Vereinsgründung in Beuel Die Brotfabrik hat jetzt einen Förderverein

Ein Krisentreffen gibt die Initialzündung für die Gründung eines Fördervereins in der Brotfabrik. In den setzen die Vereinsmitglieder jetzt große Hoffnung, denn die Herausforderungen für das soziokulturelle Zentrum sind massiv, sogar bedrohlich.

 Der Förderverein und das Brotfabrik-Team (von links): Mario Arndt (Schatzmeister), Ulrike Dümpelmann (Pressesprecherin Brotfabrik), Achim Haag (Beisitzer), Barbare Wegener (Vorsitzende), Jürgen Becker (Geschäftsführer Brotfabrik Bühne), Beate Linnenkamp (stellvertretende Vorsitzende).

Der Förderverein und das Brotfabrik-Team (von links): Mario Arndt (Schatzmeister), Ulrike Dümpelmann (Pressesprecherin Brotfabrik), Achim Haag (Beisitzer), Barbare Wegener (Vorsitzende), Jürgen Becker (Geschäftsführer Brotfabrik Bühne), Beate Linnenkamp (stellvertretende Vorsitzende).

Foto: Thomas Kölsch

224 Vorstellungen, 22 Premieren und rund 15.500 Besucherinnen und Besucher: Der Theaterbereich der Brotfabrik ist der sichtbarste und für viele Bonner wohl wichtigste Teil des gleichnamigen soziokulturellen Zentrums, das seit den 1980er Jahren die Heimat zahlreicher freier Gruppen darstellt. Gestiegene Betriebskosten und gesunkene Zuwendungen seitens der öffentlichen Hand machen der Bühne allerdings zu schaffen. Nun haben die freien Gruppen sich zusammengeschlossen und den Förderverein Brotfabrik Bühne gegründet, der das ebenso bunte wie niederschwellige Angebot bewahren und nach Möglichkeit sogar ausbauen möchte. Der Vorstand hat sich nun vorgestellt und die nächsten Schritte des Vereins skizziert.

Krisentreffen als Initialzündung

Die Initialzündung für die Gründung war ein Krisentreffen Anfang des Jahres, bei dem alle freien Theatergruppen zusammenkamen, um über die schwierige Situation des Hauses zu sprechen. „Wir haben damals überlegt, wie wir am besten helfen können“, erklärt Mario Arndt, Schatzmeister des neuen Vereins. „Eine große Baustelle war die Sanierung des Theatersaals. Also haben kurzerhand Mitglieder aus allen Ensembles angepackt und den Innenraum auf Vordermann gebracht. Diese Energie wollten wir erhalten und haben daher den Verein ins Leben gerufen.“ Der soll nun durch Mitgliederbeiträge, Spenden- und Sponsoring-Akquise der Theatersparte unter die Arme greifen und durch die Organisation von Veranstaltungen wie einem Tag der offenen Bühne (18. Februar 2024) für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen. „Alleine in den rund 20 Gruppen haben wir etwa 300 potenzielle Mitglieder“, erklärt Beisitzer Achim Haag vom „ensemble deja-vu“. „Selbst wenn jeder nur drei Euro im Monat zahlen würde, hätten wir schon einen stattlichen Betrag zusammen.“

Das Geld kann die Brotfabrik-Bühne gut gebrauchen. „Bei uns gibt es mehrere Faktoren, die uns derzeit zu schaffen machen“, erklärt deren Geschäftsführer Jürgen Becker. „Wir haben eine 35 Jahre alte Heizung und ein schlecht isoliertes Gebäude, sodass die Heiz- und Energiekosten derzeit echt problematisch sind. Dazu kommt ein Fachkräftemangel, der noch dadurch verstärkt wird, dass wir leider nicht nach Tarif zahlen können. Das hat schon dazu geführt, dass sich einer unserer beiden Haustechniker einen Job mit mehr Stabilität und einem höheren Einkommen gesucht hat und wir bislang keinen Ersatz haben finden können.“ Gleichzeitig, so sagt er, bereite Nordrhein-Westfalen derzeit eine Honorarverordnung mit Mindestsätzen vor, die die Brotfabrik schlichtweg nicht zu stemmen vermag. Das würde die Situation noch zusätzlich verschärfen. Einen konkreten Fehlbetrag kann und will Becker allerdings nicht nennen. „Manchmal möchte ich das Loch gar nicht ermessen“, sagt er und ergänzt: „Es gibt einfach zu viele Unsicherheiten, um die Lücke zu beziffern. Wir versuchen ja schon, an verschiedenen Stellen zu sparen, und zudem sind wir in der glücklichen Situation, dass die Nachfrage nach dem, was wir tun, extrem groß ist. Außerdem ist die Solidarität, die uns von den freien Ensembles sowie vielen Kooperationspartnern entgegengebracht wird, gerade im Moment unglaublich wertvoll.“

(De)Zentrales Angebot

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Arbeit der Brotfabrik-Bühne ist das dezentrale Angebot. Neben dem zentralen Haus bespielt es das LVR-Landesmuseum, die Grüne Spielstadt Dransdorf, den Drachensteinpark in Mehlem und das Heimatmuseum Beuel. „Diese Vielfalt wollen wir unbedingt erhalten“, betont Barbara Wegener, die Vorstandsvorsitzende des neuen Vereins. „Wir werden auch versuchen, weitere Kooperationspartner zu finden.“ – Eine Aussage, die Jürgen Becker begrüßt. „Ideen gibt es genug, aber vor allem im Moment sind derartige Gespräche mit dem festen Personal schlichtweg nicht zu stemmen. Wenn der Förderverein da einspringt, würde uns das schon helfen.“

Immerhin gibt es einen Lichtblick hinsichtlich der Sanierung des Kulturzentrums und insbesondere des Theatersaals: Der Bonner Stadtrat bemüht sich derzeit um einen Bundeszuschuss, um die ehemalige Germania Brotfabrik unter anderem mit einer neuen Dämmung sowie neuen Türen und Fenstern zu versehen (der GA berichtete). Auch die Installation von Photovoltaikanlagen und einer modernen Wärmepumpe ist demnach vorgesehen. „Wir stehen mit der Politik schon länger deswegen in Kontakt“, erklärt Becker. „Inzwischen liegt ein sehr ausgefeiltes Konzept vor – doch da die Stadt einen vergleichsweise hohen Eigenanteil erbringen müsste, gibt es noch ein großes Fragezeichen. Umso mehr begrüße ich, dass der Rat mit großer Mehrheit und unter anderem auch mit Stimmen der CDU diesem Vorschlag erst einmal zugestimmt hat. Jetzt müssen wir abwarten, ob der Bund unser Projekt bewilligt.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort
Die Moras lieben Kuba und Bonn
Die „guten Geister“ der Kommende Ramersdorf Die Moras lieben Kuba und Bonn