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Online-Abstimmung zum Bürgeretat: Diese Ideen haben die Beueler für ihren Stadtbezirk

Online-Abstimmung zum Bürgeretat : Diese Ideen haben die Beueler für ihren Stadtbezirk

Eine Garage für ein E-Lastenrad, ein Fitnesspark am Beueler Rheinufer, eine Tanzplattform auf dem Rhein – derzeit stimmen die Bürger über die Projekte ab, die mit dem Bürgeretat finanziert werden sollen.

Umweltfreundlich und klimaneutral unterwegs in Vilich-Müldorf: Für rund 6.000 Euro hat der örtliche Bürgerverein gerade ein E-Lastenfahrrad gekauft. Nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern alle Anwohner sollen das Gefährt in Zukunft unkompliziert nutzen können. Und wenn es nicht gebraucht wird, soll das Rad diebstahlsicher und geschützt in einer Minigarage nahe der Mühlenbachhalle stehen. „Der Unterstand sollte zudem mit einer Ladestation für weitere E-Bikes ausgestattet sein“, sagt Joachim Clemens vom Bürgerverein. Einen geeigneten Platz gibt es gleich neben der Halle, eine Stromversorgung ist ebenfalls vorhanden. Allerdings fehlt dem Verein das Geld dafür. Daher soll der Bau über den Beueler Bürgeretat finanziert werden, so der Wunsch des Vereins. Einen entsprechenden Vorschlag hat er bereits eingereicht. Insgesamt kann der Stadtbezirk im Rahmen des Bürgeretats über 44.660 Euro verfügen.

Die Chancen für die Minigarage stehen derzeit sehr gut. Nicht nur die Kommentare und Bewertungen der derzeit laufenden Online-Abstimmung sprechen dafür. Auch die Stadt bewertet das Vorhaben positiv. „Die Förderung von Elektromobilität, insbesondere für den Radverkehr sowie der dazugehörigen Infrastruktur, wird grundsätzlich begrüßt“, erklärt die Verwaltung. Die Kosten schätzt die Stadt auf etwa 5.000 Euro, zuzüglich Aufbau und Installation. Ob das Projekt tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, das entscheidet sich nach der Online-Abstimmung.

Insgesamt reichten die Beueler 52 Ideen für ihren Stadtbezirk ein

Insgesamt gingen in den vergangenen Wochen 52 ganz unterschiedliche Vorschläge dazu ein, wie das Geld des Beueler Bürgerhaushalts für 2021/2022 verwendet werden soll. Sie reichen von der Umgestaltung eines Abschnitts der Friedrich-Breuer-Straße in eine Fußgängerzone, über die Fassadenbegrünung des Beueler Rathauses, dem Aufstellen von Relaxliegen am Oberkasseler Rheinufer, der Ausweisung einer Mountainbikestrecke für Jugendliche bis hin zur insektenfreundlichen Bepflanzung des Dorfplatzes in Niederholtorf.

Diesmal beteiligten sich mehr Bürger an dem Verfahren als noch in den Vorjahren. In der ersten Phase wurden insgesamt 558 Vorschläge eingereicht, davon 130 für den Stadtbezirk Beuel. Bei der letzten Durchführung im Jahr 2018 waren es insgesamt 233 Vorschläge, davon bezogen sich nur 45 auf Beuel. Auch in der finalen Abstimmung zeichnet sich ein Trend für eine wesentlich höhere Beteiligung ab.

In den vergangenen Wochen hat die Verwaltung die jeweils 20 beliebtesten Vorschläge pro Stadtbezirk im Hinblick auf Zuständigkeit, Umsetzbarkeit sowie die anfallenden Kosten überprüft sowie bewertet, ob realistische Chancen bestehen, die Maßnahme auch umzusetzen. Denn längst nicht alle Ideen lassen sich adaptieren. In einigen Fällen sprengen die Kosten das Budget. Die nächste Runde verpasst haben außerdem solche Wünsche, die nicht in die Zuständigkeit der Stadt gehören oder die bereits geplant wurden.

Ein Vorschlag sieht den Bau eines Tanzbodens auf dem Rhein vor

So hat der Wunsch, eine Tanzplattform auf dem Rhein in Oberkassel zu schaffen, kaum Chancen. „Die Beueler Seite profitiert von der Abendsonne. Das Rheinufer bietet bisher einiges an Gastronomie, aber keine Freizeit- oder Sportangebote. Ein Tanzboden auf dem Rhein wäre eine Attraktion, etwas Besonderes“, so das Argument des Antragstellers. Zwar haben bisher rund 80 Teilnehmer für das Projekt gestimmt, im Dreivierteltakt wird sich trotzdem wohl niemand bewegen. Schließlich liegt eine solche Entscheidung nicht im Ermessen der Kommune. Nur das Wasserschifffahrtsamt könnte eine entsprechende Genehmigung erteilen. Da der Rhein aber die Hauptschifffahrtsroute in Deutschland darstellt und die Fahrrinne dicht am Oberkasseler Rheinufer entlangführt, werde es für eine Freizeitnutzung sicher kein grünes Licht geben, bewertet die Verwaltung den Vorschlag. Sie weist allerdings darauf hin, dass es in Schwarzrheindorf eine betonierte Fläche gibt, die als Tanzboden genutzt werden könnte. Darüber müsste jedoch erst mit dem Eigentümer verhandelt werden.

Trainingsanlage mit Geräten zur Verbesserung von Koordination, Kraft und Balance

Ein größeres kostenloses Sportangebot vermisst ein anderer Beueler. „Das Beueler Rheinufer bietet viel Platz für eine oder mehrere Anlagen zum Training von Koordination, Balance, Kraft et cetera für jedes Alter. Ein gelungenes Beispiel ist der Calisthetics Park in den Rheinauen, der stark frequentiert wird, vom Stadtzentrum aber zu weit entfernt ist“, argumentiert er. Aus Sicht der Verwaltung sei ein solcher Vorstoß umsetzbar, zumal sich das Projekt mit rund 25.000 Euro realisieren ließe.

Überall im Stadtgebiet fehlen in der Nähe von Spielplätzen nicht nur Toiletten, sondern auch Wickelmöglichkeiten. Oft bleibt da nur der Weg ins Gebüsch. Ändern wird sich an diesem Dilemma so schnell aber nichts. Die Kosten für eine nachhaltige „Komposttoilette“ belaufen sich laut Stadt auf etwa 5.000 bis 25.000 Euro je nach Ausführung – beispielsweise bei einem barrierefreien Ausbau. Aufgrund der Anzahl der Spielplätze müsste zuvor eine Vorauswahl getroffen werden, wo entsprechende Anlagen gebaut werden sollen. Bessere Chance hat hingegen der Bau einer öffentlichen Toilette in Höhe der Rheinnixe am Beueler Rheinufer. Sie könnte, so die Verwaltung, in dem bereits genannten Preisrahmen errichtet werden.