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Familie schenkt kostbare Figuren Pfarrer

Ausstellung in Vilich : Krippe mit 60 Figuren als Geschenk

Pfarrer Michael Dörr baut die Rarität auf und sagt: „Ein schönes Zeichen in einer schwierigen Zeit“. Die bisherige Besitzerin trennt sich nach dem Tod ihres Mannes von dem Sammlerstück.

Dass Schenken Freude bereitet, merkt man Eva-Maria Schnicke an. Mit einem Strahlen im Gesicht liefert sie ihre Familienkrippe per Auto in Vilich ab. Der Bad Godesbergerin ist es wichtig, dass ihre Rarität jedes Jahr vor Weihnachten aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Pfarrer Michael Dörr, der seit Kindertagen Krippen sammelt, sagt ihr das bei der Übergabe nochmals zu.

Und trotz der Auflagen während der Corona-Pandemie ist es Dörr gelungen, dass die Krippe sogar schon zu diesem Weihnachtsfest aufgebaut und gezeigt werden kann. Gemeinsam mit Küster Martin Hissen und Beate Roll vom Messkreis hat der Pfarrer von St. Peter die außergewöhnliche Krippe kurz vor Weihnachten aufgebaut. Alle Gemeindemitglieder können die Krippe von außen durch die großen Frontscheiben des Hauses der Begegnung in Vilich, Adelheidistraße 19, bewundern.

Und was die Pfarrei auch noch geschafft hat, ist die Einbindung der Rarität in die drei bereits ausgearbeiteten Krippenwege in Geislar, Vilich-Müldorf und Vilich. Die letzte Station aller drei Routen ist jetzt das Haus der Gemeinde. Die Krippenwege können bis Mittwoch, 6. Januar, einschließlich abmarschiert werden.

Was ist das Besondere an der sogenannten Czizek-Krippe? Eva-Maria Schnicke, die diese Krippe seit Mitte der 1980er-Jahre in ihrem Wohnzimmer aufgebaut hat, kann das mit einem Funkeln in den Augen erklären: „Fangen wir mit dem Ausmaß an. man benötigt rund 30 Quadratmeter Platz, die Länge der Aufstellfläche beträgt etwa 15 Meter, und es handelt sich um mehr als 60 Krippenfiguren. Verpackt man die Krippe, benötigt man bis zu 20 Umzugskartons, die über das Jahr an einem trockenen Platz stehen müssen.“

Mit dem Ehepaar Czizek verband die Familie Schnicke eine tiefe Freundschaft. „Von Jahr zu Jahr erhielten wir weitere Figuren geschenkt. Wir waren überglücklich, ein solches Kleinod zu bekommen“, erinnert sich Eva-Maria Schnicke im Gespräch mit dem GA. Nun, da ihr Ehemann Martin nicht mehr lebt und sie selbst – wie sie sagt – nicht mehr jünger wird, ist ihr der Auf- und Abbau zu viel Arbeit geworden. „meine Kinder haben auch nicht den Platz für eine so große Krippe. Deshalb stifte ich sie jetz t in gute Hände“, betont die Bad Godesbergerin.

Pfarrer Michael Dörr ist überglücklich, diese Rarität nun verwalten und pflegen zu dürfen. Fast 30 Krippen hat er bereits in seiner Sammlung. Was begeistert ihn so sehr an Krippen? „Krippen überliefern die Menschwerdung Gottes durch die Geburt Jesus. Als Christ kann man aus dieser Botschaft Kraft und Zuversicht schöpfen. Und das ist gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit ein hoffnungsvolles Signal“, sagt Dörr.

Und wenn Dörr jetzt so vor den Frontscheiben seines Gemeindehauses steht, werden Kindheitserinnerungen wach: „Der Anblick erinnert mich ein wenig an die Schaufenster des Spielwarengeschäfts Puppenkönig in Bonn. Dort habe ich als Kind jährlich mir die Nase platt gedrückt und die Eisenbahnen bewundert.“

Der Aufbau der Czizek-Krippe war laut Dörr ein Erlebnis. Von Anfang an musste sich das Team strategische und statische Gedanken machen. „Es besteht die Möglichleit, die Krippe ganz unterschiedlich aufzubauen. Wir haben uns dazu entschieden, dass alle Figuren in  Richtung Krippe blicken und marschieren. Sie sind auf dem Weg zu Christus“, so Dörr.

Mit seiner Pensionierung bekam Hans Joachim Czizek (1924 bis 2007) die Möglichkeit, neapolitanische Figuren in Italien zu restaurieren. Der Funke für ein leidenschaftliches Hobby wurde dort gelegt. Er stellte nach ausgiebigen Studien die Rohlinge her, seine Ehefrau Marie-Luise (1924 bis 2003) fertigte die Kleidung. „Das erforderte eine besondere Fingerfertigkeit, viel Fachwissen und Geduld“, erinnert sich Eva-Maria Schnicke.

Das Ehepaar Czizek verfügte über eine reichhaltige Bibliothek, die sie mit Informationen über Kleiderordnungen, Stilrichtungen, Restaurierungsmöglichkeiten und liturgischen Vorgaben versorgte. Das Ehepaar griff gerne auf alte und antike Stoffe sowie auf Glasaugen aus Lauscha zurück. „All diese Komponenten machen die besondere Ausstrahlung der Figuren aus. Ihre Krippen und Stoffe waren bei Sammlern sehr beliebt. Das Ehepaar blieb trotz des Erfolgs bescheiden und lebte sehr zurückgezogen. Sogar in Japan fand vor Jahren eine Ausstellung mit ihren Krippen statt“, berichtet Eva-Maria Schnicke.