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Rechte von Menschen mit Behinderung in Bonn: „Die Bundesregierung stellt uns infrage“

Rechte von Menschen mit Behinderung in Bonn : „Die Bundesregierung stellt uns infrage“

CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel hat die Bonner Werkstätten besucht und sich vor Ort ein Bild gemacht. Den Besuch nutze Werksleiter Klaus Dünkelmann auch für einen konstruktiven Austausch mit der Bonner Politikerin.

„Toll, wie glücklich und freundlich hier alle sind“, sagte Claudia Lücking-Michel, als einige Mitarbeiter extra ihren Arbeitsplatz verließen, um sie zu begrüßen. „Es gelingt hier wohl sehr gut, die Menschen nach ihrem Können einzusetzen und sie zu fordern, aber nicht zu überfordern“, fügte sie hinzu und schaute mehreren Arbeitern bei der Herstellung eines bekannten Hochtemperatur-Grills über die Schulter.

Bei einem Besuch der Bonner Werkstätten informierte sich die Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete am Freitagmorgen über die Einrichtung und besichtigte die verschiedenen Arbeitsbereiche am Beueler Standort. Andreas Heß, Geschäftsführer der Bonner Werkstätten, und Klaus Dünkelmann, Werksleiter in Beuel, hatten die Politikerin auch eingeladen, um „konstruktive Kritik“ am neuen Bundesteilhabegesetz zu üben. Die Bonner Werkstätten seien eine der größten Arbeitgeber für Menschen mit Behinderungen in der Region Bonn/Rhein-Sieg und bieten darüber hinaus auch berufliche Aus- und Weiterbildungen an, erklärten sie. Es handele sich um eine Einrichtung des Vereins Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bonn.

„Die Leute freuen sich sehr, dass sie hier arbeiten dürfen und nicht nur den ganzen Tag in einem Heim herumsitzen müssen. Das bringt Ablenkung und tut vielen auch gesundheitlich gut“, sagte Helmut Achtruth, Aufsichtsratsvorsitzender der Bonner Werkstätten. Vier Standorte gebe es. In Beuel seien rund 530 Mitarbeiter in den verschiedensten Arbeitsbereichen beschäftigt, wie der Schlosserei, der Großküche mit Cateringservice oder der Näherei. Auch 90 Menschen mit schwersten Behinderungen können sich dank zusätzlicher Betreuung nach ihren Möglichkeiten einbringen.

„Jeder hier bringt ein Mindestmaß an wirtschaftlicher Arbeit mit, aber das neue Bundesteilhabegesetz der Bundesregierung stellt das nun infrage“, so Heß. Nach dem Gesetzesentwurf sollen Menschen mit Behinderung nur noch direkt an private Firmen vermittelt werden, bei vielen sei dies aber gar nicht möglich, erklärte er. „Es stimmt uns schon befremdlich, dass die Politik glaubt, solche Werkstätten seien nicht mehr nötig“, fügte er hinzu. Lücking-Michel konnte die Kritik gut nachvollziehen und war von den Werkstätten sichtlich beeindruckt: „Den besonderen Bedürfnissen kann man nur so gerecht werden. Schön, dass es hier so vielfältige Aufgaben für die unterschiedlichsten Menschen gibt“, sagte sie.