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Aktiv in Geislar: Der Mann, der nicht Nein sagen kann

Aktiv in Geislar : Der Mann, der nicht Nein sagen kann

Der ehemalige Straßenbahnfahrer Hans-Josef Müller aus Geislar hat für sein Engagement den kirchlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifices“ erhalten. Der Denkmal- und Geschichtsverein hat ihn zum Ehrenmitglied ernannt.

Der Jahrgang 1935 muss ein guter Jahrgang gewesen sein, denn 2020 sind Geislarer 85 Jahre geworden. Da ist zum einen Hans Lennarz, der ehemalige Bezirksbürgermeister von Beuel, der in Geislar geboren ist und der heute in Schwarzrheindorf lebt. Und da ist Hans-Josef Müller, der in Vilich-Müldorf geboren wurde, der heute in Geislar wohnt, und der, im Vergleich zu Lennarz, nur wenigen bekannt sein dürfte. Dennoch ist sein Leben und sein Wirken so interessant, dass wir ihn vorstellen wollen.

Müller ist als gelernter Elektroinstallateur Handwerker durch und durch. Er hat in Vilich-Müldorf mit seinem Vater ein Haus gebaut, „Stein auf Stein mit allem, was dazu gehört“; er hat auch sein Haus in Geislar zusammen mit befreundeten Handwerkern gebaut, so weit es seine Zeit neben Beruf und Familie erlaubte. „Nur gemauert habe ich in Geislar nicht mehr.“ Nicht nur am eigenen Haus, auch in der sogenannten Nachbarschaftshilfe engagierte er sich. Schnell eilte ihn der Ruf des „elektrischen Doktors von Geislar“ voraus. Hans-Josef Müller ist ein Mensch, der nicht Nein sagen kann, wenn andere ihn um Hilfe und Unterstützung bitten.

Müller ist eng verbunden mit seiner katholischen Gemeinde St. Joseph. So konnte er 1989 nicht Nein sagen - nach langem Widerstand, wie er betont - als man Verstärkung im Kirchenvorstand suchte. Müller wurde gleich zum Vorsitzenden gewählt. Gut, man kannte ihn, denn keine Stromleitung, keine Steckdose in der Kirche, mit der er nicht persönlich zu tun hatte und, wohlgemerkt, auch heute immer noch hat. „In der Kirche habe ich dem Gott zuliebe gearbeitet“, sagt Müller. Er hat sich auch dafür eingesetzt, dass die Kirche als Denkmal anerkannt wurde, und er war nicht unbeteiligt daran, dass der Kirchturm an eine Mobilfunkgesellschaft vermietet wurde und somit Einnahmen für die Gemeinde hereinkamen. Außerdem ist ihm zu verdanken, dass mit den Kirchenglocken „gebeiert“ werden konnte (der GA berichtet davon 2010).

Als die Frage diskutiert wurde, was man zu 100-jährigen Bestehen der Kirche im Jahr 2001 machen solle, kam Carl J. Bachem ins Spiel. Er war mit Feuereifer dabei, zusammen mit Hans-Josef Müller und Willi Schulten eine Festschrift herauszugeben: „100 Jahre St. Joseph Geislar. Ein Kapitel aus der Ortsgeschichte Geislars.“

Man schrieb das Jahr 2011, als Müller eine große Überraschung in seiner Kirche erlebte. Zur Sonntagsmesse kam seine Tochter Monika, die zu dieser Zeit in Brüssel wohnte und deren Besuch nicht angekündigt war. Der Grund: Hans-Josef Müller bekam von Pfarrer Michael Dörr den päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ (für Kirche und Papst) überreicht. Heute ziert diese Urkunde sein Wohnzimmer. „Wenn es einer verdient hat, dann er“, so Petra Gläser, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates „An Rhein und Sieg“, „denn Hans-Josef Müller war 24 Jahre Kirchenvorstand und hat viel bewirkt.“ Auch heute noch ist er bei den Sitzungen des Vorstandes als „Berufener“, wie er dies nennt, dabei.

Papst-Medaille als Auszeichnung für besondere Verdienste Foto: Rainer Schmidt

Die Zusammenarbeit mit Carl Bachem fand beim Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch im Bürgermeister-Stroof-Haus in Vilich eine Fortsetzung. „Der Bachem kann Leute bekehren, mich damals auch.“ Müller konnte nicht Nein sagen und wurde Mitglied im Verein. Mit den Worten: „Er ist der technisch-organisatorische Leiter der musealen Erinnerungsstätte Bürgermeister-Stroof-Haus“, definiert Bachem Müllers Einsatzgebiet und ergänzt: „Er gilt als das sprichwörtliche Mädchen für alles.“ Mit der Übernahme des Bürgermeister-Stroof-Hauses in die Regie des Vereins 2009 hat Müller diese wichtige Aufgabe übernommen. „Seine vielfältigen Fähigkeiten und handwerklichen Fertigkeiten waren und sind bis heute für das Haus ein Segen. Nichts Bauliches, nichts Gestalterisches in und an dem Hause ist ohne sein engagiertes Mitdenken und sein aktives Mitwirken zustande gekommen“, schreibt Bachem über ihn und schließt mit den Worten: „Das Wohl und Wehe des Bürgermeister-Stroof-Hauses war und ist Herrn Müller Herzensangelegenheit.“ So kam es, dass Hans-Josef Müller im Jahr 2019 die Ehrenmitgliedschaft des Vereins erhielt.

Doch unvergesslich bleibt ihm, als der gesamte Verein im Hof des Stroof-Hauses eine Überraschungsparty zu seinem 80. Geburtstag veranstaltete. „Mit Musik, mit Fähnchen, mit Schärpe – vom Feinsten“, erinnert sich Hans-Josef Müller.