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Aktion von Beueler Nachbarn: Bücherschrank für nicht verwendete Lebensmittel

Aktion von Beueler Nachbarn : Bücherschrank für nicht verwendete Lebensmittel

Fynn Dobrindt hat vor seiner Haustür in Beuel einen Schrank aufgestellt, in dem Nachbarn nicht verwendete Lebensmittel abgeben und mitnehmen können.

Orangen, Paprika und Bananen hat Fynn Dobrindt vor der Mülltonne gerettet. Jetzt liegen die Lebensmittel in einem Holzschrank in der Schnorrenbergstraße. Sie sollen bei Nachbarn und Freunden auf dem Teller landen. „Ich habe mich dazu entschlossen, die Lebensmittelverschwendung in Supermärkten zu reduzieren“, sagt der 21-jährige Beueler.

Dafür baut er seit Kurzem an einem „Share Point“ vor der eigenen Haustür. Der Schrank bekomme noch Türen und werde gestrichen. Auch eine Bücherecke soll hier Platz finden. Ein Kühlschrank sei hingegen schon in den unteren Fächern unterbracht worden. „Für verderbliche Lebensmittel, damit die Kühlkette eingehalten wird“, erklärt Dobrindt. Der Student und sein Bruder Luc fahren wöchentlich Supermärkte und Bäckereien an. Die Ausbeute bestehe dann hauptsächlich aus Obst und Gemüse. „Das sind die Lebensmittel, die am häufigsten aussortiert werden“, erklärt Dobrindt. Im Schrank lägen aber auch viele Backwaren aus, die Luc Dobrindt ganz umweltbewusst mit dem Fahrrad abhole. „Es macht mir einfach Spaß, Lebensmittel zu retten und ich finde es wichtig, dass man die Lebensmittelverschwendung angeht“, so der 18-jährige Luc. Mutter Ruth Dobrindt freut sich über das Engagement ihrer Söhne. „Die Aktion unterstützen wir natürlich gerne, weil wir das sehr gut und sinnvoll finden“, sagt sie.

Gerettete Lebensmittel an Nachbarn und Freunde verteilen

Die geretteten Lebensmittel würden an Nachbarn und Freunde verteilt, sagen die Dobrindts. Ein Aushang am Schrank soll Interessierte darüber aufklären. „Die Idee ist, dass alle Menschen in der Nachbarschaft dazu eingeladen sind, ihre Lebensmittel, die sie übrighaben, hier in den Schrank zulegen, damit wir sie an andere weiterreichen können.“ Auch Bücher und Ähnliches seien willkommen. Zum Nachbarschaftsprojekt inspirieren lassen hat sich Fynn Dobrindt beim Verein Foodsharing, der sich für die Rettung von Lebensmittel einsetzt und in Deutschland ein großes Netzwerk aufgebaut hat. Der Student sei selbst Teil des Netzwerks und darf sich ein „Foodsaver“ nennen. „Ich darf Lebensmittel, die wir von Supermärkten oder Bäckereien bekommen, nur selbst weitereichen, damit die Lebensstandards eingehalten werden“, erklärt Dobrindt. Das geschehe natürlich unentgeltlich.

Seit einem Monat steht der Schrank, der mehrmals die Woche befüllt wird, schon in der Einfahrt. Bislang werde das Angebot sehr gut angenommen, berichten die Dobrindts. „Anfangs sind wir von Tür zu Tür gegangen und haben die Nachbarn darüber informiert, dass wir das hier machen wollen.“ Daraufhin hätten sich immer mehr Menschen an der Aktion beteiligt. Die Zielgruppe seien aber direkte Nachbarn, Freunde und Bekannte, betont Fynn Dobrindt. „Der Holzschrank ist eine private Abgabestelle und kein offizieller Lebensmittel-Verteiler.“

Austausch über Whatsapp-Gruppe

Daher laufe die Kommunikation über eine Whatsapp-Gruppe. „Wir teilen dort mit, wenn Lebensmittel im Schrank liegen“, sagt Ruth Dobrindt. Jeder Teilnehmer könne sich dann so viel mitnehmen, wie er möchte. „Uns geht es darum Lebensmittel zu retten und nicht gleichmäßig zu verteilen. Wenn die Lebensmittel vollständig verwertet wurden, ist das Ziel erreicht“, so die Beulerin, die auch den sozialen Aspekt schätzt. „Durch die Aktion kommt man mit vielen Nachbarn ins Gespräch. Ich finde es schön, dass das Projekt so akzeptiert und unterstützt wird. Alle finden das gut.“

Fynn Dobrindt kann sich gut vorstellen, dass es zukünftig auch in anderen Wohnbezirken Lebensmittel-Schränke geben könnte. „Das fände ich schön, wenn sich mehr Menschen bereit erklären würden, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun.“ Schließlich wolle man damit auf das Thema aufmerksam machen und direkt handeln. „Die Menschen sehen direkt vor der eigenen Haustür, dass jeder die Lebensmittelverschwendung reduzieren kann.“