Umstrittene Seilbahn-Pläne Bonner Politik übt heftige Kritik an Baurat Wiesner

Beuel · Die Äußerungen von Helmut Wiesner zum Verlauf der Seilbahntrasse verärgern alle Parteien. Der Stadtrat hat bisher nichts entschieden.

 Ob im Grünzug östlich des Telekom-Campus eine Seilbahnstation am Schießbergweg gebaut wird, ist nach Ansicht vieler Politiker noch völlig offen.

Ob im Grünzug östlich des Telekom-Campus eine Seilbahnstation am Schießbergweg gebaut wird, ist nach Ansicht vieler Politiker noch völlig offen.

Foto: Benjamin Westhoff

Mit deutlichen Worten haben Politiker aller Fraktionen und Bürgervereine auf die Aussage von Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner reagiert und ihm eigenmächtiges Handeln vorgeworfen. Der Beigeordnete, der unter anderem für die Verkehrsplanung in der Bundesstadt verantwortlich ist, hatte vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem GA unmissverständlich erklärt, dass die Trassenführung für die geplante Seilbahn feststehe und Routenänderungen nicht mehr möglich seien. Wiesner beruft sich dabei auf die seit 2017 in Ausschussitzungen und im Stadtrat diskutierten Verwaltungsvorlagen, bei denen es immer nur noch um die favorisierte Nordtrasse (von der Uniklinik auf dem Venusberg über den UN-Campus bis zum Schießbergweg in Ramersdorf) gegangen sei.

Die große Mehrzahl der am Thema beteiligten Politiker kann sich indes nicht erinnern, dass ein rechtsverbindlicher Beschluss gefasst worden sei, der eine Aussage über den definitiven Verlauf der Seilbahn macht. Rolf Beu, Vorsitzender des Planunungsausschusses und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, sagte dem GA: „Mir ist kein Beschluss bekannt.“ Die Verwaltung treibe dieses Projekt mit viel Herzblut voran, aber in diesem Fall sei sie über das Ziel hinaus geschossen.

Konkreter Planungsauftrag erst in der nächsten Ratsperiode

Ratsherr Bert Moll, Planungssprecher der CDU, lobte das Engagement der Verwaltung, damit die Seilbahn zeitnah realisiert werden könne, aber: „Es gibt keinen verbindlichen Beschluss, mit dem die Politik die Verwaltung beauftragt hat, den Schießbergweg als Endhaltepunkt festzulegen.“ Grundsätzlich sei eine Verlängerung über den Rhein seiner Meinung nach sinnvoll, aber anfänglich sei es nur um die Frage gegangen, wie man die Verkehrsbelastung zum Venusberg hoch reduzieren könne. „Die Trassenführung muss ergebnisoffen diskutiert werden  – auch mit den Bürgern. Ein konkreter Planungsauftrag wird erst in der nächsten Ratsperiode erfolgen, weshalb die Festlegung von Herrn Wiesner auf einen Seilbahnstart in 2025 kühn ist“, so Moll.

Ratsherrr Dieter Schaper, der auch SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Beuel ist: „Mit Verlaub, dass was Herr Wiesner behauptet ist Unfug. Weder die Bezirksvertretung noch Beueler Bürger haben bislang irgendwelche Pläne zu Gesicht bekommen. Sollte Herr Wiesner das Thema Seilbahn auf diese Art weiter durchziehen wollen, wird er sich an der Politik die Zähne ausbeißen. Das machen wir so nicht mit.“ Martin Eßer, FDP-Bezirksverordneter, erklärte, dass die Worte des Stadtbaurats endgültiger klingen würden, als die Situation wirklich ist. Mehr als die Machbarkeitsstudie von 2017 sei öffentlich nicht bekannt. „Ich kann nur dazu raten, dass Akzeptanz-Management seitens der Stadt in Richtung Bürger und Politik deutlich zu verbessern“, so Eßer.

Politik wird die Verwaltung beauftragen

Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus (CDU), betonte, dass sich die Beueler CDU keinesfalls zwischen den Standorten U-Bahnhof und Schießbergweg als Seilbahnstation entschieden habe und nach seiner Kenntnis immer noch die Politik entscheide und die Verwaltung beauftrage, die eine oder die andere Trasse zu bauen. „Nahezu peinlich sollte es der Planungsverwaltung hingegen sein, die Frage der Pkw-Erreichbarkeit des S13-Haltepunktes am Schießbergweg ebensowenig beantworten zu können, wie die des zukünftigen S13-Haltepunktes in Vilich.“ Ernsthaft Menschen zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel bewegen zu wollen bedeute zwingend, diesen attraktiv zu gestalten und Park-&Ride-Möglichkeiten frühzeitig mitzudenken. Letztendlich diene die künftige S13 der besseren Anbindung an den Köln-Bonner Flughafen, so dass eine gute Erreichbarkeit der Umstiegsknotenpunkte mit Gepäck für die Akzeptanz zwingend sei, so Déus.

Wilfried Mermagen, Bürgervereinsvorsitzender des Ortes, in dessen Zuständigkeit beide zur Diskussion stehende Seilbahnstation liegen, äußerte aus seinem Urlaub auf Mallorca zu dem Thema: „Die beiden möglichen Haltepunkte in Ramersdorf haben ihren Reiz, aber nach meiner Einschätzung ist der U-Bahnhof der sinnvollere Verknüpfungspunkt – auch im Hinblick auf eine mögliche Verlängerung der Seilbahn auf die Ennerthöhe.“ Er gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass die Verwaltung sich bei einigen Themen selbst beauftrage und die Politik dabei übergehe. „Wir haben einen Bürgerantrag für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung gestellt. Dann muss die Politik der Verwaltung eindeutig sagen, was sie will und was sie erwartet“, so Mermagen. Außerdem werde die Arbeitsgemeinschaft der rechtsrheinischen Bürgervereine am Samstag, 29. August, über das Seilbahn-Thema beraten und einen Beschluss dazu fassen. „Ich bin mir sicher, dass wir Bürgervereine uns allesamt für einen Haltepunkt am U-Bahnhof aussprechen werden“, erklärte Mermagen.

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