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Brotfabrik in Beuel - Streaming "Kunst gegen Bares" am Mittwoch

Virtuelle Bühne : Brotfabrik streamt am Mittwoch „Kunst gegen Bares“

Die Brotfabrik in Beuel bietet Künstlern ab Dezember eine virtuelle Bühne. Dazu gehört auch die Reihe „Kunst gegen Bares“, die es nun im Livestream gibt.

„Die Kunst geht ja oft auch zu Hause weiter“, sagt Jan Stephan Schmieding. Der Regisseur und Dramaturg, der zuletzt am Stadttheater in Graz beschäftigt war, gehört nun zu den Programmgestaltern der Bühne in der Brotfabrik und sieht sich dabei auch als Mittler und Förderer einer Soziokultur. Der Optimismus, den der 45-Jährige zudem ausstrahlt, lässt sich auf die vielfältigen Aktivitäten der Bühne zurückführen, die schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr entstanden und nun inmitten der erneuten Schließung des Theaters seit Anfang November wieder entstehen. So gibt es beispielsweise eine Übertragung an diesem Mittwoch, 2. Dezember, in einem Livestream – und viele weitere Ideen.

So hart die Pandemie vor allem die freischaffenden Künstler getroffen hat, so kreativ geht man in der Szene mit dem Ringen um Wahrnehmung der eigenen Kunst um. „Es gibt unter den Theatergruppen und freien Künstlern viele, die ein spürbares Verlustgefühl haben“, so Schmieding. Auch wenn viele von ihnen beruflich noch anderen Tätigkeiten nachgingen, sei das Kunstschaffen ein Teil ihrer selbst geworden. Man sehne sich danach, wieder aufzutreten. „Die Möglichkeiten, die wir hier haben, sich mit Theater und Kultur zu befassen“, sagt Schmieding, seien natürlich auch gut. Das zu unterstützen, sehe man auch als Teil der Aufgabe des Theaterbetriebs an.

Coronabedingt fallen erst einmal bis zum Jahresende alle geplanten Veranstaltungen und Premieren aus. Das betrifft auch die teilweise bis zu acht Künstler, die sich seit gut vier Jahren jeden ersten Mittwoch im Monat erfolgreich auf der Bühne in „Kunst gegen Bares“ um Titel wie „Kapitalistenschwein“ oder „Sau des Abends“ bewerben. „Wir sind dabei, daraus ein Hybrid-Format zu entwickeln“, so Schmieding.

Der Livestream zu „Kunst gegen bares“ an diesem Mittwoch beginnt um 20 Uhr, wenn sich der Vorhang in der Brotfabrik zur Moderation der Kleinkunst-Schau öffnet. Die sich zur Wahl stellenden Künstler zeigen dafür ihre vorher zu Hause aufgezeichneten Auftritte und stellen sich dem Publikum vor. Die Zuschauer können dann wie ansonsten im Theatersaal mit einem frei gewählten Geldbetrag ihren Favoriten auszeichnen. Und statt Bargeld für das Sparschwein vor Ort soll es jetzt Überweisungen geben. Das eingesammelte Geld kommt den Bühnenkünstlern zugute.

„Für uns war es wichtig, den Künstlern auch im Lockdown die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern und kreativ zu sein“, sagt Schmieding. Damit wolle man eine „theatrale Grundversorgung“ sichern. Auf der Webseite der Brotfabrikbühne und in den sozialen Netzwerken sind bereits kurze Videos rund um Veranstaltungen zu sehen, deren Premieren coronabedingt abgesagt werden mussten.

Unter „#premierenreif“ ist durch die Pandemie zudem ein neues Format entstanden, das nun auch über die momentanen Einschränkungen hinaus Bestand haben soll. Während die Brotfabrik seit dem 1. Dezember ihren virtuellen Adventskalender geöffnet hat, startete die Bühne am Montag auch das 240-Sekunden-Festival, an dem jeder mit einem vierminütigen Beitrag teilnehmen kann, dessen Thema und Aufgabe jedoch aus dem Angebot der Bühne stammen muss. So kann man sich beispielsweise den Titel „Das Geheimnis meines Nachbarn“ auswählen, zu dem die Aufgabe, „verbinde Deine Inszenierung mit einer Führung durch Deine Wohnung“ gehört. Eine mögliche Inszenierung vermeintlicher Ursprünge moderner Weihnachtsmythen soll mit „Die stillen Träume des Virologen“ überschrieben werden.

Analog zu seinem „240-Stunden-Theaterfestival gegen die Zeit“ hat Markus Weber eine kurze digitale Version ins Leben gerufen, die bereits auf Zustimmung gestoßen sei und nicht nur die Adventstage mit immer neuen Beiträgen beleben, sondern ebenfalls zum festen Bestandteil der virtuellen Theater-Angebote werden soll.

Genauso, wie auch die Videos von jederfrau und -mann, die in Anlehnung an die Studios des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol mit „My Factory“ überschrieben sind und die Auseinandersetzung mit der Brotfabrik als soziokulturellem Begegnungsort zum Inhalt machen. Jeder solle die Möglichkeit bekommen, seine „Brotfabrik-Geschichte“ zu erzählen, so Schmieding.

Zudem werde es kritische Diskurse zum Thema Kulturpolitik geben, die zurzeit unter dem Arbeitstitel „Zieht euch warm an“ entwickelt werden. Es sei schon eine komische Situation in der Pandemie, dass man zum Schweigen verurteilt sei, aber mit der Kreativität ja irgendwohin müsse, sagt Schmieding. „Das Gute ist, dass wir in der Brotfabrik in einer sehr schönen Gemeinschaftlichkeit aller Gewerke an weiteren digitalen Formaten arbeiten.“

Natürlich entstehe auch schon ein Spielplan für den Januar und man habe auch schon viele Künstleranfragen für das kommende Jahr, aber ob und wie etwas stattfindet, entziehe sich jeder Prognose. Klar sei nur, so Schmieding, dass die freie Kunstszene auch jetzt sehr produktiv sei: „Die wollen, die wollen, die wollen!“, sagt er. „Mal gucken, wann sie wieder können.“

Links zu den Videos und Informationen zum Programm gibt es im Internet: www.brotfabrik-theater.de