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Sondernutzung der Fläche: Eigentümer der Beueler Markthallen warten Quartiersentwicklung ab

Sondernutzung der Fläche : Eigentümer der Beueler Markthallen warten Quartiersentwicklung ab

Politiker der Bezirksvertretung Beuel billigen die Sondernutzung der Markthallen für eine Teilfläche als Büro. Zukünftige Kunden sollen hier ein Berufstraining erhalten.

Monatelang hatte das Thema Beueler Markthallen die Gemüter bewegt. Die ansässigen Händler waren besorgt, als Bonnorange 2018 dort einen Wertstoffhof und ein Salzlager einrichten wollte. Das wäre das Aus für den Bonner Großmarkt gewesen. Doch dann kam plötzlich die erlösende Nachricht für die verbliebenen Obst- und Gemüse-, Feinkost- und Fischhändler: Die benachbarten Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs Gerwing Söhne, Klaus und Thomas Gerwing, sowie Steuerberater Jürgen Weltermann kauften die Hallen. Es war zu dem Zeitpunkt beruhigend zu erfahren, dass an den alten Mietverträgen auch durch die neu gegründete GmbH nicht gerüttelt werden sollte.

„Die Entwicklung des gesamten Quartiers wird sich nur dann rentieren, wenn wir den Autobahnanschluss realisieren“, sagte Klaus Gerwing damals. Heute hält er sich mit seinen Plänen gegenüber dem GA bedeckt. Er wolle abwarten, was die beauftragte Quartiersentwicklung ergebe. Zuletzt ließ er den GA wissen, dass seine Wunschvorstellung eine Mischung aus Handwerk, Handel und Kultur sei. Das Pantheon, das direkt neben der Markthalle liegt, würde schon für Publikumsverkehr sorgen. In den Markthallen ließe sich dann Gastronomie etablieren. Doch wirft der Marktschänken-Pächter Alaya Taj nach 13 Jahren das Handtuch. Längst sei das Geschäft nicht mehr so, wie es einmal war. Den Dolchstoß hat ihm die Corona-Pandemie versetzt.

Dass die Umnutzung für die gastronomische Fläche in der Halle bereits zum Januar des nächsten Jahres wieder zu einer Markthallennutzung beschlossen wurde, habe Gerwing zunächst nicht gewusst. Er sei „total überrascht“ gewesen, dass vom Stadtrat eine Nutzungsänderung beschlossen wurde. „Mich hat keiner angerufen oder was gesagt“, äußert er dem GA gegenüber. Auch dass er nach GA-Informationen – diese Nachricht stammt aus einer der vergangenen Sitzungen der Bezirksvertretung Beuel – die Erlaubnis bekommen habe, in den nächsten fünf Jahren eine Nutzungsänderung vorzunehmen, um dort auf 160 Quadratmetern ein Studio für Personaltraining (Berufsvorbereitung) einziehen zu lassen, konnte er nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Eine Nutzungsänderung kriege ich so lange nicht durch, wie im Stadtrat die Herren sitzen, die damals schon gegen uns geschossen haben, weil Bonnorange da rein sollte“, ist Gerwing überzeugt. Aber er könne damit leben.

Solange von der Stadt noch nichts vorgelegt wurde, wolle er „den Ball flach halten“. Die Mieter in den Hallen seien zufrieden, und kein Mensch könne sagen, wie es in zehn Jahren aussehe. Doch es tut sich was. Inzwischen ist Weltermann aus dem Käufertrio der Markthallen ausgeschieden und Gerwing hat in seinem Freund und langjährigem Direktor der Volksbank, Peter Knodt, einen Nachfolger gefunden.

Am 23. September hatte das Stadtplanungsamt im Rahmen einer Bürgerbeteiligung die „Quartiers­entwicklung östlich des Beueler Bahnhofs“ im Brückenforum vorgestellt. Nach Auswertung der jetzt laufenden Öffentlichkeitsbeteiligung könnte es Anfang 2021 zu einem Beschluss im Stadtrat darüber kommen, wie sich auch die Zukunft der Markthallen gestaltet.

Gerwing sieht diesem Vorgang aus heutiger Sicht vergleichsweise gelassen entgegen. „Wir warten einfach mal ab, was uns die Stadt Bonn da so entwickeln wird. Dann müssen wir mit denen halt reden, inwieweit das zu unserem Konzept passt und ob wir in die selbe Richtung denken“, sagt Gerwing.