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100 Tage Schulleiter: Erste Prüfung: Corona

100 Tage Schulleiter : Erste Prüfung: Corona

Seit 100 Tagen ist Christoph Oldeweme Leiter des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Pützchen. Vor allem Schutzmaßnahmen gegen Corona haben diese Zeit bestimmt.

Die grasgrüne Wand in seinem Büro springt jedem sofort ins Auge. Ein Zeichen der Hoffnung in dieser für alle so außergewöhnlichen Zeit? „Nein“, sagt Christoph Oldeweme und lacht. Seit gut 100 Tagen leitet er das Sankt-Adelheid-Gymnasium (SAG) in Pützchen. „Grün erinnert mich an die großen Wiesenflächen meiner Heimat im Emsland. Daher habe ich mich für diesen farblichen Akzent entschieden“, erzählt er.

Dabei hatte sich Oldeweme seine offizielle Amtseinführung als neuer Leiter des katholischen Mädchengymnasiums wahrscheinlich ganz anders vorgestellt. Doch wegen der Pandemie musste vieles gestrichen oder geändert werden. Aber: „Wir haben einfach das Beste aus der momentanen Situation gemacht“, sagt er dennoch zufrieden. Anstatt in großer Runde hat er sich eben in vielen kleinen Gesprächskreisen vorgestellt – dem Kollegium, den Eltern und den Schülerinnen. Immer unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Gleich zu Beginn des Schuljahres ist er von Klasse zu Klasse gegangen und hat die jeweils schönste Maske prämiert. „Damit wollte ich auch ein Bewusstsein dafür wecken, dass der Mund-Nasen-Schutz derzeit ganz selbstverständlich zu unserem Alltag zählt und wir ihn widerspruchslos tragen. Corona nimmt uns nicht die Freude am gemeinsamen Lernen, Leben und Glauben. Dafür haben wir alles gut geplant und vorbereitet“, versichert er.

Eine strategische Herausforderung musste er gleich zu Beginn seiner neuen Aufgabe leisten. Denn trotz Pandemie fand am SAG im September der Tag der offenen Tür statt. Ein organisatorisches Mammutprojekt für die Schule. Denn nur in Kleingruppen durften die Eltern durch die Schule gehen, jeweils begleitet von einem Lehrer. „Aber am Ende hat alles sehr gut funktioniert und viele Eltern haben uns gesagt, dass sie dankbar sind, dass sie trotz der Einschränkungen die Schule kennenlernen konnten“, berichtet er.

Dennoch gibt es mittlerweile auch an seiner Schule einen positiven Coronafall. „Davor habe ich wirklich sehr große Angst gehabt. Aber jetzt wissen wir, dass unsere Maßnahmen greifen und unser System funktioniert. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt war ebenfalls hervorragend. Wir sind gut aufgestellt“, ist der Schulleiter sicher.

Geboren und aufgewachsen im Emsland, kam Oldeweme fürs Studium nach Köln, wo der 54-Jährige auch heute noch lebt. Nach einem Zwischenstopp in Wuppertal kehrte er beruflich zurück. Mehr als 23 Jahre unterrichtete er Deutsch und Geschichte an der Ursulinenschule in Hersel, bevor er schließlich mit Beginn des Schuljahres die Leitung der Erzbischöflichen Schule in Pützchen übernahm.

Oldeweme ist ein überzeugter Verfechter sowie Fürsprecher von Mädchenschulen. „Ich bin selbst nach so langer Zeit von diesem Grundkonzept immer noch total begeistert und überzeugt“, sagt er. Doch der Kampf gegen althergebrachte Klischees ist noch lange nicht beendet. „Deshalb habe ich den Button ,Mädchenschule? Ja, sicher‘ auf unsere Homepage gesetzt“, erklärt er. „Wir haben hier ein Angebot, dass ganz gezielt auf Mädchen und die Entwicklung junger Frauen ausgerichtet ist. Mädchenschulen sind sehr modern aufgestellt.“

Großen Wert wird am SAG auf die Vermittlung von Tugenden gelegt. „Gemeinsames Lernen sowie gegenseitige Wertschätzung und Wertevermittlung stehen bei uns an erster Stelle“, sagt Oldeweme. So würden sich die Mädchen zu selbstbewussten, starken Frauen entwickeln, die wissen, wie sie ihre Kompetenzen einsetzen und nutzen. „Wir wollen Interessen wecken, die vorher nicht vorhanden waren. Die Mädchen sollen zeigen, was alles in ihnen steckt.“ Und er verspricht: „Wir werden auch in den nächsten 100 Jahren eine offene Schule sein, die hier in Pützchen mitten im Ort fest verankert ist.“