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29. Offene Bühne Rheinland im Pantheon: Bonnerin setzt musikalische Akzente zwischen Comedians

29. Offene Bühne Rheinland im Pantheon : Bonnerin setzt musikalische Akzente zwischen Comedians

Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie findet wieder die „Offene Bühne Rheinland“ für aufstrebende Künstlerinnen und Künstler im Pantheon statt. Neben Stand-Up-Comedians setzt die Bonnerin Cynthia Nickschas musikalische Akzente.

Angehende Künstler und solche, die es werden wollen, können sich wieder auf der Bühne des Pantheon versuchen. Am vergangenen Freitag fand die erste „Offene Bühne Rheinland“ seit Ausbruch der Pandemie statt. Ein Format, das noch unbekannten Künstlern eine Bühne mit Publikum bietet. Während Stand-Up-Comedians den Abend zahlenmäßig dominierten, setzte die Bonner Musikerin Cynthia Niskschas musikalische Akzente.

„Die Kultur ist wieder da“, rief „Offene Bühne“-Gründer Florian D. Schulz dem applaudierenden Publikum nach der Show zu. Für das traditionelle Abschlussfoto versammelte der Wuppertaler noch einmal alle an diesem Abend aufgetretenen Künstlerinnen und Künstler hinter sich. Der Bühnenmoderator zeigte sich angesichts der guten Atmosphäre im Publikum sichtlich erleichtert und zufrieden.

200 machen Stimmung wie 500

„200 Bonner können richtig Stimmung machen, genauso wie 500“, freute sich Schulz. Immer wieder nahm er während seiner Moderation Bezug auf die Veranstaltung im März letzten Jahres. Jene letzte Offene Bühne vor Corona, die noch einmal „phänomenal“ gewesen sei. Für gute Stimmung bei den 200 Zuschauern am Freitagabend sorgten überwiegend Komiker und Komikerinnen, die es sich zum Ziel gemacht haben, ihr Publikum durch die Weitergabe vermeintlicher Alltagserfahrungen zum Lachen zu bringen.

 Ein beliebtes Pointen-Ziel waren Kinder, ebenso manches Auslandsklischee und immer wieder Corona-Possen. So skizzierte Kabarett-Künstler Nito Torres, nachdem er einen Klischee-Spanier mit Gitarre darbot, ein turbulentes Mittagessen mit seinen überdrehten vier Töchtern und ihm als überfordertem Vater im Mittelpunkt. Fäkalwitze mit inbegriffen. Dass der gebürtige Kölner durchaus kreativ und unterhaltsam mit Worten und der Erwartungshaltung des Publikums spielen kann, bewies er bei seinem zweiten Auftritt des Abends.

Vom offenbar leidvollen Zusammensein mit Kindern

Zuvor wurde allerdings noch weitere Male über das leidvolle Zusammensein mit Kindern geklagt. Ein Topos, der so alt ist, wie der Alltagshumor selbst. Spontanauftritt „Kathi“, ein Favorit des Publikums, sie berichtete über das facettenarme Leben einer fünffachen Mutter, deren einzig vorstellbare Sehnsucht ein Wellnessurlaub mitsamt Longdrink im Schlammbad ist. Läge hinter dieser Art von Humor nicht der bittere Ernst des Eindeutigen, hätte man hier an Satire denken können.

Ähnlich war es im Falle des gelernten Erziehers Jan Preuß, der in hysterischer Mario-Barth-Manier einen Brüller nach dem anderen losließ. Nur waren es bei dem Kölner nicht Frauen, sondern Kinder, die nervten. Wenn diese in Preuss‘s Obhut überdies zu Verhaltensauffälligkeiten neigten, hießen sie Kevin. Ein moderner Klassiker des Genres. Zwei weitere Stand-Ups aus der Domstadt, Puya und Denno Maka, hielten den Ruf Kölns als zweite deutsche Hauptstadt des Brachialhumors nach Berlin aufrecht.

Bonner Akteure leider Mangelware

Spaßmacher aus Bonn waren an diesem Abend mal wieder Mangelware. Jedoch bewies die Bonner Liedermacherin Cynthia Nickschas mit ihrem Vorstellungssatz „Ich mache nur Musik und bin auch nicht witzig“, wie humorvoll ein pointierter performativer Widerspruch sein kann. Gemeinsam mit Bandmitglied Alwin Moser, der sie am Klavier oder mit der Violine begleitete, stellte Nickschas eine musikalische und thematische Abwechslung im ansonsten von Comedy-Unterhaltung geprägten Abend.

Dem auf Spaß und Belustigung eingestellten Publikum setzte Nickschas gegen Ende der Show ihr gesellschaftskritisch angehauchtes Lied „Menschenhass“ vor die Nase. Hätte die Gitarristin, mit der gleichsam kratzigen wie klaren Stimme ihre wütenden Lyrics verständlicher vortragen können, der Applaus wäre noch größer ausgefallen. Oder möglicherweise geringer, denn für Gesellschafts- und Kulturpessimismus war bei der 29. Offenen Bühne Rheinland dann doch nur wenig Platz.

So punktete der inoffizielle Beifall-König des Abends mit Sympathie und quirliger Skurrilität: Der gebürtige Süd-Koreaner Brandon Lee, „der Asi(a)-Deutsche“, arbeitete einerseits mit ähnlichen Humorversatzstücken wie seine Stand-Up-kolleginnen und -kollegen. Mit guter Bühnenpräsenz und einfallsreichen assoziativen Brüchen servierte er seinem Publikum jedoch die beste Comedy-Performance des Abends. Die 30. Offene Bühne Rheinland im Pantheon findet am 4. Dezember statt.