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Bonner Ausstellung zur seelischen Gesundheit: Depression kann jeden treffen

Bonner Ausstellung zur seelischen Gesundheit : Depression kann jeden treffen

Eine Ausstellung zur seelischen Gesundheit ist im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium zu sehen. Die Schüler sind beeindruckt.

20 Minuten Zeit bekamen die zehn Schüler aus der zehnten Jahrgangsstufe des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums von Lehrerin Monika Willcke, sich mit den zehn Bannern der Wanderausstellung „Wie geht’s?“ im Forum der Schule auseinanderzusetzen. Konzentriert und in scheinbar betroffener Stille studierten sie grafisch attraktiv gestaltete Rollups mit Überschriften wie, „Es ist niemals Schuld der Kinder!“, „Mobbing in der Schule“, „Gefangen von meiner Angst“ oder auch „Wenn der Körper nervt“.

Ein neben Willcke aus weiteren drei Lehrerinnen von Schule und Internat bestehendes Beratungsteam (Susanne Gesenzer, Annabel Klöckner, Ruth Olligschläger) wurde durch einen WDR-Beitrag über die seelische Gesundheit von Schülern auf die Ausstellung aufmerksam, die vom Verein Irrsinnig Menschlich aus Leipzig Schulen zur Ausleihe angeboten wird. Die Ausstellung zeigt Zitate von Schülerinnen und Schülern, die sich über ihre psychischen Gesundheitsprobleme äußern und darüber, was ihnen geholfen hat, sich heute wieder besser zu fühlen.

„Innerlich habe ich geschrien, nach außen habe ich getreten, bis ich mich zu nichts mehr aufraffen konnte und nur noch zu Hause geblieben bin. Keiner meiner Freunde sollte merken, wie schlecht es mir ging“, ist von einem 15-jährigen Johnny auf dem bunt poppigen Banner „Depression hat viele Gesichter“ zu lesen. Man erfährt darauf beispielsweise in Sachtexten, dass etwa 14 Prozent aller Jugendlichen von Depressionen betroffen sind, die im Jugendalter oft mit Angst- und Essstörungen, Suchterkrankungen oder sozialen Verhaltensstörungen einhergehen.

Sätze wie, „Reiß dich zusammen, jeder hat mal einen schlechten Tag“ bilden auf den Tafeln eine Brücke zu möglicherweise betroffenen Lesern. „Das Plakat über Selbstmord und über Depressionen fand ich sehr interessant, da man jetzt in seinem Freundeskreis ein bisschen besser erkennen kann, ob es jemandem schlecht geht“, ist einer der in der Feedback-Runde zur Ausstellung schriftlich und anonym abgegebenen Eindrücke, zu denen Willcke die Jugendlichen aufgefordert hatte.

Dem GA gegenüber sagt Felix (16), dass ihm bei der Ausstellung besonders gut gefalle, dass die Schüler damit direkt angesprochen werden. „Ich finde es einen guten Ansatz, dass nicht nur die Lehrer auf seelische Probleme der Schüler gucken, sondern auch Schüler darauf aufmerksam gemacht werden.“ Lena (15) zeigt sich nach dem Lesen der Banner davon beeindruckt, welche Auswirkungen psychische Probleme haben können und findet es „krass“, dass es jeden betreffen kann. Die Ausstellung habe ihr Wege aufgezeigt, wie man Menschen helfen könne. Auch Willcke konnte bereits von „einigen Schülerinnen“ berichten, die sich aufgrund der einwöchigen Ausstellung an Lehrerinnen aus dem Beratungsteam gewandt haben.

Arianna (15) erinnert sich daran, in der Grundschule einmal die „Nummer gegen Kummer“ genannt bekommen zu haben. „Aber das hier führt doch viel weiter“, sagt sie und findet es gut, nun erfahren zu haben, warum sich junge Menschen mit Ritzen selbst verletzen. Sollte sie einmal seelische Problem haben, würde sie das Angebot der Schule wahrnehmen und sich an die Psychologin Andrea Lampe wenden. „Es ist wichtig“, ergänzt Religionslehrer Kai Tenge, „dass auch Lehrer durch diese Ausstellung für die Probleme der Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden.“