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"Villa Emma eG" in Bonn: Die WG als Geschäftsmodell

"Villa Emma eG" in Bonn : Die WG als Geschäftsmodell

Im Neubaugebiet des Bonner Ortsteils Vilich steht zwischen Reihenhäusern und frisch gepflanzten Bäumen die Villa "Emma". Das Mehrparteienhaus ist alles andere als gewöhnlich. Seine Bewohner haben sich in einer speziellen Form der Wohngemeinschaft organisiert. Die frei stehende Villa ist Eigentum der gleichnamigen Genossenschaft Villa Emma eG.

"Die Bewohner der Villa unterstützen sich gegenseitig, wo es geht", erklärt Silke Gross. 2009 gründete sie mit Ehemann Gerd Hönscheid-Gross und drei Bekannten die Wohngenossenschaft. In der seit Anfang dieses Jahres bezugsfertigen Villa wohnen inzwischen 13 Menschen im Alter von 22 bis 90 Jahren. Einige von ihnen sind schwerstbehindert, wollen aber dennoch weitgehend unabhängig leben. Das Wohnprojekt "Villa Emma" macht dies möglich.

Die Idee, eine Wohngenossenschaft zu gründen, wuchs bei Gross über Jahre heran. Erlebnisse aus dem Berliner WG-Leben und ihrer Zeit als Aufbauhelferin in Afrika stießen Gross zum ersten Nachdenken an. Später sammelte sie Erfahrungen im ambulanten Hospizdienst, die sie weiter von dem Konzept überzeugten. Schließlich fasste Gross den Entschluss, ein Wohnprojekt zu organisieren, in dem Menschen aller Altersgruppen mit und ohne Behinderung aktiv zusammenleben können.

"Der genossenschaftliche Gedanke wird neu aufgegriffen. In Nordrhein-Westfalen haben wir in den letzten 14 Jahren etwa 30 solcher Projekte begleitet, und wir würden gerne noch weitere unterstützen", berichtet Petra Kühn vom Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Richtungsweisend sei dabei der Gemeinschaftsaspekt der Wohnprojekte. In der Rechtsform der Genossenschaft ließen sich solche Projekte am besten organisieren, erklärt Kühn.

Genau dieses Potenzial haben auch andere Branchen erkannt. Nach Angaben des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands nimmt die Zahl genossenschaftlicher Neugründungen deutschlandweit stetig zu. Waren es 2005 noch 48 Neugründungen, kamen 2011 bereits 272 Genossenschaften dazu. Noch vor dem Gesundheitswesen und der Dienstleistungswirtschaft stand 2011 die Branche Umwelt, Wasser und Energie mit 167 Neugründungen - hauptsächlich Energiegenossenschaften.

Auftrieb erhielten die Genossenschaften auch, weil Gesetzesänderungen es seit einigen Jahren möglich machen, Genossenschaften schon mit drei Leuten zu ganz speziellen Zwecken zu gründen, sagt Kühn.

So wohnen in der Villa "Emma Menschen, denen das Konzept vom gemeinsamen Wohnen gefällt, die aber noch ein bisschen "mehr" brauchen. erklärt Gross. Das "Mehr", von dem die Rede ist, beschreibt den Beistand, den einige Bewohner wegen ihrer Behinderung im Alltag benötigen. Wer in die Villa einziehen will, muss dazu Genosse werden - für 300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für die fünf staatlich bezuschussten Wohnungen beträgt der Satz 100 Euro. Die zusätzliche Miete ist für fünf Jahre festgeschrieben.

In Bonn und der Region ist die Villa "Emma" weder das erste noch das letzte solcher Projekte. Ihr Vorgänger "Amaryllis", ebenfalls in Vilich, feiert schon sein fünfjähriges Bestehen. Im Ortskern von Sankt Augustin Menden entsteht derzeit eine ähnliche Wohnanlage.