Und das tat er auch geduldig und ein Stück weit demütig. Neben ihm auf der Verwaltungsbank saß Planungsamtschefin Petra Denny. Sie verfolgte den Wortbeitrag ihres Vorgesetzten nahezu regungslos.

Planfeststellungsverfahren steht aus

Als Stadtverordneter Ludwig Burgsmüller (CDU) Wiesner nach dem Grund für die vom Inhalt her unterschiedlichen Aussagen seiner Mitarbeiter in der Juni-Sitzung der Bezirksvertretung Beuel im Vergleich zu seiner Aussage im Juli ansprach, sagte er schmallippig: „Es gibt keinen politischen Beschluss für irgendeinen Standort der Seilbahn-Stationen.

Das Planfeststellungsverfahren, an dem die Bürger natürlich beteiligt werden, steht noch aus.“ Genau diese Auskunft hatten Denny und ihr Kollege Dirk Delpho im Juni den Politikern gegeben. Woraufhin Wiesner wenige Tage später im GA seine ganz persönliche Sicht der Dinge kundtat, die offensichtlich in dieser Deutlichkeit nicht stimmte und zu den Differenzen zwischen Politik und Verwaltung führte.

Der Stadtbaurat versicherte, dass er künftig in den Fachausschüssen und Bezirksvertretungen umfänglich über den aktuellen Stand der Seilbahn informieren wird. Nächste Gelegenheit dazu ist im Planungsausschuss am Mittwoch, 26. August.

SPD sieht bislang nur „Denkmodelle“

Marco Rudolph (CDU) kritisierte die Stadtverwaltung, weil sie bislang in Beuel weder die Bezirksvertretung noch die Bürgerschaft über die aktuellen Entwicklungen in der Seilbahn-Diskussion informiert hat: „Mit ihren Äüßerungen haben sie für Aufregung in der Bevölkerung gesorgt. Vertrauensvolle Zusammenarbeit und transparente Informationspolitik sehen anders aus. Für uns ist und bleibt das Verfahren offen.“

Dieter Schaper (SPD) sagte ironisch: „Wegen dieser Verwerfungen zwischen den Aussagen seitens der Verwaltung ist die Seilbahn endlich in Beuel angekommen. Bislang handelt es sich meiner Einschätzung nach nur um Denkmodelle, die Faktenlage muss noch erarbeitet werden.“ Martin Eßer (FDP) betonte in der Sitzung, dass gerade die Frage der Wirtschaftlichkeit für ihn und seine Kollegen eine wichtige Rolle spielt.

Detmar Jobst (Die Grünen) überraschte mit der Aussage: „Die Verwaltung hat bislang einen guten Job gemacht, ohne das Thema an die große Glocke zu hängen.“ Achim Joest (Die Linke) sprach sich vorerst gegen eine mögliche Verlängerung der Seilbahn in die Beueler Bergregion aus: „Das kommt mir eine Nummer zu dick vor. Eine längere Seilbahn muss nicht besser sein.“

Wiesner versuchte den Fraktionen zu erläutern, wie die Missverständnisse entstanden sein könnten: „In den verschiedenen Diskussionen wurde von unterschiedlichen Planungsständen ausgegangen.“ Da die Machbarkeitsstudie von 2017 die sogenannte Nordtrasse mit Halt am Schießbergweg favorisiert habe, sei man mit dieser Variante in die Verhandlungen mit dem Land NRW bezüglich einer finanziellen Förderung gegangen. „Wir befinden uns allerdings noch im Stadium des Ob und nicht des Wie“, versicherte Wiesner. Entscheidend für den Ausgang der Verhandlungen mit Land und Bund sei das Ergebnis der Kosten-Nutzen-Analyse.

Stadtbaurat dämpft Hoffnung auf Wirtschaftlichkeit

Die Stadt Bonn dürfe bei einem positiven Ausgang der Analyse mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 90 Prozent der Investitionskosten rechnen. „Um die Frage der Betriebswirtschaftlichkeit zu klären, hat die Stadt eine Arbeitsgruppe mit den Stadtwerken Bonn gegründet. Aber eines ist klar: ÖPNV kann nicht kostendeckend ablaufen, er rechnet sich fast nie“, erklärte der Stadtbaurat. Sollte sich herausstellen, dass die Seilbahn nicht förderungswürdig sei, dann brauche sich niemand mehr um die Standorte der Stationen zu streiten.

Wiesner stellte klar, dass auch eine Station am U-Bahnhof in Ramersdorf technisch machbar sei: „Aber es würde dort teurer und schwieriger, weil man auf kurzer Strecke sehr schnell an Höhe gewinnen muss.“ Er bat die Politiker, die Diskussionen um die Trassenführung so lange einzustellen, bis die Frage der Finanzierbarkeit geklärt sei. Eine spätere Verlängerung der Seilbahn hoch auf den Ennert oder zum Hardtberg empfiehlt sich nach Aussage Wiesners.