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Die Wohnungsbaugesellschaft Montana will im Combahnviertel in Beuel neu bauen

Pläne für Neubauten im Combahnviertel : Abrisspläne für alte Häuser in Beuel stoßen auf Widerstand

Die Häuser in der Rheindorfer Straße 15 und 17 sollen neuen Wohnhäusern weichen. Die Pläne stoßen in Beuel auf Widerstand, denn für die Anwohner prägen die historischen Bauten das Bild des Viertels.

Der Kampf gegen Windmühlenflügel lässt grüßen. Nicht nur im 17. Jahrhundert, sondern auch im 21. Jahrhundert, wie der Kampf von Wolfgang Linnemann gegen den geplanten Abriss zweier Häuser im Beueler Combahnviertel zeigt.

„Das Erscheinungsbild und der Charme des Combahnviertels werden durch die Gesamtheit aller historischen Häuser bestimmt und nicht nur durch wenige schon denkmalgeschützte Häuser. Die Attraktivität des Viertels und der Wert seiner Häuser beruht gerade auf diesem Bestand der nicht zerbombten, historischen Häuser“, sagt Linnemann, der Anwohner der Rheindorfer Straße ist, dem GA.

Diese beiden Häuser mit den Hausnummern 15 und 17 in der Rheindorfer Straße sind fester Bestandteil des historischen Combahnviertels, das noch ein Quartier mit einer hohen Dichte an ursprünglicher Bausubstanz ist. Doch diese beiden Immobilien stehen nicht unter Denkmalschutz. Zuletzt wurden sie 2007 auf einen möglichen Denkmalwert hin überprüft. Das Ergebnis: „Sie wiesen schon damals zu starke Überformungen im Inneren auf, das heißt sie erfüllen nicht die Kriterien eines Einzeldenkmals nach Paragraph 2 des Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein-Westfalen“, schreibt Stadtkonservatorin Katrin Bisping an Linnemann.

Der Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch sucht nach Kompromissen

Als erste Abrisspläne bekannt wurden, hat sich der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch um diese Häuser gekümmert. Der Vorsitzende des Vereines, Carl J. Bachem, schlug die Festlegung des gesamten Combahnviertels als geschützter „Denkmalbereich“ gemäß Denkmalschutzgesetz vor. Wenn schon nicht die Bausubstanz im Inneren erhaltenswert sei, dann sollte man doch wenigstens für den Erhalt der Fassaden sorgen, lautete sein Kompromissvorschlag. „Gemäß der vorgesehenen ‚Denkmalbereichssatzung‘ sind das im Wesentlichen die Fassadengestaltung und die Farbgebung, die sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild an den Gesamteindruck des gesamten Combahn-Ensembles anpassen“, schreibt er. Doch die Politik stimmte dem nicht zu.

„Der Abbruch der beiden Häuser Rheindorfer Straße 15 und 17 wurde der Stadtverwaltung im Sommer angezeigt“, schreibt das Presseamt der Stadt Bonn auf Anfrage des GA. „Die beiden Häuser sind nach Auskunft der Unteren Denkmalbehörde zuletzt in Vorbereitung eines Denkmalbereichs Combahnviertel im Jahr 2007 überprüft worden - mit dem Ergebnis, dass sie die Kriterien eines Einzeldenkmals nicht erfüllen. Daher wurde die im Juli 2019 eingegangene Abbruchanzeige lediglich zur Kenntnis genommen“, heißt es aus dem Presseamt. Für die beiden Häuser hätte es eine ältere Bauvoranfrage gegeben, die seitens des Bauordnungsamtes positiv beschieden worden sei. Zwischenzeitlich würde auch ein Bauantrag für die Rheindorfer Straße 15, 17 und 19 vorliegen. Laut des Presseamtes sollen dort Wohnhäuser mit insgesamt 13 Wohnungen errichtet werden. Der Bauantrag werde derzeit geprüft.

Anwohner organisiert eine Unterschriftenaktion

In einem vorerst letzten Appell schrieb Wolfgang Linnemann an die Montana Wohnungsbaugesellschaft, die die Neubauten errichten möchte: „Wir möchten Sie dringend bitten, diese attraktiven Häuser zu erhalten und in die geplante Bausubstanz Ihres Vorhabens zu integrieren!“ Die Fassade soll also stehen gelassen werden und hinter dieser neu gebaut werden.

Inzwischen hat Wolfgang Linnemann jemanden gefunden, der bei Rücktritt des Bauunternehmers die Häuser kaufen und auch renovieren würde. „Das wäre doch vielleicht ein Modell für die Zukunft, wenn es die Pflicht gäbe, solche Häuser öffentlich anzubieten und immer demjenigen, der das Haus renovieren möchte, den Vortritt vor demjenigen zugeben, der das Haus abreißen möchte“, hofft er. Mit einer Unterschriftenaktion versucht er noch, den Abbruch der Häuser zu verhindern.