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Ehrenamt und Arbeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe: Das Team macht den Reiz aus

Ehrenamt und Arbeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe : Das Team macht den Reiz aus

Stefanie Krupke arbeitet haupt- und ehrenamtlich für die Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie erzählt von Einsatzmöglichkeiten, christlichen Werten und Herausforderungen in Zeiten der Pandemie.

Hybrid, die Bezeichnung findet Stefanie Krupke nicht schlecht. Der Vergleich mit dem Automotor, der zwischen zwei Antriebsarten wechselt, passt: Sie arbeitet nicht nur ehren-, sondern auch hauptamtlich für die Bonner Johanniter-Unfall-Hilfe. Ihr Geld verdient Krupke im Menüservice der Organisation, sie verwaltet den Bereich Essen auf Rädern und berät Senioren, fährt aushilfsweise auch mal selbst los. Weiterhin ist sie Sachbearbeiterin in Sachen Bevölkerungsschutz. Dazu kommt der ehrenamtliche Teil als stellvertretende Zugführerin der Einsatzeinheit. „Ich bin Johanniter durch und durch“, sagt sie.

Ehrenamt und Arbeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe: Das Team macht den Reiz aus
Foto: Stefan Knopp

Der ehrenamtliche Teil, erzählt sie in der Wagenhalle des Bonner Katastrophenschutzzentrums, nehme schon zehn bis 15 Stunden in der Woche ein. Vieles spielt sich dort in Pützchen ab, mittwochs die Zugabende, außerdem regelmäßig Weiterbildungen, Erste-Hilfe-Kurse und vieles mehr. Menschen kommen dorthin, um Material und Fahrzeuge zu warten. „Viele Leute sitzen tagsüber im Büro und haben abends Spaß daran, den Betreuungs-LKW des Landes NRW auseinanderzunehmen“, so Krupke.

Nach eigenen Wünschen entfalten

Ihr Herz schlägt für die Johanniter, sagt sie. Das Tolle daran: „Jeder einzelne kann sich individuell nach eignen Wünschen entfalten.“ Dafür gibt es vier Ehrenamtsbereiche: Die Rettungshundestaffel, den Bevölkerungsschutz, die aktiven Senioren und die starke Jugend. „Man kann von Klein auf heranwachsen.“ Die Jüngsten sind im Grundschulalter, machen zum Beispiel beim Schulsanitätsdienst mit. „Die Kinder legen den Papa in die stabile Seitenlage, darauf sind sie sehr stolz.“ Sie werden ausgebildet und betreut, gleichzeitig kann man ihnen Werte vermitteln, die die Johanniter heute ausmachen, Nächstenliebe, Toleranz, Miteinander. „Es ist das Team, das das Ganze ausmacht.“ 20 Kinder sind in der jüngeren Gruppe, etwa 30 bei den Jugendlichen.

Der älteste Ehrenamtler ist 80 plus, leitet noch Erste-Hilfe- und andere Kurse. Er ist einer der 15 Rentner, die mit anpacken. Zum Beispiel, indem sie Smartphone-Kurse für andere Senioren anbieten. Sie beraten bei Formalitäten wie dem Rentenantrag, sie übernehmen Einkäufe und mehr.

In Coronazeiten hatten beide Gruppen eine erzwungene Auszeit. Gerade bei den Senioren seien ein paar abgesprungen. Auch die Hundestaffel konnte nicht so zum Einsatz gebracht werden wie sonst, spürte aber in den Überschwemmungsgebieten einige Opfer auf. Zwölf geprüfte Teams haben die Johanniter in Bonn, immer Hundeführer und Begleitperson, beide müssen mindestens die Sanitätshelferausbildung haben.

Ausbildung zum Notfallsanitäter

Der Ausbildungsweg kann bei der Johanniter-Unfall-Hilfe bis zum Rettungssanitäter führen. Darüber kommt laut Krupke der Notfallsanitäter, für den eine dreijährige Ausbildung nötig ist. Das ist für den Sanitätsdienst wichtig, der unter den Bereich Bevölkerungsschutz fällt. Erst das Virus, dann die Flut: Zuletzt gab es für diese Ehrenamtlichen viel zu tun, denn sie hatten keine Auszeit. Was in Coronazeiten auch Herausforderungen mit sich brachte. „Einen Bombenfund unter diesen Bedingungen, wie organisiert man das?“ Was macht man mit den Kindern von evakuierten Familien, wie gibt man Essen aus, ohne dass es zu viel Gedränge gibt, und dergleichen mehr.

Und dann musste man in die Überschwemmungsgebiete ausrücken. Wie gut, dass man den Betreuungs-LKW vom Land hat, mit Verpflegungseinrichtung für 250 Essensportionen und Spülmaschine, davon gibt es in Bonn zwei. Glück gehabt: „Kurz vor der Hochwasserkatastrophe kam erst die Einweisung.“ Dort, wo die Menschen alles verloren haben, half den Johannitern der christliche Aspekt, erzählt Krupke: Das schuf Vertrauen, man wurde gut aufgenommen.

Hilfsorganisationen teilen sich Wagenhhalle

Die Fahrzeuge der Johanniter-Unfall-Hilfe teilen sich die große Wagenhalle auf dem städtischen Gelände mit denen der Malteser, des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Katastrophenschutzes NRW. Hinzu kommt das Materiallager, auch die Sandsackreserve des Landes NRW lagert dort. Und es gibt Schulungsräume und Büros. „Wir brauchen mehr Platz“, findet Krupke. Und endlich mal ein Hinweisschild an der Straße, das informiert, wie man zum Katastrophenschutzzentrum an der Pützchens Chaussee 184 kommt. Vor allem aber findet sie: „Hin und wieder fehlt ein Stück Wertschätzung.“ Die erhielten die Mitglieder von Menschen, denen sie geholfen haben, aber noch zu selten von höheren Instanzen.

Stefanie Krupke kann jedem nur empfehlen, sich im Ehrenamt zu engagieren, besonders bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Wir sind alle Teammitglieder.“ Jeder könne nach seinen Interessen und Fähigkeiten helfen.

Infos findet man auf www.johanniter.de/johanniter-unfall-hilfe/einrichtung/ortsverband-bonn-960, Krupke ist telefonisch unter 02241/2342334 erreichbar.