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Fluthilfe an der Ahr

Ehepaar aus Schwarzrheindorf hilft bei den Aufräumarbeiten an der Ahr : Klaviermusik inmitten der Zerstörung

Matthias und Christiane Schulenburg aus Schwarzrheindorf waren mit Freunden an der Ahr, um bei den Aufräumarbeiten in den Flutgebieten zu helfen. Und sie wollen wieder hin.

Weinberge in saftigem Grün, darüber ein blauer Himmel: Das Ahrtal bietet ein idyllisches Panorama. „Und dann drehst du dich um...“, sagt Matthias Schulenburg nachdenklich. Kein Wunder: Denn in diesem Augenblick bot sich ihm und seinen Kameraden ein ganz anderer Anblick.

 Matthias Schulenburg (l.) und seine Kameraden haben eine Woche lang im Ahrtal geholfen.
Matthias Schulenburg (l.) und seine Kameraden haben eine Woche lang im Ahrtal geholfen. Foto: Privat

Schulenburg und seine Bekannten bekamen in der vergangenen Woche das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe an der Ahr zu Gesicht. Zerstörte Häuser, verschlammte oder weggeschwemmte Straßen, überall Geröll, Bahngleise, die wie ein Gummiband in einen Bachlauf hineinhängen, zerstörte Brücken, ganze Dörfer, die nicht mehr wiederzuerkennen sind – auch sechs Wochen nach dem Hochwasser gibt es noch eine Menge aufzuräumen.

 Immer noch viel zu tun: Helfer aus Schwarzrheindorf räumen Schutt in einem zerstörten Straßenzug zusammen.
Immer noch viel zu tun: Helfer aus Schwarzrheindorf räumen Schutt in einem zerstörten Straßenzug zusammen. Foto: Privat

Dabei haben Schulenburg, Juniorchef des Betriebs Kälte Cöllen in Schwarzrheindorf, und einige andere fünf Tage lang mitgeholfen. Er und seine Frau Christiane sahen im Familienurlaub an der Nordsee die Berichte von der Überschwemmung und trommelten noch von dort aus Freunde und Bekannte zusammen. Fürs Material bemühte der 38-Jährige sein Netzwerk. Am Ende transportierten sie einen Bobcat Kompaktlader und einen kleinen Muldenkipper von der Beueler Firma Boels, viel gespendetes Arbeitsmaterial, Getränke und einen Minibagger von Sven Wiesener mit einem Ford Ranger samt Anhänger sowie einem Mannschaftsbus von Ford Wiemer in Troisdorf-Spich an die Ahr.

 Im Großeinsatz: Mit Minibagger und Muldenkipper wird der Schutt weggeräumt.
Im Großeinsatz: Mit Minibagger und Muldenkipper wird der Schutt weggeräumt. Foto: Stefan Knopp

Weniger erfolgreich sei die Vorab-Organisation des Einsatzes vor Ort gewesen, berichtet Schulenburg. Drei Wochen lang habe er telefoniert, um herauszufinden, wo Hilfe gebraucht wurde – vergeblich. Letztlich steuerte der Tross erst einmal Bad Neuenahr an, wo sich dann recht schnell eine Einsatzmöglichkeit ergab. „Man muss einfach vor Ort sein“, sagt der 38-Jährige. Dort musste eine Tiefgarage von den Schlammmassen befreit werden, die die Flut hineingespült hatte. Die Schulenburgs, Wiesener, Giovanni Giannico, Franz-Josef Orth, Michael Schulz, Thomas Bronkalla und Timon Bellinghausen machten sich ans Werk und fuhren abends erschöpft nach Hause. Die Geräte ließen sie vor Ort.

Am nächsten Tag standen sie vor der Herausforderung, alles ins 20 Kilometer entfernte Lochmühle zu schaffen, das zu Mayschoß gehört. Dort wollten sie einer Familie und einem Winzerehepaar helfen. „Ich habe einfach einen Lastwagenfahrer angehalten und gefragt, ob er helfen könnte“, so Schulenburg. Dessen Chef sagte zu, in einer Extrafahrt das viele Arbeitsmaterial zu transportieren – kostenlos. Überhaupt habe er viel Hilfsbereitschaft angetroffen: Der kaputte Reifen am Bobcat wurde von einer Firma vor Ort gratis repariert, es gab Leute, die mit Verpflegung für die Helfer herumfuhren. Und dann kam ein Pianist auf einem Lastwagen des Technischen Hilfswerks (THW) und spielte: Da hatten die Helfer einen Kloß im Hals.

„Der Zusammenhalt der Menschen vor Ort, die Verpflegung durch und für die freiwilligen Helfer, der Versuch der Koordination durch die Freiwilligen vor Ort, das alles lässt einen hoffen, dass das Ahrtal in seiner Schönheit und Heimat für viele irgendwann wieder aufgebaut werden kann“, meint Schulenburg. Aber dafür dürfe auch die mediale Aufmerksamkeit trotz all der anderen Themen auf der Welt nicht nachlassen.

Auf die Helfer hat diese Erfahrung einen überwältigenden Eindruck gemacht. Schulenburg, seine Frau und viele ihrer Begleiter wollen auf jeden Fall wieder an die Ahr, sobald es möglich ist, und weiter ihre Hilfe anbieten.