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Arbeiten am Finkenberg: Das Weinberg-Team ist wieder aktiv

Arbeiten am Finkenberg : Das Weinberg-Team ist wieder aktiv

Das Frühjahr hat auch im Weinberg am Finkenberg Einzug gehalten. Die Knospen an den Reben sind kurz vor dem Aufplatzen und sondern reichlich Saft ab. Für das Weinberg-Team, bestehend aus zwölf Männern und drei Frauen, beginnt jetzt wieder die Saison.

Klaus Döen, Richard Preuß und Karl Wengenroth binden Äste hoch, schneiden Vertrocknetes ab. "Eigentlich sind wir ganzjährig im Weinberg tätig. Egal, ob es regnet oder schneit, wir treffen uns jeden Donnerstag um 9.30 Uhr in der Weinberghütte", berichtet Richard Preuß. Der gelernte Zimmermann ist auch für die Holzarbeiten zuständig. Er hat sowohl die Pergola als auch die Hütte am Hang errichtet.

Seit 2004 beschäftigt sich das Weinberg-Team des Bürgervereins Limperich mit dem Projekt. "Viele haben uns damals nicht ernst genommen, auch die Stadt Bonn nicht. Aber als wir ernst gemacht haben, die Reben gepflanzt waren und die ersten Erfolge verbucht wurden, haben wir viel Unterstützung erhalten - auch von der Stadt Bonn", erinnerte sich Karl Wengenroth, geistiger Vater und Motor des Weinberg-Projekts.

Auch Teile der Nachbarschaft hätten das Vorhaben zu Beginn kritisiert, weil das Areal eigentlich mit Wohnhäusern bebaut werden sollte. Der Bürgerverein blieb aber hartnäckig und sorgte in Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung dafür, dass die völlig verwilderte Brache zu einem Weinberg umgestaltet werden konnte.

Das Weinberg-Team weiß zu berichten, dass es damals immer geheißen hätte: "Man könnte, man müsste, man sollte." "Wir haben gehandelt und haben es getan", so Wengenroth.

"In einer Urkunde aus dem Jahr 922 ist belegt, dass hier Wein angebaut wurde. Und diese Tradition hatte bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts Bestand", betonte Wengenroth.

Heute pflegt das Team eine 10.000 Quadratmeter große Grünfläche am Finkenberg. Auf dem Areal sind Streuobstwiesen, rekultivierte Weinbergmauern, Rebstöcke, Wildbienenhaus und Trockenrasenflächen untergebracht. Kurzum: Eine ökologisch besonders wertvolle Fläche, auf der wieder viele Reptilien, Vögel und Insekten ein Zuhause gefunden haben.

Angebaut wird die Rotweintraube Regent und im Außenbereich des Hangs stehen auch Tafeltrauben der Marke Phönix. "Die sind zum Naschen für die Besucher", erklärte Klaus Döen.

Den Finkenberg bezeichnet Wengenroth gerne als den kleinen Bruder des Siebengebirges: "Geologisch ist das auch begründet. Leider hatten wir keine Institution wie den Verschönerungsverein für das Siebengebirge, die damals den Finkenberg vor dem Basaltabbruch hätte retten können." Heute misst der Finkenberg nur noch 75 Meter. Vor dem Basaltabbau war er 105 Meter hoch. Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) ist kürzlich dem Bürgerverein Limperich beigetreten, um das Weinberg-Projekt zu unterstützen.

2011 war bislang das beste Erntejahr. Die Lese reichte für 1000 Flaschen Rotwein. "Wir verkaufen den Wein allerdings nicht, sondern bringen in bei unserem alljährlichen Weinfest zum Einsatz. Dort wird er getrunken oder gegen eine Spende verschenkt", sagte Wengenroth. Und wie heißt der Wein? Natürlich: "Finkenberger Roter".

Wer den Tropfen probieren will, kann das beim nächsten Weinfest am Samstag, 28. September, tun. Das Weinberg-Projekt passt übrigens laut Wengenroth gut zum Motto des Bürgervereins Limperich, das da lautet: "Ist die Natur intakt, fühlt sich der Mensch wohl."

Das Weinberg-Projekt:
2005 wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt. Heute stehen rund 500 Regent-Trauben am Finkenberghang. Das Weinberg-Projekt wurde 2006 mit dem Umweltpreis der Deutschen Post AG, 2009 mit dem Bürgerpreis der Stadt Bonn und 2013 mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Seitdem weht die Fahne der UN auf dem Finkenberg. Biologisch besonders wertvoll sind die vom Bürgerverein Limperich wieder aufgebauten Trockenmauern an den Weinbergterrassen. Mittlerweile sind es zusammen 500 laufende Meter. Dort leben zum Beispiel wieder wärmeliebende Eidechsen.