Kinder der Ennertschule erzählen Bonner Grundschüler erleben den europäischen Gedanken

Interview | Küdinghoven · Die GGS Ennertschule lebt den europäischen Gedanken und pflegt Beziehungen zu einer französischen Partnerschule. Was die Viertklässler bei ihrem Besuch in Nantes gelernt haben, wie Lern- und Tischsitten sich unterscheiden und warum sich ein Besuch des Europarlaments lohnt.

 Besuchen die Europaschule: Emma, Lesfo, Merle, Marie und Christopher berichten von ihren Erfahrungen.

Besuchen die Europaschule: Emma, Lesfo, Merle, Marie und Christopher berichten von ihren Erfahrungen.

Foto: Benjamin Westhoff

Wenn eine Schule in Beuel den Namen Europaschule verdient, dann ist es die GGS Ennertschule in Küdinghoven. Die „Erasmus +“-Schule pflegt seit Jahren intensiven Kontakt zu Schulen in anderen Ländern. Erst kürzlich waren 16 Viertklässler auf Einladung der befreundeten École de la Cremetterie fünf Tage in Nantes, und eine Gruppe von 30 Schülern und Schülerinnen besuchte das Europaparlament in Brüssel. Der GA hat fünf junge Europa-Reisende sowie Schulleiterin Henriette Probst und Lehrerin Dana Klein befragt.

Wie war der Ausflug nach Frankreich?

Emma (9): Es war sehr schön.

Christopher (10): Wir sind mit dem Eurostar gefahren.

Lesfo (9): Und mit dem TGV.

Christopher: Und ein Stück mit der Metro. Die hatte keinen Fahrer. Da konnte man bei der Fahrt vorne und hinten rausgucken. Wir haben unterwegs aber auch den Louvre und den Eiffelturm gesehen.

Was habt ihr in Nantes erlebt?

Merle (10): Wir haben uns ganz tolle Sachen angeguckt. Den Botanischen Garten und so einen riesigen Elefanten, der eigentlich ein Karussell war.

Dana Klein: Das war im Park Les Machines de l'île. Der Elefant greift Zeichnungen von Jules Verne und Leonardo da Vinci auf.

Wie war denn eure Gastschule?

Emma: Die hatten bis 16 Uhr nachmittags Unterricht.

Christopher: Von 8.30 Uhr an. Und die dürfen zwischendurch nichts trinken oder essen. Bis zur Mittagspause.

Und im Unterricht? Ich habe gehört, die Franzosen dividieren schriftlich anders…

Marie (10): Ja, viele, die mitgefahren sind, haben erzählt, dass das Dividieren komplett anders ist.

Christopher: Also mir gefällt unser Weg besser. Aber die finden ihren besser.

Dana Klein: Die Schüler hatten fürs Kopfrechnen Tafeln, auf die sie das Ergebnis schreiben und hochhalten sollen.

Christopher: Und bei der Madame…

Dana Klein: …oder Mätresse…

Christopher: …gab es zwei Leise-Wächter. Wenn die anderen zu laut wurden, rasselten die mit ihren Rasseln.

Wie war das Mensa-Essen?

Christopher: Man musste von allem etwas nehmen, auch wenn man das gar nicht mochte.

Lesfo: Die haben das einfach drauf getan.

Was ist euch sonst noch aufgefallen?

Merle: Man sollte in den Pausen immer zusammen auf den Schulhof gehen.

Dana Klein: Schön in Zweier-Reihen.

Wie war es in den Gastfamilien?

Lesfo: Die Familien waren nett. Meine Familie konnte nur nicht so viel Deutsch.

Christopher: Meine konnte sehr gut Deutsch. Die große Schwester von meinem Austauschkind hat acht Jahre in Deutschland studiert.

Und wie war das Essen bei den Familien?

Lesfo: Wenn sie Brot essen, nehmen sie keine Teller. Sie machen das einfach auf der Tischdecke.

Dana Klein: Ich habe gehört, es gab oft internationales Kinderessen, also Pizza und Pasta. Gab es denn auch Schnecken?

Christopher: Nein, obwohl ich sie gerne probiert hätte.

Könnt ihr auch ein schon bisschen Französisch?

Lesfo: Klar, wir sind Europaschule und lernen das ab dem zweiten Schuljahr.

Christopher: Wir hatten auch eine extra Vorbereitung auf den Ausflug.

Dana Klein: Niza Augusty aus dem französischen Lehrerinnen-Austauschprojekt und Karine Jallais geben Französisch-Unterricht ab der zweiten Klasse und leiten eine AG.

Also konntet ihr euch gut verständigen?

Merle: Ja, wir haben den Kindern aus Nantes sogar etwas vorgeführt: La Marmotte, ein Stück von Beethoven über ein Murmeltier.

Was habt ihr noch gemacht?

Christopher: Wir waren in einer der ältesten Shopping-Malls der Welt aus dem Jahr 1840.

Marie, wie war dein Tag in Brüssel?

Marie: Nach der Busfahrt sind wir direkt ins Atomium gegangen. Die Rolltreppen mit der Lichtshow fand ich cool. Im Mini-Europa-Park gab es Sehenswürdigkeiten aus ganz Europa.

Welche aus Deutschland?

Marie: Das Beethoven-Haus. Das habe ich an der Europa-Hymne erkannt.

Wie war es im Europaparlament?

Marie: Ein Abgeordneter hat uns was erzählt zu seinem Beruf und alle Flaggen der Länder gezeigt. Das Interessanteste war der Plenarsaal. Da waren Dolmetscher, die haben uns erklärt, dass nicht immer ganz richtig übersetzt werden kann, weil sie gleichzeitig reden und denken müssen.

Und der Saal?

Marie: So viele Plätze. Das hat mich sehr beeindruckt. Und wir haben gehört, dass es noch ein anderes Parlament in Straßburg gibt, wo die Politiker manchmal auch hinfahren.

Wie lange dauert denn so eine Sitzung im Europaparlament?

Henriette Probst: Die kürzeste Sitzung dauerte 20 Minuten und die längste 38 Stunden. Die längste soll erst kürzlich stattgefunden haben. Dabei ging es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Was wollten die Kinder denn noch wissen?

Henriette Probst: Sie haben gefragt, was links und rechts in der Politik bedeutet, und das wurde dann erklärt.

Dana Klein: Einige Kinder an unserer Schule machen sich Sorgen wegen des erstarkenden Rechtsextremismus.

Marie: Ich finde es gut, dass wir Klassensprecherwahlen machen. Das ist eine gute Vorbereitung auf die richtige Wahl.

Lesfo: Meine Schwester darf diesmal mitwählen. Sie hat schon einen Brief bekommen.

Christopher: Ich durfte meinen Vater schon mal zum Wählen begleiten. Der ist dann da in eine Wahlkabine gegangen. Wählen durfte ich aber noch nicht.

Marie: Ich fand es ganz spannend, auf dem Wahlzettel zu sehen, was man alles wählen kann.

Letzte Frage: Wohin wollt ihr in Europa mal reisen?

Christopher: Am liebsten überall hin.

Marie: Ich möchte gerne nach Frankreich und Belgien.

Merle: Spanien.

Emma: Nach Frankreich, weil es mir so gut gefallen hat. Und nach Brüssel.

Lesfo: In Italien habe ich Familie. Da bin ich häufiger. Nach Island möchte ich auch mal gerne. Da gibt es so viele schöne Ponys.

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