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Vom Mitswingen im Gotteshaus: Das Gespräch am Wochenende mit Hubert Arnold

Vom Mitswingen im Gotteshaus : Das Gespräch am Wochenende mit Hubert Arnold

Hubert Arnold ist zwar studierter Kirchenmusiker, doch sagt von sich selbst, dass er eine „multiple, musikalisch gespaltene Persönlichkeit“ sei. Er begleitet nicht nur evangelische Gottesdienste in Beuel auf der Orgel, sondern er leitet auch zahlreiche Chöre.

Was ist ein typischer Kirchenmusiker?

Hubert Arnold: Der typische Kirchenmusiker leitet vielleicht eine Singschule, er macht alte oder ganz neue, schräge Musik und mutet dies seiner Gemeinde zu. Ganz straight, gediegen und high-sophisticated, aber rechts und links wenig. Eigentlich gibt es heutzutage kaum noch typische Kirchenmusiker. Doch was ist der Hintergrund Ihrer Frage?

Sie haben sich selber bei dem Projekt „reel-bach-consort“ mit den Worten vorgestellt, dass Sie kein „typischer Kirchenmusiker“ seien ...

Arnold (muss lachen): ... denn ich kann auch Tanzmusik machen. Ich bin in der Lage, Musik nicht nur als Kunst zu begreifen, sondern auch musikantisch damit umzugehen und manchmal Musik auch Dienstleistung sein zu lassen. Man muss als Musiker aushalten können, dass die Musik nicht immer im Mittelpunkt steht. Und genau das macht mich nicht zum „typischen Kirchenmusiker“.

Was für ein Musiker sind Sie denn?

Arnold: Ich bin ein Musikant. Ich spiele alle Tasteninstrumente, spiele Percussion und Harfe, habe Saxophon und Gitarre gespielt und ich singe. Außerdem spiele ich in einer Samba-Gruppe, den „Los Beulos“.

Wann haben Sie angefangen, Musik zu machen?

Arnold: Mit vier Jahren bekam ich von meinen Eltern eine Hohner Clarina, mit sieben eine Melodica.

Kommen Sie aus einer musikalischen Familie?

Arnold: Überhaupt nicht. Meine Eltern haben eine Menge Geld dafür bezahlt, dass ich Musikunterricht bekam.

Und wie kamen Sie dann dazu, Orgel zuspielen?

Arnold: Als meine Tante heiraten wollte, hat sie mich gefragt, ob ich bei der Trauung die Orgel spielen könnte. Da war ich 14. In einem halben Jahr habe ich gerade so viel gelernt, dass ich bei der Hochzeit spielen konnte. Das fand ich so geil, dass ich mir gesagt habe, das ist es. Die Orgel war das, was mich zur Kirchenmusik bewogen hat.

Wie kam es, dass Sie Tanzmusik gemacht haben?

Arnold: Ich war jung und brauchte als Student Geld, um von meinen Eltern unabhängig zu sein. Auf den Aushang „Top Gala-Band sucht Profi-Keyboarder“ habe ich mich beworben. Einzige Bedingung für mich, damit ich mitspielen durfte, war die Änderung meiner Frisur von Langhaar auf Lockenmatte. Wir haben auf dem Bundespresseball, dem Münchener Filmball oder dem Hamburger Tuntenball gespielt und wir begleiteten bekannte Musiker wie Al Martino, Howard Carpendale, Milva, Ireen Sheer oder Costa Cordalis auf ihren Konzerten. Doch mit dieser Tanz- bzw. Gala-Musik habe ich jetzt nichts mehr am Hut.

Was spielt der ‚nichttypische Kirchenmusiker‘ in der Kirche?

Arnold: Afrikanische Musik zum Beispiel oder Irish Folk. Die Grenzen zwischen Kirchenmusik und sonstiger Musik sind bei mir sehr verschwommen. Am Ende eines Gottesdienstes improvisiere ich schon mal gerne.

Zurück zu den heutigen Projekten.

Arnold: Mit „Reel Bach Consort“ kombinieren wir Bach mit irischen Instrumenten, das lebt nach wie vor. Bach wird dabei nicht so gespielt, wie man sich Bach vorstellt. Wobei wir wieder beim typischen Kirchenmusiker wären. Zur Weltklimakonferenz führen wir mit dem „Haste Töne Chor“ die „Missa Gaia“ von Paul Winter noch einmal auf, mit großer Band und Musik von Gregorianik bis Gospel. Da ist einfach Bewegung drin, das macht Spaß. Wir haben mit diesem Chor gerade eine „Kubanische Messe“ gemacht, deutsche Erstaufführung.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Arnold: Mein Kollege Markus Karas hat in den Bonner Musikerwald hineingerufen, dass es zum Beethovenjahr doch ein Beethoven-Musical geben müsste. Er hatte gedacht, dass als interdisziplinäres Projekt ein Deutsch- und ein Musiklehrer etwas auf die Beine stellen könnten. Doch es hat sich bisher noch niemand gemeldet. Deshalb habe ich meine Bereitschaft bekundet, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Was mir dazu noch fehlt, ist jemand, der in der Lage ist, den Text dazu zu schreiben.

Was unterscheidet Sie letztendlich von anderen Kirchenmusikern?

Arnold: Was mich von anderen Kirchenmusikern unterscheidet, ist, dass ich in der Lage bin, relativ authentisch neue oder alte Lieder in einem Populärmusikstil so zu spielen, dass man sich musikalisch zu Hause fühlt und gerne mitswingt. Dafür spielen die anderen einen besseren Bach als ich.