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GA-Serie „Die andere Perspektive“: Ein Fischer passt gut zu den Schiffern

GA-Serie „Die andere Perspektive“ : Ein Fischer passt gut zu den Schiffern

Seit 2012 musiziert Dudelsackspieler Martin Fischer bei den Aufzügen des Schiffer-Vereins Beuel. Sein Auftritt ist aufgrund seiner authentischen Musik nicht mehr verzichtbar.

Seit seiner 150 Jahr-Feier im Jahr 2012 hat der Schiffer-Verein Beuel ein neues Erkennungsmerkmal: den Dudelsack. Um genau zu sein, das Spielen des Dudelsacks von Martin Fischer. Ob beim Anhissen im Frühjahr am Rheinufer, beim Promenadenfest im Sommer, beim Festumzug auf Pützchens Markt oder beim Weiberfastnachtsumzug, vorneweg geht seit dem Jubiläumsjahr immer Martin Fischer und spielt, unüberhörbar, zur Freude der Gäste seine Dudelsackmelodien.

„2012, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und die Geburt eines Erkennungsmerkmals“, schwärmt Claus Werner Müller vom Schiffer-Verein noch heute. Denn zu diesem Jubiläum hatten die Bläck Föss den Dudelsackspieler Fischer mitgebracht, um mit ihm das Lied „Du bes de Stadt“ zu spielen. „Dudelsack zu spielen, habe ich aus einer Bierlaune heraus während meines Studiums angefangen“, erzählt Fischer. Er hat Elektrotechnik studiert und ist heute Abteilungsleiter bei einem Unternehmen, das sich mit Logistik und technischer Dokumentation beschäftigt. Bis dahin spielte er Saxophon und Klarinette. „Ich würde gerne mal was anderes spielen“, meinte er damals zu seinen Mitbewohnern in der Wohngemeinschaft. Und die haben ihm aus Scherz zum Dudelsack geraten, den er sich sogleich aus dem Versandhandel kommen ließ.

„Zur Freude meiner Nachbarn versuchte ich, die ersten Töne aus dem Ding herauszubekommen“, sagt er heute über die damaligen Versuche und schmunzelt. „Denn ich habe alles falsch gemacht, was man als Anfänger falsch machen konnte.“ Nur eines hat er damals richtig gemacht: Seinen ersten Kilt kaufte er sich bei einem privaten Besuch in Edinburgh. Als Fischer dann einem richtigen Dudelsackspieler zugehört hatte, stellte er sich die Frage, ob er das Instrument nicht doch richtig lernen sollte. „Zum Glück habe ich das mir dann bei einem Iren wirklich angeeignet.“ Er hat Unterricht genommen und in einer Pipe-Band mitgespielt. Ziel sollte es sein, mit der 100 Mann starken Band, bestehend aus Pipes und Drums, in Edinburgh aufzutreten. „Das mit Schottland hat damals, 2010, nicht geklappt. Dafür haben wir in Moskau auf dem Roten Platz gespielt“, berichtet er. „Das war schon eine besondere Liga.“ Über zehn Jahre müsse man das Dudelsackspielen lernen, bevor man in so einer Pipeband mitspielen könne.

Den Einwand, dass sich diese Musik immer gleich anhöre, kontert Fischer mit zwei Argumenten: „Zum einen kann man im Normalfall nur neun Töne spielen, und zum anderen werden fast immer dieselben Lieder gespielt.“ Scotland the Brave, Amazing Grace oder Highlands Cathedral, das seien sozusagen die Schlager des Dudelsacks. Fischer, der immer noch Hobbyspieler ist, bringt inzwischen 13 Töne aus seinem Instrument heraus. Er kann auch Rock, Pop und Schlager spielen. Auch beim Dudelsack hat die Technik Einzug gehalten, denn es gibt elektronische Dudelsäcke, die an Verstärker angeschlossen werden können. Und es gibt reine Übungsflöten, „Fagerstroem“ genannt, die Fischer immer dabei hat, damit er unterwegs nicht aus der Übung kommt.

Langjährige Verbindung zu den Bläck Fööss

Es war 2010, als er mit Kollegen in Engelskirchen auftrat und sie mehr oder weniger zufällig mit den Bläck Fööss beim Stück „Du bes de Stadt“ mitspielen durften. Daraus ist eine Verbindung entstanden, die bis heute anhält. Bei allen größeren Events fragen die Fööss heute die Dudelsackspieler an. „Mit den Fööss in der Lanxess-Arena zu spielen, das ist ein absolutes Highlight, einfach Gänsehautatmosphäre“, schwärmt Fischer. Inzwischen hat er den Bläck Fööss auch noch ein paar Vorschläge gemacht, damit man, wenn man schon vor Ort ist, nicht nur ein Lied zusammen spiele.

In den letzten Jahren ist er mit den Bläck Fööss, Brings, den Klüngelköpp, Björn Heuser sowie einigen Orchestern, Kapellen und Chören aufgetreten. So kam es, dass Martin Fischer zusammen mit den Bläck Fööss beim Jubiläum des Schiffer-Vereins auftrat und bei dem Beueler Verein hängen geblieben ist. „Ein Fischer passt doch gut zum Schiffer-Verein“, meint er schmunzelnd. Außerdem ist Beuel für ihn der schönste Teil von Bonn: „Wenn etwas zu haben wäre, dann würde ich liebend gerne in der ersten Reihe auf der Sonnenseite von Bonn wohnen.“

Martin Fischer ist Jahrgang 1966 und wohnt in Troisdorf. Man kann ihn über Eventzone buchen. Über 100 Videoclips von ihm sind auf YouTube unter dem Künstlernamen Fridolin Feinbein zu sehen.