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Arbeit im Schichtbetrieb: Diese Probleme hat die Beueler Kläranlage in der Corona-Krise

Arbeit im Schichtbetrieb : Diese Probleme hat die Beueler Kläranlage in der Corona-Krise

Die Kläranlage Beuel liegt unweit des Rheindamms bei Schwarzrheindorf und reinigt das Wasser für mehr als 100.000 Menschen. Weil Trockenwetter ist, liegt der Wasserzulauf derzeit bei 9700 Kubikmetern pro Tag.

In Zeiten der Corona-Epidemie halten sich viele Menschen zu Hause auf: Arbeiten von dort, verbringen ihre Freizeit in den eigenen vier Wänden und kümmern sich um die Kinder. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Kläranlage Beuel derzeit mit einem hohen Abwasseraufkommen zu tun hat. Schließlich reinigt die Anlage in der Siegaue in Schwarzrheindorf das Wasser für mehr als 100.000 Menschen im Stadtbezirk.

Die derzeitige Krise spiegelt sich allerdings nicht am Abwasser wider, wie Tiefbauamtsleiter Peter Esch dem GA erklärt. „Wir haben derzeit Trockenwetter und dadurch einen täglichen Abwasserzulauf von rund 9700 Kubikmeter Wasser. Bei Regenwetter sind es hingegen 42.000 Kubikmeter“, so Esch. Üblicherweise kommen pro Tag mehr als 9,7 Millonen Liter Abwasser in der Kläranlage an, wie die Stadt Bonn in einem Flyer der Kläranlage erklärt. Bei den Werten handelt es sich um die ganz normalen Mengen, die auch ­außerhalb der Corona-Krise täglich zustande kommen. Mehr Abwasser wird durch die Epidemie und die vielen Menschen, die sich zu Hause aufhalten, also nicht produziert.

Allerdings habe man am Anfang der Krise, als das Toilettenpapier in den Supermärkten knapp war, bemerkt, dass die Menschen allerhand Tücher in die Toiletten werfen, die da eigentlich nichts zu suchen haben. „Es ist wichtig, dass die Menschen ganz normales Toilettenpapier verwenden. Denn dieses besteht aus einem speziellen Zellstoff, der sich im Wasser schnell zersetzt“, so Esch. Feuchte Tücher oder ähnliches zersetzen sich nicht so leicht und „verzopfen“ sich in den Kanälen oder auch in den Anlagen der Kläranlage, wie er erklärt. Das kann dann zum Problem werden, wenn die Verzopfung nicht einfach gelöst werden kann, sondern eine Reparatur notwendig ist. Schließlich kann durch die Verstopfung das Abwasser auch nicht mehr problemlos abfließen.

 Abwasser verbindet jeder mit Keimen und Bakterien. Liegt es da nicht nahe, dass für die Mitarbeiter der Kläranlage automatisch auch ein höheres Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus anzustecken? „Das ist kein Thema für uns. Wir haben es ohnehin mit sehr gefährlichen Stoffen zu tun und sind daher entsprechend sensibilisiert. In der Kläranlage werden im Reinigungsprozess auch keine Aerosole freigesetzt“, so Esch. Bei bestimmten Arbeiten an der Kläranlage verwenden die Mitarbeiter dennoch die sogenannten FFP3-Masken, die den höchsten Sicherheitsstandard haben. „Wir haben auch Mitarbeiter, die schweren Atemschutz tragen können – wir sind also auf alles sehr gut vorbereitet“, erklärt der Tiefbauamtsleiter. Genügend FFP3-Masken habe er für seine Mitarbeiter auch noch auf Lager. Dennoch sagt er, dass es auch für das Tiefbauamt derzeit schwierig sei, an Nachschub zu kommen. Um unter anderem auch die Lagerbestände der Masken nicht allzu sehr aufzubrauchen, hat Esch dafür gesorgt, dass nur noch die zwingend notwendigen Arbeiten durchgeführt werden sollen. „Wir haben zum Beispiel die Reinigung von Becken erst einmal verschoben – das kann man auch noch später machen“, so Esch. Mit all den Maßnahmen komme die Kläranlage derzeit sehr gut durch die Krise.

Eine Sorge hat Esch allerdings: Die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Schließlich sind die es, die die Abwasseraufbereitung für den ganzen Stadtteil sicherstellen. „Wir arbeiten in einem Schichtbetrieb – auch nachts. Wenn da nun mehrere Mitarbeiter aufgrund von Corona ausfallen würden, wäre das nicht gut. Daher haben wir auch dort nun neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt“, so Esch. Dazu zählt unter anderem, dass das Schichtenbuch nicht mehr persönlich an die neue Schicht übergeben wird. Das wird nun elektronisch verfasst und entsprechend auf digitalen Wegen ausgetauscht. „Damit die Kollegen miteinander so wenig Kontakt wie nötig haben“, erklärt Esch.