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Einkaufen in Beuel während der Corona-Krise: Kein Platz zum sicheren Einkaufen auf der Friedrich-Breuer-Straße

Friedrich-Breuer-Straße : Kein Platz zum sicheren Einkaufen in Beuel

In Beuel kann es auf den Gehwegen schon einmal etwas enger zugehen. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden, wollen die Grünen Parkplätze in der Friedrich-Breuer-Straße sperren. Die Stadtverwaltung findet das unverhältnismäßig.

In Zeiten der Corona-Epidemie ist vor allem eines wichtig: Abstand halten. Experten raten dazu, zwischen 1,50 Meter und zwei Meter voneinander entfernt zu bleiben, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Doch nicht überall kann diese Distanz eingehalten werden, weil es die räumlichen Begebenheiten nicht hergeben. Einen solchen Fall gibt es in der Friedrich-Breuer-Straße in Beuel.

In der Haupteinkaufsstraße sind auch zu Krisenzeiten viele Menschen unterwegs, die sich entweder auf dem Weg zu ihren Büros befinden oder in den wenigen geöffneten Läden, wie Drogerie- und Lebensmittelgeschäften einkaufen. Vor allem vor einem Drogeriemarkt bilden sich regelmäßig lange Schlangen, sodass die Kunden vor dem Geschäft auf dem Bürgersteig warten. Passanten können die Distanzregeln nicht einhalten, da vor allem Autos, die in den Parkbuchten stehen, viel Platz einnehmen.

Erst vor wenigen Tagen wendete sich eine Leserin an den GA und berichtete in einem Leserbrief von den schwierigen Platzverhältnissen in der Einkaufsstraße. Aufgrund dieser würde sie es derzeit sogar meiden, dort einkaufen zu gehen.

Enge Gehwege sind ein „ernsthaftes Problem“

Die Beueler Grünen haben sich deshalb nun dafür ausgesprochen, die Parkplätze entlang der Friedrich-Breuer-Straße kurzfristig zu sperren, damit die Passanten und Kunden der Geschäfte die Abstandsregeln einhalten können. „Die Bürgersteige in der Friedrich-Breuer-Straße sind schon zu normalen Zeiten so eng, dass man bisweilen kaum aneinander vorbeikommt. Dies ist jetzt mit den durch die Corona-Pandemie bedingten Abstandsregeln zu einem ernsthaften Problem geworden“, erklärt Dagny Schwarz von den Beueler Grünen. Sie empfindet die Warteschlangen auf den Gehwegen als ein Problem – die allerdings aus verständlichen Gründen entstehen, da nur eine gewisse Anzahl von Kunden in die Geschäfte dürfen.

Es sei daher „sehr sinnvoll“, die Parkplätze auf der Friedrich-Breuer-Straße kurzfristig zu sperren, „um den Fußgängern mehr Raum und damit überhaupt erst die Möglichkeit zu geben, die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten“, so Schwarz. Dies sei insbesondere im Hinblick auf die Wiedereröffnung weiterer Einzelhandelsgeschäfte ab Montag wichtig, so die Grünen. Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern dürfen ab der kommender Woche nämlich wieder schrittweise öffnen.

„Dann wird hoffentlich auch wieder mehr Kundenverkehr zu verzeichnen sein, der aber die Abstandsregelungen weiterhin einhalten muss“, so Dagny Schwarz. Doch darin sieht die Lokalpolitikerin auch eine Gefahr. Denn wenn die Geschäfte wieder öffnen, die Abstandsregeln aber nicht eingehalten werden können, könnte es sein, dass die Geschäfte dann wieder geschlossen werden müssen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Gewerbegemeinschaft Beuel möchte Situation beobachten

Die Stadtverwaltung hält von dem Vorschlag allerdings nichts. „Aus Sicht der Stadt ist es weder geboten noch verhältnismäßig, die Parkplätze zu sperren“, sagt Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. Diejenigen, die das Auto nutzen, um im Beueler Zentrum einzukaufen, Apotheken und Ärzte aufsuchen und dort parken, würden dann auch zu Fuß oder mit dem ÖPNV anreisen müssen, erklärt er weiter. „Dadurch würde die Anzahl der Passanten auf den Gehwegen zunehmen. Außerdem würde es für diejenigen Anwohner, die jetzt zu Hause arbeiten oder zu Hause bleiben müssen, schwieriger, dort einen Parkplatz zu bekommen“, so Schmitz.Die Stadt schätzt das Infektionsrisiko auf den Gehwegen als gering ein. „Zudem ist die Begegnung im Vorbeigehenden sehr kurz, sodass das Infektionsrisiko sehr niedrig sein dürfte. Auch wenn der Abstand kurzfristig weniger als 1,5 Meter beträgt, geht man schnell aneinander vorbei“, so Markus Schmitz. „Wenn man die notwendigen Hygieneregeln beachtet, sollte man sich gut schützen können.“

Auch die Gewerbegemeinschaft Beuel (GGB) hat sich gegen eine temporäre Wegnahme der Parkplätze ausgesprochen. „Wir glauben nicht, dass sich ab Montag tausende Menschen auf der Straße drängen werden“, sagte GGB-Vorsitzender Werner Koch dem GA. Gleichwohl sollte die Situation aufmerksam beobachtet werden. „Sollte es an bestimmten Stellen tatsächlich zu eng werden, könnte man einzelne Parkplätze kurzzeitig sperren“, so Koch.

Die  Reaktion der Stadtverwaltung kann Schwarz nicht nachvollziehen. Ihrer Meinung nach würden auf den Parkplätzen vor allem Kunden und nicht Anwohner parken. Außerdem müssten die Menschen, die in der Schlange stehen, dort auch länger stehen und nicht nur kurz. Die Passanten müssten sich zudem an langen Schlangen vorbeiquetschen. Dagny Schwarz verweist bei der Parkproblematik auch auf die beiden Tiefgaragen, die sich im Beueler Zentrum befinden. „Es müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, um die maximal mögliche Sicherheit für Kunden beim Einkauf im Beueler Zentrum zu gewährleisten“, so Schwarz.