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Die Herkunft des Duisdorfer Esels ist vielen unbekannt

Verstorbener Künstler Helmut Moos : Beschädigte Eselskulptur in Duisdorf stammt von bekanntem Bildhauer

Ein Autofahrer hatte in Duisdorf eine beliebte Eselskulptur beschädigt und war anschließend geflohen. Was vielen Anwohnern nicht klar sein dürfte: Der Bildhauer ist kein Unbekannter.

Eine kleine Nachricht des GA ließ mindestens eine Beuelerin aufmerken. Dorothee Haentjes-Holländer, auf der Schäl Sick wohnend, hatte gelesen, dass ein Autofahrer mit seinem Wagen die Statue des Duisdorfer Esels auf dem Schickshof gerammt und beschädigt hatte. Das Duisdorfer Wappentier wurde stark beschädigt, der Fahrer des Wagens war offensichtlich geflohen.

Schlimm genug, wenn so etwas passiert. Aber genauso schlimm fand Haentjes-Holländer, dass die Duisdorfer offenbar nicht wissen, wer der Künstler ist, der diese Statue einst fertigte. Es ist Helmut Moos, ein weit über Bonn und das Rheinland hinaus bekannter Bildhauer. „Neben Kleinplastiken von Menschen und Tieren und profanen Denkmälern schuf er vor allem Werke für sakrale Räume wie Altäre, Kruzifixe und Portale für die Herz-Jesu-Kirche in Euskirchen oder eine Kanzel für den Braunschweiger Dom“, heißt es in Wikipedia über ihn. Moos schuf Kirchenkunst, aber auch weltliche Werke. Zu diesen zählt unter anderem eine Büste des SPD-Politikers Georg Leber im Jahr 1970. Im Oktober 2017 starb Moos im Alter von 86 Jahren. Er wurde auf dem Pfarrfriedhof Beuel beigesetzt. Der Duisdorfer Esel hat also seine Wurzeln in Beuel.

 Ein Mini-Esel findet sich am Beueler Rheinufer.
Ein Mini-Esel findet sich am Beueler Rheinufer. Foto: Rainer Schmidt

Moos war mit Hildegard Heindrichs verheiratet, einer Lehrerin, die sich nach dem Schuldienst dem Schreiben von Lyrik, Gedichten und Geschichten über Alltagssituationen widmete. 1990 bezog das Ehepaar das Wohnhaus Friedrich-Breuer-Straße 32, in dem Hildegard aufgewachsen war. Das Haus war zuvor von ihrem Sohn Burkhard, einem Architekten, und dessen Ehefrau Ursula, ebenfalls Architektin von Beruf, renoviert worden. Von der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ wurde es als „Haus des Jahres 1989“ ausgezeichnet.

 Ein Steinrelief weist auch heute noch auf das „Haus der Beueler Maria“ hin.
Ein Steinrelief weist auch heute noch auf das „Haus der Beueler Maria“ hin. Foto: Rainer Schmidt

Während Hildegard Moos-Heindrichs besonders im Bonner Raum Lesungen aus ihren Büchern hielt, findet sich von ihrem Ehemann Helmut nur ein öffentlich zugängliches Kunstwerk im Bonner Umkreis, sieht man von dem Duisdorfer Esel ab – ein Steinrelief am Wohnhaus, auf dem noch der Hinweis steht: „Haus der Beueler Maria“. Es ist eine lange Geschichte, wieso dieses Haus so genannt wird. Überliefert ist jedoch, dass Maria die Besitzerin des Hauses Nr. 32 zwischen dem alten Beueler Platz, dem heutigen Konrad-Adenauer-Platz, und der Kirche St. Josef war, wie es in dem Buch „Geschichten vom Beueler Maria“ zu lesen ist, aufgeschrieben von Moos-Heindrichs.

Maria kam ursprünglich aus Kirchseiffen in der Eifel. Weil sie als bekennende Städterin „op d’r Schäl Sick“ ihre zweite Heimat gefunden hatte, wurde sie von den Eiflern Maria genannt. „Besonders deutlich werden Eigenheiten und Eigensinn eines Ortes an ihren Originalen“, schreibt die Autorin. Doch ob alles, was sie aufgeschrieben hat, wahr ist oder ob sie oder Maria geflunkert haben, das zu beurteilen überlässt sie ihren Lesern.

Der Duisdorfer Esel hat übrigens Familie: Ein Bruder gleicher Größe steht seit 1988 in Osterode am Harz und wird dort von einem Eseltreiber begleitet. Ein kleiner Bruder – ein Modell für den Duisdorfer und den Osteroder Esel – „lebt“ seit einigen Jahren in einem Beueler Privathaushalt.