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Serie "Kirche und ihre Schätze": Die historischen Glasmalereien in St. Cäcilia in Oberkassel

Serie "Kirche und ihre Schätze" : Die historischen Glasmalereien in St. Cäcilia in Oberkassel

Fünf Jahre ist es her, dass in der Kirche St. Cäcilia eingebrochen wurde. Erbeutet wurden mehrere Kirchengeräte, aber den wahren Schatz der Kirche konnten die Einbrecher zum Glück nicht einfach so mitnehmen.

"Bei dem Schatz der Kirche handelt es sich um die historisch sehr wertvollen und sehr schön anzusehenden Glasmalereien", erklärt Wilfried Hansmann, Kunstwissenschaftler und Denkmalpfleger aus Bonn.

Es handelt sich bei den Malereien um Werke aus zwei Zeitabschnitten. Die Fenster der Chor-apsis stammen aus dem 19. Jahrhundert, während die im Kirchenschiff aus dem frühen 20. Jahrhundert kommen. Nicht immer war ihre Existenz so bedeutsam wie heute, im Gegenteil. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galten Glasmalereien oft als nicht erhaltenswürdig und sofern sie nicht Opfer des Zweiten Weltkriegs geworden waren, wurden sie bedenkenlos vernichtet und durch modernere ersetzt. "Auch in der St. Cäcilia wäre es beinahe so gekommen", so der Kunstwissenschaftler.

"Es gab im 19. Jahrhundert einen Pfarrer, der die Fenster als kitschig bezeichnete und sich für eine Erneuerung einsetzte. Gott sei Dank ist das letztendlich nicht passiert."

Richtige Bedeutung erhielten die Fenster erst im Zusammenhang mit einer Bausanierung im Jahre 2000/2002, in der man die Malereien unter einer Dreckschicht wieder hervorgrub. Der Schmutz hatte sich auf Grund der Eisenbahn, die neben der Kirche noch bis heute entlangfährt, auf den Fenstern abgesetzt. Bei der Sanierung wurden die Fenster also gesäubert, und nicht nur der Kunstwissenschaftler war hellauf begeistert über das, was zum Vorschein kam. "Die Fenster haben so gestrahlt und ich war fasziniert von all den Farben und den Details.

[kein Linktext vorhanden] Zu dem Zeitpunkt wusste man aber praktisch nichts über die Malereien. Das konnte ich einfach nicht glauben und hab mich dann auf die Suche nach Informationen gemacht." Im Pfarrarchiv konnte er schließlich den Namen des Künstlers der älteren Fenster finden: Joseph Machhausen hatte sie 1884 bis 1886 in Koblenz angefertigt. Überraschend fand man dann im Jahr 2009 eine Rechnung für die bis dahin noch keinem Glasmaler zuzuweisenden jüngeren Fenster: Carl Hertel aus Düsseldorf hatte den Auftrag erteilt bekommen, die Kirche mit weiteren Malereien auszustatten.

Vor allem die älteren Fenster haben es dem Kunstwissenschaftler angetan. Sie zeigen den Werdegang Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt. "Diese Farbverläufe und die Details sind unglaublich. Das kann man gar nicht beschreiben. Wenn man sich einen Moment Zeit lässt und die Fenster betrachtet, dann sieht man, wie aufwendig und wunderschön sie gestaltet sind", schwärmt Hansmann. "Machhausen hat hauptsächlich mittelalterliche Motive und Farben verwendet. Er wollte den Zeitgeist des Mittelalters den Menschen seiner Zeit näherbringen."

"So und jetzt zeige ich Ihnen noch mein Lieblingsfenster", sagt Hansmann und geht zu einem Fenster, das den Aufgang zur Orgel erhellt. Zu sehen ist die heilige St. Cäcilia, die an einer Orgel sitzt, aber statt selbst zu spielen, wird sie von dem Gesang der Engel im Himmel abgelenkt und vernachlässigt ihr Spiel. "Neben den schönen und prachtvollen Farben und Figuren finde ich, ist die himmlische Musik so dargestellt, wie man sich das vorstellt", so Hansmann. "Ich bin Mitglied im Kirchenchor und jedes Mal, wenn ich an dem Fenster vorbeigehe, motiviert es mich. Es ist, als würde es einen mahnen, sich anzustrengen und ja genauso gut zu sein, wie die Engel im Himmel: Das finde ich ganz toll", fügt er lächelnd hinzu.

Besonders froh ist der Kunstwissenschaftler vor allem darüber, dass man den Wert der Fenster mit der Zeit zu schätzen gelernt hat: "Heute bezeichnet die Fenster niemand mehr als kitschig! Im Gegenteil, wir als Gemeinde sind unglaublich stolz auf die wunderschönen Glasmalereien."