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Flutkatastrophe: Hilfsaktionen - Beueler beteiligen sich

Große Hilfsbereitschaft nach der Flut : Beueler beteiligen sich an zahlreichen Hilfsaktionen

Einige haben sich nach dem Urlaub mit Eimern ins überflutete Gebiet aufgemacht, um voll gelaufene Keller von Schlamm zu befreien. Andere haben Hilfsgüter gesammelt oder mit dem Autokran Container aus dem Fluss gezogen. Die Hilfsbereitschaft vieler Beueler ist groß.

Die Bilder überfluteter Städte, Gemeinden und Ortschaften nach dem Tief Bernd sowie das Schicksal der Betroffenen bewegen auch viele Beueler. Zahlreiche Vereine und Gruppe sowie einzelne Bürger haben sich bereits an Hilfsaktionen beteiligt.

Zu ihnen gehört beispielsweise Roland Barth (27), zweiter Vorsitzender des Schaustellerverbands Bonn. „Als wir die ersten Bilder gesehen haben, gab es nur einen Gedanken: Wir müssen was tun“, sagt er. Barth, der die Achterbahn „Feuer und Eis“ betreibt, hat seinen Firmensitz in Beuel. Zu seiner und der Ausstattung von Familienmitgliedern und befreundeten Unternehmen gehören zahlreiche schwere Geräte und Fahrzeuge wie Autokräne, Zugmaschinen, Tieflader und Transporter. Während der Pandemie bleiben die Maschinen aber oftmals stehen.

Aufruf unter Schaustellern

Kurz nach Bekanntwerden der katastrophalen Zustände hatte Barth einen Aufruf gestartet, dem viele Mitglieder gefolgt seien. Und das, obwohl viele während der Pandemie feste Anstellungen angenommen hätten. Sogar Barths Cousine Bärbel sei aus Peine in Niedersachsen zum Helfen angereist. In Zusammenarbeit mit dem Verein Allgemeiner Ambulanz & Sanitätsdienst Deutschland sei die Gruppe der Schausteller letztlich nach Bad Münstereifel-Arloff (Kreis Euskirchen) geschickt worden, um dort zu helfen. Dabei waren auch die in Beuel beziehungsweise Bonn bekannten Familien Markmann und Zündorf sowie weitere Schausteller. Barths Onkel Otto („Olympia-Looping“) stellte etwa Lkw bereit. „Mit dem Autokran haben wir zum Beispiel zwei Container aus der Erft gezogen, die wogen jeweils zwölf Tonnen. Und auch Autos haben wir so herausgeholt“, sagt Barth, der sich sogar zu einem der Wagen zunächst einen Hang abseilen muss-te.

Zudem brachten die Helfer mit einem Tieflader Lebensmittel von einer Sammelstelle in Köln-Porz nach Bad Münstereifel-Arloff. Familie Zündorf baute dort auch einen Imbissstand zur Versorgung von Anwohnern und Helfern auf. Und Barths Onkel Peter setzte dessen Abschleppfahr-zeug ein, um beim Wegfahren der vielen beschädigten Pkw zu helfen. „Ich bin sehr stolz auf unsere Mitglieder. Die Dankbarkeit für deren Einsatz war überall zu spüren. Sogar der Vizepräsident des Deutschen Schausteller-Bundes, Thomas Meyer, war dabei“, sagt Barth.

Husmann: „Das macht fassungslos“

Unterdessen hatte Michael Husmann (51), Berufssoldat aus Oberkassel, im Italien-Urlaub von der Naturkatastrophe und deren Folgen erfahren. Sofort nach der Rückkehr fuhr er am Sonntag nach Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz, Landkreises Ahrweiler). Zuvor hatte er in einer Whatsapp-Gruppe mit Freunden und Bekannten erfahren, dass der Keller eines Bekannten vollgelaufen war. Seinen Wagen hatte Husmann an einem Supermarkt in der Stadt geparkt und war dann zu Fuß weitergegangen. Die Eindrücke aus der von den Wassermassen betroffenen Stadt seien nachhaltig. „Ich bin Berufssoldat, war in Afghanistan und Bosnien und kenne Bilder von zerstörter Infrastruktur. Aber so etwas in diesem Gebiet zu sehen, das fast zu meinem unmittelbaren Lebensumfeld gehört, macht mich fassungslos“, sagt Husmann.

Statt einer Schaufel hatte er vor allem Eimer dabei: Mit diesen und vielen weiteren holten die Helfer den bereits fest gewordenen Schlamm in einer Menschenkette aus dem Keller des Bekann-ten. Zugleich sollte eine Pumpe eingesetzt werden, dafür benötigten die Helfer aber Wasser – wegen des festen Schlamms. Seine Erfahrungen und Infos für Helfer teilt Husmann nun bei Fa-cebook.

Schwarz-Gelbe Jonge bringen Stromaggregate

Infolge der zerstörten Infrastruktur fehlt beispielsweise auch Strom. Hier wollten die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft (KG) Schwarz-Gelbe Jonge mit drei eigenen Aggregaten zur Stromer-zeugung helfen. Die Idee dazu hatte der langjährige Sitzungspräsident Jürgen Engels, berichtet KG-Vorsitzender Helmut Sementschuck. „Unsere Stromerzeuger waren bisher nur im Karneval im Einsatz und stehen im Jahr meistens nutzlos im Sommerlager“, so Sementschuck.

Nach einer Suche nach Kontaktpersonen seien zwei Abnehmer für die drei Geräte in Dernau und Walporzheim (Landkreis Ahrweiler) gefunden worden. Doch zunächst konnten nur zwei der Geräte einer Frau in Rech bereitgestellt werden. Wie Sementschuck berichtet, glich die Suche nach befahrbaren Straßen und Wegen am Freitag einem Glücksspiel. So habe in Richtung Walporzheim ein Baum mitsamt der Wurzel auf der Straße gelegen, ein anderer Teil der Fahrbahn sei in einem Loch verschwunden. Zudem sei das Verkehrschaos an der einzigen Brücke in Richtung Koblenz gewaltig gewesen. Mitterweile habe aber auch ein Mann in Walporzheim das dritte Gerät erhalten.

Sachspenden aus Beuel und Umgebung

Die KG-Mitglieder seien nach den Begegnungen mit den Hochwasseropfern zutiefst betroffen. „Die Menschen waren von den Entbehrungen gezeichnet und in einem abgekämpften Zustand“, schreibt Sementschuck.

Mit einem Aufruf für Sachspenden halfen die Mitglieder der KG Kaasseler Jonge und des Damenkomitees Nixen vom Märchensee, berichtet Dietmar Brenner, Präsident der Kaasseler Jonge. In der Wagenhalle der KG sammelten die Helfer die Spenden: Letztlich kamen 400 Kartons und unzählige Plastiksäcke zusammen. Damit beluden die Helfer zwei Lkw sowie 16 Transporter, zum Teil mit Anhängern. Diese wollten die Karnevalisten zunächst zum zugewiesenen Abladeort bei Haribo in Grafschaft bringen. Nach einer weiteren Zuweisung in Weilerswist kam die Beueler Hilfslieferung schließlich in Euskirchen an.