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„Adieu, mit 80 ist Schluss“: Doris Hausbrand legt Ehrenämter in Holzlar nieder

„Adieu, mit 80 ist Schluss“ : Doris Hausbrand legt Ehrenämter in Holzlar nieder

Nach 20 Jahren Einsatz im Ehrenamt tritt Doris Hausbrand aus der ersten Reihe zurück. Der Gemeinde will die pensionierte Lehrerin aber weiter zur Seite stehen.

Nahezu 20 Jahre hat Doris Hausbrand in der Gemeinde Christ König in Holzlar für die Pfarr-Caritas sowie für zahlreiche soziale Projekte und Arbeitskreise gestanden. Jetzt beendet sie zum Monatsende, ein paar Wochen nach ihrem 80. Geburtstag, ihre ehrenamtliche Arbeit in Christ König und sagt „Adieu – mit 80 ist Schluss“. Über ihre mannigfaltigen Beweggründe, von A wie Anfang bis Z wie Zukunft, sprach sie mit unserem Reporter Rainer Schmidt.

Nach 20 Jahren, mit gerade mal 80 Jahren, soll jetzt Schluss sein?

Doris Hausbrand: Ich möchte mich aus der ersten Reihe und der damit verbundenen Verantwortung zurückziehen, aber ich bin ja nicht weg. Ich merke, dass ich älter werde, dass mir viele Dinge nicht mehr so schnell von der Hand gehen. Doch für Fragen und kleinere Tätigkeiten, wenn ich denn angefragt werde, stehe ich weiterhin zur Verfügung.

Was haben Sie vor diesen 20 Jahren gemacht?

Hausbrand: Ich war zu jener Zeit ein normaler Kirchgänger in Holzlar. Kurz nach meiner Pensionierung 2001 ist mein Mann gestorben. Da habe ich mir schon Gedanken gemacht, was ich denn tun könne. Ich habe zwei Semester Portugiesisch studiert. Ich wollte einfach mal wissen, ob ich eine neue Sprache mit 60 noch lernen kann. Das kam mir bei unserem Brasilien-Projekt zugute.

Die „Kirchengemeinde“ spricht von mehreren Ehrenämtern. Welche waren das?

Hausbrand: Das fing mit der Pfarr-Caritas an: Sammlung und Verwaltung der Gelder, Hilfe bei finanzieller Not nach abgestelltem Strom, Begleitung zu Behörden wie Jobcenter, Sozialamt, Ausländeramt oder die „Christkindl“-Aktion für Bedürftige zu Weihnachten. Ich führte Sprachkurse für Mütter und Kinder mit Migrationshintergrund ein, organisierte Seniorenadventsfeiern, Kleiderbasare, einen „Café-Treff“ für die Älteren mit Kaffeeplausch und Spielen, Gutscheine für das Pfarrfest für die Ärmeren der Gemeinde oder die Aktion „Kindern Freude schenken“ zu Weihnachten.

Und außerdem?

Hausbrand: Außerdem leitete ich den Arbeitskreis „Frieden, Entwicklung, Mission“, kurz FEM genannt, der den Kontakt zur Partnergemeinde in Brasilien hält, wo Christ König einen Kindergarten und eine Schule in einer Lepra-Kolonie bei Rio de Janeiro mit monatlich 1400 Euro unterstützt. Besonders begeistert war man über meine Portugiesisch-Kenntnisse für dieses Projekt, weil viele Zwischenschritte des Übersetzens wegfallen konnten. Zudem habe ich noch zwei Ehrenämter, die ich mit Sicherheit derzeit nicht abgebe: Ich bin Lektorin und Kommunionhelferin in Christ-König.

Wie kam es überhaupt zu dieser Aufgabenvielfalt? Konnten Sie nicht „Nein“ sagen?

Hausbrand: Pastor Padberg kam damals auf mich zu, genau ein Jahr nach dem Tod meines Mannes, und hat mich gefragt, ob ich nicht die Caritas übernehmen könne. Da konnte ich tatsächlich nicht ‚Nein‘ sagen. Nur Einarbeitung, die gab es nicht. Ich weiß noch, dass ich zuerst das Wort „Caritas“ klären musste, denn mit dem Caritas-Verband hat das, was wir in der Gemeinde machen, wenig zu tun. Bei den Sammlungen, zwar im Auftrag des Caritasverbandes, hörte ich häufiger: ,Die Caritas hat uns nicht geholfen, deshalb geben wir nichts mehr.’ Darum habe ich das ganz schnell Pfarr-Caritas genannt, damit klar wird, dass wir vor Ort eine Caritas-Gruppe haben und das gesammelte Geld zu 95 Prozent bei uns bleibt. Doch alle weiteren Aufgaben, die haben sich entwickelt.

Wie haben Sie die Gemeindemitglieder kennengelernt?

Hausbrand: Ich hatte das Glück, in der Vorweihnachtszeit anzufangen. Da standen Sammlungen an, aber auch Hausbesuche, um unser ,Christkindl’ zu überbringen. So lernte ich viele bedürftige Gemeindemitglieder persönlich kennen. Daraus hat sich manche Aufgabe, manches Projekt ergeben. Wir haben beispielsweise schon vor 2015 – da begann die Migrantenwelle nach Deutschland – Deutschkurse für Mutter und Kind mit Migrationshintergrund angeboten.

Was soll denn die Kirchengemeinde jetzt ohne Sie tun? Haben Sie Nachfolger eingearbeitet?

Hausbrand: Zum einen habe ich einen Nachfolgeplan erstellt und dem Kirchenvorstand vorgestellt. Zum anderen habe ich bereits Nachfolger gewonnen. Und es gibt noch kleinere Aufgaben, die ich weiterhin machen werde, wie Briefe für Aktionen eintüten.

Was werden Sie jetzt machen? Ohne Tätigkeit, das geht doch gar nicht.

Hausbrand: So ohne Tätigkeiten bin ich nun ja auch nicht, als dass ich in ein Loch fallen würde. Mein Haus und insbesondere der Garten, den ich ohne Hilfe pflege, halten mich auch künftig ganz schön auf Trab. Dann habe ich endlich Zeit, mich auf meine Morgengymnastik zu konzentrieren, ohne an Termine denken zu müssen. Außerdem gibt es Chor, Kegeln und Familie. Und schließlich stehe ich noch für Fragen meiner Nachfolger zur Verfügung. Mir ist vor der Zukunft nicht bange.