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Buch über die historische Eisenbahnstrecke: Eisenbahner erzählt die Geschichte der Kleinbahn Beuel-Großenbusch

Buch über die historische Eisenbahnstrecke : Eisenbahner erzählt die Geschichte der Kleinbahn Beuel-Großenbusch

Michael Kelm hat ein Buch über die Kleinbahn Beuel-Großenbusch herausgebracht. Neben kenntnisreichen Texten enthält es viele historische Bilder und aufschlussreiche Skizzen.

„Das Interessante an diesem Buch ist, dass wir eine vollkommen neue Geschichte über die Kleinbahn Beuel-Großenbusch geschrieben haben“, sagt Michael Kelm. Stolz  präsentiert er sein Buch „Die Kleinbahn Beuel-Großenbusch“, eine Geschichte, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Um erst gar kein Missverständnis aufkommen zu lassen, fährt er fort: „Eine Kleinbahn ist keine Schmalspurbahn, sondern eine Eisenbahn, die nach dem preußischen Kleinbahngesetz fährt und die wegen ihrer geringen Bedeutung für den allgemeinen Eisenbahnverkehr hinsichtlich Bau und Betriebsführung weniger strengen Anforderungen unterliegt als eine Haupt- oder Nebenbahn. Aber nicht alle Schmalspurbahnen sind automatisch Kleinbahnen.“ Die alte Rhein-Sieg-Eisenbahn ins Bröhltal, übrigens kein Vorläufer der heutigen RSE, war eine Schmalspurbahn. Einige der Ziegeleien und Tonwarenfabriken im Pleistal besaßen je ein Anschlussgleis zur schmalspurigen Bröhltalbahn – nicht jedoch die Bonner Verblendstein- und Tonwarenfabrik in der Gemarkung Großenbusch und auch nicht die Hangelarer Tonwerke. Der Lehrer Joseph Hermann Nolte aus Pützchen, der an einem in Konkurs geratenen Vorgängerbetrieb der Hangelarer Tonwerke beteiligt war, entwarf 1897 gemeinsam mit neun anderen Interessenten eine Anschlussbahn vom Bahnhof Beuel bis zur Bonner Verblendstein- und Tonwarenfabrik. Nolte ließ eine Trasse ausarbeiten und in Katasterpläne einarbeiten. Er führte die Trasse am Rande großer Flurstücke entlang, um wenige Parzellen durchschneiden zu müssen. Weil er lediglich die Realisierbarkeit aufzeigen wollte, verzichtete er auf eine Prüfung, ob die jeweiligen Grundstücke überhaupt zur Verfügung stünden.

Getreu nach einem alten Eisenbahnbahnergesetz, dass eine Trasse nie so gebaut wird, wie sie geplant war, erfuhren auch die Pläne Noltes so einige Abweichungen auf der nur sieben Kilometer langen Strecke. Das Schöne an Kelms Buch sind nicht nur die zahlreichen Bilder, sondern auch die Skizzen von geplanten und realisierten Streckenführungen in Beuel, Pützchen und Hangelar sowie nach Limperich und Küdinghoven. Mit der Schließung der Steinbrüche begann der Niedergang der Kleinbahn. 1954 hatte sie ihre Aufgaben erfüllt, in den letzten Lokomotiven erlosch das Feuer. Eine DB Kleinlok bediente nun die Strecken nach Hangelar und Limperich und 1989 wurde sogar ein Personenverkehr aus der Taufe gehoben, nämlich zum jährlichen Volksfest „Pützchens Markt“. Im Mai 2009 endete der Güterverkehr zwischen Beuel und Hangelar. Kelm: „Ob die beliebten Fahrten der heutigen RSE GmbH zum Pützchens Markt eine Zukunft haben, wird sich zeigen.“

Kelm ist Eisenbahner durch und durch. Obwohl er unter anderem Theologie studiert hat, ist er Lokführer auf der rechtsrheinischen Strecke. Mit viel Liebe zu Details und einer schier unerschöpflichen Sammlung an Bildern und Skizzen ist das hervorragend recherchierte Buch (ISBN 978-3-944390-19-2, 22,95 Euro), das im Verlag Kenning erschienen ist, ein Werk für Lokalhistoriker und Eisenbahnfreunde.