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Mahnen und Erinnern in Beuel: Demo und Kundgebung gegen Atomwaffen

Mahnen und Erinnern in Beuel : Demo und Kundgebung gegen Atomwaffen

Am 77. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf die jpanischen Stadt Hiroshima treffen sich in Beuel rund 50 Menschen am Mahnmal am Beueler Rheinufer. Sie gedenken der Opfer von damals und ziehen friedlich durch Beuel. Einige Teilnehmende üben Kritik an der Rolle Deutschlands im aktuellen Ukraine-Krieg.

An diesem Samstag jährte sich zum 77. Mal der Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroshima. Aus diesem Anlass lud die Friedensinitiative Beuel wie jedes Jahr zum Hiroshima-Mahnmal am Beueler Rheinufer ein, um gemeinsam der Opfer zu gedenken - ebenso derer des Abwurfs auf die Stadt Nagasaki am 9. August 1945 - und eine anschließende Anti-Atomwaffen-Demonstration durchzuführen.

Anders als in den Jahren zuvor, in denen die Aktion stets am frühen Abend stattfand, wurde dieses Mal als symbolische Mahnung die Uhrzeit 11.55 als Beginn der Veranstaltung ausgerufen. "Es ist nicht mehr 5 vor 12, es sind nur noch Sekunden. Der Doomsday steht uns vielleicht schon direkt bevor", lautete Robert Nicolls trübe Prognose bei dessen Begrüßungsansprache.

Erinnerung an Zeiten des Kalten Krieges

In den Empfindungen der etwa 50 Teilnehmer fand das langjährige Mitglied der Friedensinitiative damit trotz der aufwühlenden Dramatik die richtigen Worte. Denn seit der letzten Veranstaltung hat sich die globale Sicherheitslage deutlich angespannt. Manch älterer Teilnehmer sah sich aufgrund des Krieges in der Ukraine an gefährlichste Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Viele der Anwesenden machten sich spürbar Sorgen über eine aktuelle mögliche Eskalationsspirale, die im Einsatz von Atomwaffen enden könne.

„Jede Sorge über einen nuklearen Krieg ist angebracht", meinte Monika Heynen. "Seit dem brutalen russischen Überfall auf die Ukraine stehen wir so kurz davor, wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Die Tatsache, dass von russischer Seite unverhohlen mit Atomwaffen gedroht wird, ist unglaublich. Aber auch andere Akteure gehen zu leichtfertig mit der Thematik um, wie die USA oder China."

Kritik an der Rolle Deutschlands

Andere Teilnehmende sahen darüber hinaus die Rolle Deutschlands im Rahmen der nuklearen Teilhabe kritisch. "Es kann nicht sein, dass hier in der Nähe in der Eifel Atombomben stationiert sind. Sodass sie von deutschem Boden aus eingesetzt werden können", bemerkte etwa Irmgard Cipa. "Seit meiner Kindheit beschäftige ich mich damit. Es sollte ein weltweites generelles Atomwaffenverbot gelten. Nicht nur eines, dass die weitere Verbreitung oder Neuanschaffung umfasst", so die Bonnerin.

Lothar Eke sah in der Stationierung eine Verletzung des von Deutschland ratifizierten Atomwaffensperrvertrages. "Deutschland will neben den USA eine Führungsrolle innerhalb der Nato beanspruchen. Daher auch die Anschaffung von amerikanischen F-35 Jets, die Atomwaffen tragen können", so Eke. Der Bonner kritisiert, dass die bereits getätigten Investments aus dem 100 Milliarden-Euro-Budget gezielt für Offensivwaffen eingesetzt würden. "Bis vor kurzem waren Leopard-Panzer grenznah stationiert. Nun sollen es neue Puma-Panzer sein, die sind leichter und einfacher zu versetzen. Das interpretiere ich als eine Vorbereitung zum Krieg. Leider geht das in der Öffentlichkeit unter."

Kurzer Demonstrationszug durch Beuel

Der Aktivist setzt sich für eine umfassendere Bewegung in Bonn ein. "Gemeinsam mit der Friedensinitiative Beuel und der Friedensgruppe Beuel sind wir dabei, ein Friedenforum zu gründen, um gezielt auch jüngere Menschen anzusprechen. Was wir brauchen, ist Jugend", so der Bonner. "Es gibt viele Argumente, weshalb die Friedensbewegung in Deutschland wieder zu einer politischen Macht werden sollte".

"Ich bin dankbar, dass in Bonn Menschen sind, die sich für den Frieden einsetzten", meinte Bürgermeisterin Gaby Maier. "Eine Welt mit Atomwaffen wird niemals eine friedliche Welt sein", so die SPD-Politikerin. Nach einer gemeinsamen Schweigeminute und Blumenniederlegung am Mahnmal begab man sich auf einen kurzen Demonstrationszug durch Beuel. Die Auflage der Polizei, sich dabei nur auf den engen Bürgersteigen aufzuhalten, wurde sowohl von Organisatoren als auch den Teilnehmern sehr kritisch aufgenommen.